Programm
- Journal
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XI (sequence 10)
- Language
- German
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XI wenn es sich darum handelt, aus einem Lesestücke, das gelesen und besprochen worden ist, die characteristischen Eigenschaften der darin vorkommenden Personen aufzufinden. Am ehesten kommen sie damit noch mit Hilfe eines Verbums zu Wege: der und der gönnt dem anderen nichts. Er ist mißgünstig treffen sie in der Regel nicht gleich. Es liegt auf der Hand, daß sie präcisere Antworten geben können, wenn ihnen aus der Wortfamilie gönnen neben vergönnen, mißgönnen u. s. w. auch Gunst, günstig und mißgünstig geläufig sind. — Das Gleiche gilt von den Adjektiven lüstern, gehässig, selbstsüchtig, erkenntlich, vergeßlich, teilnahmsvoll, lernbegierig, willfährig, versöhnlich, hoffärtig, langmütig und vielen anderen, deren Gebrauch gewöhnlich den Kindern fernliegt, und für die sie zumeist Umschreibungen anwenden. Ein reiches Arbeitsfeld eröffnet sich ferner, wenn man darauf bedacht ist, bei Zusammenstellung von Wortfamilien besonders auf Wörter desselben Stammes zu achten, die sich zwar nur unwesentlich durch ihre Endungen, aber gar sehr durch ihre Bedeutung unterscheiden. Der Sextaner erfahre also von einer gläubigen Gemeinde und einer kaum glaublichen Geschichte (dazu dann abergläubische Leute; die Gläubiger, aber die Gläubigen), wie er wohl schon ein kindisches Gebahren und ein kindliches Gemüt, ein geistliches Amt und geistige Vorzüge zu unterscheiden weiß. Er soll wissen, daß die Zeitung viel Neuigkeiten bringt, bei dem Kaufmann aber Neuheiten eingetroffen sind, die man also gar nicht „kautss iwnvoautss;" zu nennen braucht! Er mag lernen, daß etwas zu einer bestimmten Verrichtung dienlich ist, daß der Beamte aber dienstlich verhindert war; daß Herr X. ständiger Berater des Fürsten ist, und daß ein aufständischer Volksstamm bekriegt wird u. s. w. Er soll unterscheiden können, was man mit einem unterworfenem Lande, Fürsten u. s. w. und mit einem unterwürfigen Menschen, Diener u. s. w. bezeichnet; was ein verdorbener Character, verdorbene Speisen u. s. w. sind, und was dagegen ein verderblicher Krieg, Umgang u. s. w. ist; was ein günstiger Zufall, Fahrwind, Gott u. s. w. und ein begünstigter Mensch bedeutet; was verworfene Menschen und verwerfliche Pläne sind und dergl. mehr. Alles dieses kann man allerdings auch für sich und losgelöst von allen anderen stammverwandten Wörtern vorbringen und besprechen, aber am zwanglosesten und besten wird es sich doch wohl machen bei der Zusammenstellung von Wortfamilien, um so mehr, als dann nicht nur die eben genannten Ausdrücke zum Verständnis gebracht werden, sondern nebenher noch eine ganze Reihe anderer, unter denen sich immer wohl einige besonders bemerkenswerte befinden werden. So z. B. zu werfen außer dem bekannten verwerfen, hinauswerfen, der Wurf, Würfel und den oben berührten verwerflich und verworfen u. f. w. auch der Werft — Kette eines Gewebes, (dagegen von einem anderen Stamme das Werft — ein am Wasser gelegener Platz zum Schiffsbau) und der Worfler ( die Worf- oder Wurfschaufel), so daß dann dies Wort, wenn es z. B. später bei Voß in der Übersetzung der Odyssee XI, 128 begegnet, nichts Auffälliges mehr für den Schüler hat. Endlich erreicht man mit Bildung solcher Wortfamilien, daß der Schüler eine Vorstellung von dem Reichtum seiner Muttersprache an Wortgebilden bekommt und sieht, daß man ohne Not sich kein Wort aus der Fremde zu borgen braucht. Zu den bekannten Ausdrücken: Habsucht, Prunksucht u. s. w. fügt sich Selbstsucht statt des fremden Egoismus; zu Hochmut, Übermut, Langmut auch Schwermut und schwermütig, dann braucht man die Schüler mit Melancolie und melancolisch gar nicht zu quälen. 2) Man wird bei diesem Aufsuchen von Wörtern desselben Stammes auch Gelegenheit finden, die Schüler auf das Falsche gewisser Zusammensetzungen und Ableitungen, die in der örtlichen Umgangssprache zwar beliebt, der Schriftsprache dagegen fremd sind, aufmerksam zu machen. Man kann sicher darauf rechnen, daß, wenn die Wortfamilie reißen zusammengestellt wird, sich noch Schüler finden werden, die,