Programm
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite VIII (sequence 7)
- Language
- German
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VIII bildet. Hat man da nicht recht, wenn man derartige Übungen aus das Allernotwendigste beschränkt oder ganz wegläßt? Den Schüler kann das nur langweilen, denn alles das weiß er ja schon. — Wie viel mehr geistbildend und anregend sind da doch Übungen, in denen verlangt wird, von den intransitiven Verben fallen, han gen, sitzen, springen, versinken die transitiven säll en, hängen, setzen, sprengen, versenken abzuleiten und zu erklären, oder auch umgekehrt, sich aus diesen jene bilden zu lassen! (Innere Wortbildung). Denn bei dieser Art von Übung geht es schon nicht mehr ganz so mechanisch ab: jede dieser Neubildungen ruft doch auch eine neue Vorstellung wach, — was man von den oben berührten Substantiv- und Adjektiv-Bildungen nicht immer behaupten kann — und gewiß wird es das Interesse des Schülers in hohem Grade erwecken, wenn er im weiteren Versolg dieser Art von Wortbildung findet, daß das ihm wohlbekannte schellen nichts anderes ist, als eine Ableitung von schallen/) und ebenso schallen machen bedeutet, wie fällen von sallen herkommt und sallen machen heißt; und daß eben dasselbe Verhältnis auch zwischen wecken und wachen, sengen und singen besteht (sengen — singen oder knistern machen). ^) — Dieses Kapitel der inneren Wortbildung — im Gegensatz zu der durch Ableitung und Zusammensetzung erfolgenden äußeren — ist also schon der Beachtung wert. Man wird aber gewiß nicht bei Zusammenstellung solcher Gruppen, deren Wörter die gleiche Erscheinung zeigen, stehen bleiben wollen, sondern zwanglos Verb- Substantiv- und Adjektivbildungen desselben Stammes hinzufügen, — und allmählich wird die Wortfamilie in ihrer ganzen Verzweigung fertig sein. So verschafft man dem Schüler einen Einblick in die Werkstätte der Sprache; so sieht er, wie die Sprache schafft, und das sollte man anstreben. Innerhalb dieser „Wortsippen" mag man dann auch einmal auf die bei der Bildung der verschiedenen Wortarten hervortretenden characteristischen Endungen, Vorsilben u. s. w. hinweisen. Ich sage damit nichts Neues; im Gegenteil, in früheren Zeiten sind derartige Wortfamilien im Unterricht sehr fleißig zusammengesucht worden, schon Pestalozzi und von Rochow haben sie eifrigst empfohlen. Auch jetzt findet man derartiges noch in vielen Grammatiken berührt, und ohne Zweifel wird es auch wohl auf der untersten Stufe, in den Vorschulen, betrieben. Was ich hier befürworten will, ist die Fortsetzung solcher Übungen in der Sexta und den folgenden Klassen. Daß sie recht nutzbringend gestaltet werden können, hoffe ich in folgenden darlegen zu können. In einem Falle wird wohl von allen dieser Forderung, wenn auch nicht gerade mit der hier von mir verfolgten Absicht entsprochen, nämlich bei der Durchnahme der Orthographie von Tod und tot nebst ihren Ableitungen. Will man hier erzielen, daß richtig töten aber tödlich, todkrank, aber totenblaß geschrieben wird, so kann man wohl nicht anders, als daß man den Schülern die zu Tod und zu tot gehörige Gruppe zusammenstellt. Nur ist dieses ein recht unerquickliches Beispiel, einmal weil die leidige Orthographiefrage dabei eine große Rolle spielt und die ganze Sache eigentlich nur ihretwegen gemacht wird, andererseits weil die Gruppe nicht sehr groß ist und die einzelnen Bildungen ihrer Form 1) Man wird den Schüler dabei auf die orthogr. Erscheinung aufmerksam machen, daß der Umlaut a häufig e neben ä geschrieben wird; z. B. Hand — behende; alt — Eltern; schlagen — Schlegel. 2) Diesen schon für die untere Stufe vollkommen verständlichen Bildungen wird man später hinzufügen -. hallen — hellen (---- einen Hall von sich geben, ertönen; dann auch: sich schallend, schnell bewegen), das nur in der älteren Sprache gebräuchlich ist, aber jetzt noch in der Verbindung in hellen Haufen auftritt. Vgl. Uhlands Schenk von Limburg. Vgl. auch „einhellig erwählt" (— mit einem Hall, einstimmig) bei Voß, siebenzigster Geburtstag V. 21.