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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite XIII

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Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite XIII (sequence 12)
Language
German
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Ml weisen — unterrichten, belehren, aufklären u. s. w.; befehlen — gebieten, verordnen, vorschreiben, anordnen, heißen u. s. w. Nur so kann man den Schüler befähigen, die in Aufsätzen so schwer zu beseitigende öftere Wiederholung desselben Ausdrucks zu vermeiden. — Empfehlenswert ist es auch, in paffenden Fällen die Gegensätze aufsuchen zu lassen, z. B. verwerfen — billigen, gutheißen; verwerflich — lobenswert; selbstsüchtig — selbstlos u. s. w. — Schließlich kann man die ganze Menge der gefundenen Wörter auch einmal ordnen nach Ablautung, Ableitung und Zusammensetzung (mit Sübstant., Adjektiven u. s. w), wie das z. B. Schulz in seiner deutschen Grammatik (8. Aufl. Paderborn, Schöningh 1886) § 123 thut. 4) Endlich eignen sich diese Wortfamilien dazu, um den Schülern oberer Klassen bequem einen „Blick in das Leben der Muttersprache"^) zu verschaffen. Beim Lesen der Schillerschen Gedichte, noch mehr aber des Nibelungenliedes, der Übersetzung der Odyssee und Jlias von Voß u. s. w. wird man sehr oft nicht umhin können, zur Erklärung gewisser Wörter und Wortformen auf die ältere Sprache zurückzugreifen. Selbstverständlich kann das Lesen nicht weitgehenden sprachlichen Erläuterungen zu Liebe unterbrochen werden; aber unumgänglich notwendig ist es, mit den Schülern von Ober-Tertia an das, was von sprachlichen Erscheinungen früher bei gelegentlichem Vorkommen flüchtig berührt worden ist, nun einmal im Zusammenhang zu besprechen und zu vollem Verständnis zu bringen. Dazu ist aber, wenn nicht erforderlich, so doch von Vorteil, daß der Schüler über recht viel Wortmaterial verfügt, wie es dem an das Herzählen von Wortfamilien Gewöhnten schnell zur Hand ist. Nur so kann man die Gesetze des Ablauts, der Brechung, Schwächuug, des Umlauts u. s. w. mit Erfolg klar machen. Man erinnert an das schon in der Sexta Gelesene: „die Huben an, auf ihn zu schießen", wobei auch das bekannte Sprichwort: „wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen" herangezogen worden ist, nimmt etwaige sonstige gleichartige Erscheinungen, die begegnet sind, hinzu und klärt nun den Schüler darüber auf, daß z. B. die Bildungen Burg, Bürger u. f. w. von dem Stamme bergen nichts Willkürliches, sondern begründet sind in der alten Pluralform des Imperfekts ich barg — wir bürgen Zum Vergleich: werfe, ich warf, alter Plural wir würfen (daher der Konjunktiv ich würfe und nicht ich würfe), der Wurf, Würfel u. s. w. — So führt man an Wortfamilien, bezw. an gleichartigen Erscheinungen, die aus verschiedenen Wortfamilien herausgegriffen werden, auch die übrigen in der Sprache obwaltenden hauptsächlichen Gesetze der Wortbildung vor. — Aus Schillers: „festgemauert in der Erden" weiß der Schüler etwas über die alte schwache Deklination weiblicher Substantiv«. Vielleicht sind ihm in Verbindung damit auch andere aus der alten Sprache stammende jetzt noch gebräuchliche Formen genannt: von Gottes Gnaden, Liebfrauenkirche (Kirche unserer lieben Frauen), es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen und ähnliches. Auf dieses zurückgreifend wird man Zusammensetzungen wie Sonnenschein, Erdenpilger, Höllenlärm u. s. w. in das rechte Licht setzen und sich weitere Zusammensetzungen mit denselben Wörtern nennen lassen. Nun muß der Schüler auch angeben können, warum man Tannenbaum, Fich.tenbaum, aber Eich bäum, Eichwald sagt (Eiche dekliniert in der alten Sprache stark), daß diese letztere Form also richtiger ist als Eichenwald und daß das en in Eichenwäldchen unorganisch ist. Er betrachtet es nun auch nicht mehr als bloße Willkür, wenn sich neben dem Namen von der Heide (Heyde) auch von der Heyden findet, oder wenn er die Namen von der Pfordten, von der Decken, zur Mühlen hört. Denn gewiß wird man den Schülern einen gelegentlichen Einblick in das äußerst interessante Kapitel von der Bildung der Eigennamen nicht vorenthalten wollen. — Einige Wörter werden sich in die Wort-!) Vgl. den lesenswerten Aufsatz von Münch in der Zeitschr. für deutschen Unterr. I, S. 412 ff.

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