Programm
- Journal
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite X (sequence 9)
- Language
- German
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X quäle die Schüler nicht damit, sondern nehme sie bei Gelegenheit einige Male im Quartale, und wie sie der Zufall sonst gerade bringt, „als ein Bissen Kuchen unter das Brot". Selbverständlich braucht man auch die ganze Familie nicht auf einmal zu erschöpfen: man wird bei Gelegenheit immer nachtragen^) und sich dann wohl das Hauptsächlichste und am meisten Bemerkenswerte des schon aus derselben Familie Durchgesprochenen wieder zusammenstellen lassen. Dabei empfiehlt es sich, die einzelnen Wörter, abgesehen von den allbekannten, wenn nicht in kleinen Sätzen, so doch in Wortverbindungen nennen zu lassen (Beispiel: versetzen, einen Baum, ein Haus, einen Beamten, einen Schüler, etwas als Pfand versetzen, eine Ohrfeige v.; — antworten); bei manchen mag man auch eine Erklärung verlangen, die dann in einem Satze zu geben ist. — Den Einwand, daß für derartige Übungen keine Zeit übrig sei, hoffe ich wesentlich abzuschwächen durch den im folgenden gegebenen Hinweis, wie mit diesen Wortfamilien das gerade in der Grammatik oder Orthographie Behandelte in Verbindung gesetzt und geübt werden kann. Der Vorteil, den ich mir von der Beschäftigung mit solchen Wortfamilien auch für Schüler höherer Lehranstalten verspreche, besteht nun in der Hauptsache in folgendem: 1)Der Wortvorrat des Schülers wird bereichert. Dies leuchtet von selbst ein. Mir ist es aber hier nicht einmal so sehr darum zu thun, die Aufnahme und Erklärung von Wörtern, die an sich sehr schwierig zu verstehen sind, in solche Gruppen zu befürworten, — wie man ja allerdings den allbekannten Wörtern nützen, ausnutzen, abnutzen, nützlich u. s. w. auch Nießnutz, oder der Gruppe: richten, ab-, ver-, vorrichten, Richter, Richtschnur, Richtplatz, rechten, Vorrecht, Pfandrecht auch Faustrecht hinzufügen kann; oder bei sitzen wohl Truchseß, bei wachsen — urwüchsig, auf welches Wort der Sextaner bei der oben erwähnten beliebten Aufsuchung von Wörtern mit ur — oder mit der Nachsilbe — ig schwerlich so leicht geführt werden könnte, wie bei Aufstellung der Wortfamilie von wachsen. Ich sage, ich habe dieses nicht einmal in erster Linie im Auge, denn das könnte man schließlich auch gerade so gut außer dem Zusammenhange mit solchen Wortfamilien vorbringen, wenn man dann auch warten müßte, bis ein Zufall auf sie führt. Besser sieht man den Nutzen solcher Zusammenstellungen schon ein, wenn an der Hand derselben dem Schüler klar gemacht werden kann, daß z. B. Vormund in keiner Weise mit der Mund zusammenzubringen ist, sondern (zum ahd. die munt — „der Schutz" gehörig) der „zum Schutze Vorgesetzte, der Beschützer" bedeutet, und daß mit demselben Stamme auch Mündel und mündig zusammenhängt, während mündlich zu der Mund gehört; oder daßFriedhof (— „der zur Schonung vor einem und um ein Gebäude eingesangene, eingefriedigte Raum") nichts mit Friede, und Eiland (entstanden aus Einland — ein allein, abgesondert liegendes Land) nichts mit E-i zu thun hat, oder endlich daß die Sündflut ihren Namen nicht wegen der Sünden der Menschen hat, sondern eine „große, gewaltige, weit verbreitete Wasserflut" bezeichnet (vom alten Stamm sin, welcher „Kraft, Stärke, Ausdehnung" bedeutet), daher auch besser Sintflut geschrieben wird. — Wichtiger aber als alles dieses ist, daß der Schüler eine Reihe von Ableitungen desselben Stammes im Überblick kennen lernt und in den Stand gesetzt wird, sich aus ihnen das für seinen jeweiligen Bedarf passendste und schlagendste Wort herauszusuchen. Den Vorteil, der hieraus erwachsen muß, wird der zu würdigen wissen, der einmal beobachtet hat, wie schwerfällig sich die Schüler oft anstellen, i) So wird man auf den ersten Anlauf bei der Familie binden nicht gleich bunt hinzunehmen, bei schwimmen nicht sofort Sumpf, sondern diese einer späteren Stufe vorbehalten, wo man eine Erklärung versuchen kann (Sumpf — ahd. swumft, mhd. fünft — zufammengeschwommenes Wasser), wie man sie ohne Zweifel geben wird, sobald das englische s^ainx gelernt ist. — Dasselbe-gilt von Demut (zu dienen gehörig); fertig (— zur Fahrt bereit) und vielen anderen.