Programm
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XII (sequence 11)
- Language
- German
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XII als gute Frankfurter Jungen, neben zerrissen auch verrissen nennen und dazu als Beispiel angeben: mein Buch ist mir verrissen gangen; — oder die zu dem Verbum spotten neben verspotten auch ausspotten beibringen, und was dergleichen mehr ist. Zur Berichtigung von solchen falschen Bildungen ist das Aufstellen von Wortfamilien ein sehr geeignetes Mittel, man müßte sonst auf einen Zufall warten, der Anlaß zu einer Belehrung in dieser Richtung gäbe; und oft genug tritt dieser Zufall in Gestalt eines derartigen im Aufsätze fehlerhaft verwandten Wortes auf. Diesem aber sollte man früh genug vorbeugen. Geschieht das auf diese Weise, läßt man dem Schüler, der mit Eifer, besonders wenn man es auf Erreichung möglichster Vollständigkeit einmal absieht, alle nur erdenklichen Wortgebilde beibringen wird, die Muße, das betr. von ihm genannte Wort in Verbindung mit anderen vorzubringen und zu erklären, sucht man ihm endlich, ab und an auch durch Herbeiziehung analoger Bildungen, am besten in recht drastischer Weise klar zu machen, warum diese oder jene Wortzusammensetzung sprachlich unrichtig ist, so wird unsere Jugend ein Gefühl für unschöne und falsche Bildungen bekommen, und es werden dann besonders die zahlreichen falschen Wortzusammensetzungen, über die Andresen, Lyon u. a. in den oben angeführten Schriften zu klagen haben, eingedämmt werden könneu. 3) Um Eintönigkeit zu vermeiden, wird man sich nicht darauf beschränken, einfach die einzelnen Wörter aufzählen zu lassen, sondern wird sie öfter zum Gegenstand von Übungen machen, die an sie angeknüpft werden können. Schon oben ist die Rede davon gewesen, daß zur Erklärung mancher Wörter kleine Sätze gebildet werden sollten. Ganz besondere Beachtung ist dann der bildlichen Bedeutung mancher Ausdrücke und Redensarten zu schenken. Das bedarf wohl keiner weiteren Empfehlung. Vgl, Rudolf Hildebrand, vom deutschen Sprachunterricht S. 89 ff. — Um Abwechslung zu bieten, ist es auch gut, an einer so zusammengestellten Wortfamilie Übungen orthographischer, grammatischer und stilistischer Natur, dem jedesmaligen Pensum der Klasse entsprechend, vorzunehmen. Für Sexta kann man z. B. für die Orthographie vorzüglich eine Wortfamilie wie schließen verwenden, gleichsam als Prüfstein dafür, ob die verschiedenartige Schreibweise des scharfen 8-Lautes (ß, ss) bekannt ist: man lasse sich an einer Reihe von Wörtern dieser Familie ihre Schreibweise begründen. Also: schließen, der Schließer, die Beschließerin, die Erschließung, Ausschließung — mit ß hinter langem Vokal im Inlaut; dagegen: verschlossen, Entschlossenheit, Schlosser, Schlüssel, schlüssig u. s. wmit ss im Inlaut nach kurzem Vokal; endlich: Schließhaken, schließlich, Schloß, Schluß, Entschluß u. s. w mit ß.im Auslaut. — Überhaupt wird es zur Erlangung vollständiger Sicherheit in der Schreibung z. B. von Wörtern mit auslautendem b, d oder t ganz unumgänglich notwendig sein, möglichst viele Ableitungen derselben dem Schüler vorzuführen. Z. B. Leid, leiden, leidlich, leider, Leidenskelch, Leidensgefährte u. s. w. Auch für andere Gebiete der Orthographie kann die Aufstellung von Wortfamilien sehr nutzbar gemacht werden. Dies im einzelnen auszuführen, verbietet hier der Raum. — Grammatisches: Hier kann man sich von den sämtlichen Verben einer Familie angeben lassen, welche transitiv und welche intransitiv sind, welche von den transitiven auch reflexiv, bezw. welche von den vorkommenden Verben nur reflexiv gebraucht werden können, und dergl. Recht großen Nutzen bringt die Berücksichtigung der Rektion einiger Verben. Von Substantiven mag man sich den Plural bilden und sie in Konkreta und Abstrakta scheiden lassen u. s. w. — Stilistisches: Man lasse Wörter desselben Stammes mit verschiedenen Vor- oder Nachsilben, aber gleicher oder doch ähnlicher Bedeutung, nebeneinander stellen, z. B. anweisen, zurechtweisen, unterweisen; die Vorsilbe un- und die Nachsilbe -los in vielen Wörtern: gefahrlos — ungefährlich; grundlos — unbegründet (aber: ungründlich!); trostlos — untröstlich; nutzlos — unnütz; ebenso: -bar, -lich und sam u. s. w. Auch int Gegensatze dazu, Wörter verschiedener Stämme, die eine gleiche Bedeutung haben z. Bunter-