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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite VII

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite VII (sequence 6)
Language
German
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VII Kritik des in den Schulgrammatiken Gelehrten sich findet, sowie daß die Vorschläge Kerns berücksichtigt und, soweit sie im Unterrichte verwendbar sind, empfohlen werden. Der mir zur Verfügung stehende Raum erlaubt nicht, alle Punkte des Pensums der Sexta und Quinta durchzusprechen; es konnten im folgenden daher nur einige Abschnitte, die mir besonders wichtig erschienen sind, ausgewählt werden. I. Zur Mortbildungslehre. Ich stelle einige Bemerkungen über die Behandlung der Wortbildungslehre an den Ansang, weil im allgemeinen diesem Kapitel im Unterrichte auf höheren Schulen recht wenig oder doch nur sehr nebensächliche Beachtung geschenkt zu werden scheint. Das hat auch z. B. Krause in seiner hochdeutschen Sprachlehre (Stade. Fr. Steudel) — einem bei all seiner Anspruchslosigkeit recht empfehlenswerten Büchlein — geradezugebilligt, indem er schreibt: „Die Lehre von der Wortbildung ist, als für den praktischen Gebrauch zurücktretend, in einen kurz gedrängten Anhang verwiesen". (Vorwort, S. VI.) — Allerdings man muß zugeben, daß nicht recht einzusehen ist, wozu man sich damit aushalten soll, eines langen und breiten zu erklären, daß die Nachsilbe in bei Substantiven zur Bildung „weiblicher handelnder Personennamen" dient/) oder daß „die Endungen chen und lein das Kleine, Angenehme, Zärtliche" bedeuten, oder endlich daß wichtige Vorsilben zur Bildung abgeleiteter Substantive ant, erz, miß, ur, un, u. s. w. sind? Das sind doch, da man auf der unteren Stufe eine wissenschaftliche Behandlung — Zurückgehen aus die Wurzel und Erklärung der einzelnen Veränderungen derselben — ausschließen muß, selbstverständliche Dinge, die man einmal erwähnen, aber nicht umständlich behandeln und einprägen wird, denn sie belasten nur das Gedächtnis des Schülers, ohne ihn eigentlich zu fördern! — Mehr praktischen Wert hat es schon, wenn man lehrt, daß Substantive auf — heit, — keit, — schaft, — tum Abstrakt« sind, oder daß die Vorsilbe ge — oft zur Bildung von Sammelnamen verwandt wird. Am ehesten wird man wohl im Interesse der Orthographie aus einige solcher Vorsilben und Endungen aufmerksam machen (Verrat, Ursprung, Mißmut u. s. w.) und am ausführlichsten bei der Bildung und Schreibweise der Adjektiva auf — ig und — lich verweilen. Die Einprägung der Orthographie von Wörtern wie heil-ig, wink!-ig, aber freund-lich, schreck-lich, hand-lich (mit Rücksicht auf die Regel: „Mit g schreibt man Adjektive mit der Nachsilbe — ig, mit ch diejenigen mit der Nachsilbe lich) giebt ja auch genügenden Anlaß zur Erklärung und Einübung der Begriffe: Stamm, Vorsilbe, Nachsilbe, zur Unterscheidung von Sprech- und Sprachsilben u. s. w.; auch sonst wird man gelegentlich auf Endungen und Ableitungssilben hinweisen, und damit könnte man eigentlich glauben, dem Nötigsten der Wortbildung, soweit es in den unteren Klassen gewußt werden muß, gerecht geworden zu sein. — Ausgaben, wie man sie in Übungsbüchern oft für Sextaner bestimmt findet: „Suche 10 Substantive mit der Endung in, ung, nis; mit den Vorsilben ant, ur u. s. w.", oder: „Bilde aus folgenden Substantiven durch Ableitung Adjektive mit der Endung ig: Kraft Mut u. s. w.", haben denn auch meiner Meinung nach auf dieser Stufe keinen großen Wert. Was erreicht man damit? Doch nur, daß der Schüler aus dem ihm gerade geläufigen Wortvorrate, einige hierhergehörige Wörter auf gut Glück zusammensucht, oder mechanisch jene Ableitungen von den ihm gegebenen Substantiven mit den ebenfalls gegebenen Silben >) Man wird das höchstens einmal dazu benutzen, um auseinanderzusetzen, daß sich die Frau eines Doctors, falls sie nicht wirklich selbst den Beruf eines Doctors ausübt, nicht Frau Doctov in heißt, sondern Frau Doctor. So bei allen Titeln: also nicht Frau Rätin, Frau Generalin u. s. w.

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