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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite VI

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite VI (sequence 5)
Language
German
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VI die in den Programmen angegebenen Pensen der einzelnen Klassen oder die Lehrpläne für den deutschen Unterricht durchzusehen, wird die Berechtigung dieses Wunsches anerkennen. Nehmen wir-z. B. das Pensum der Sexta. Da wird in manchen Programmen der Grammatik überhaupt nicht, oder doch nur in sehr allgemein gehaltener Weise Erwähnung gethan; in einigen wird die eingehende Lehre vom Adverb, vom Konjunktiv, vom Attribut und der adverbialen Bestimmung der Quinta vorbehalten, nach anderen soll alles das schon in Sexta erledigt werden; hier wird nur die Deklination des attributiven Adjektivs mit Artikel, dort auch die des Adj. ohne Artikel verlangt; hier will man nur gelegentlich, soweit es der fremdsprachliche Unterricht erheischt, einige wenige Präpositionen lernen lassen, dort sollen alle sehr genau geübt werden, — Das sind sehr weitgehende Unterschiede, und man glaube nicht, daß es sich da um Kleinigkeiten handle: im Gegenteil, die Durchnahme des Konjunktivs oder der Deklination des attributiven Adjektivs ohne Artikel z. B. allein kostet unsägliche Mühe und, was viel schwerer ins Gewicht fällt, außerordentlich viel Zeit, und diese ist so kostbar, daß es doch wohl der Mühe wert ist zu fragen, ob sie überhaupt darauf oder vielleicht mit viel mehr Nutzen auf ganz andere Sachen zu verwenden ist. Unstreitig von größter Wichtigkeit aber ist es, wie oben schon bemerkt worden ist, dem Schüler immer mehr den Inhalt der Sprache zu erschließen: darauf muß notwendig der grammatische Unterricht Rücksicht nehmen. Daß dieses sehr erfolgreich geschehen kann, wird in einem der folgenden Kapitel gezeigt werden. Außerdem ist noch ein Punkt zu berücksichtigen. Der in den Schulgrammatiken gegebene Lernstoff hat eine große Menge von Definitionen, Benennungen, Regeln u. s. w., die, aus alter Zeit ererbt, trotz mancher Anfechtung, die sie gelegentlich erfahren haben, doch ihr Dasein in ihrer alten Gestalt weiter fristen. Besonders seit Franz Kern neuerdings seine Reformvorschläge veröffentlicht hat^), ist es unabweisbare Pflicht, auch darüber eine Verständigung anzustreben, was von dem in den gramm. Leitfäden gewöhnlich gegebenen Stoffe etwa falsch und durch richtigeres zu ersetzen ist, was als unwesentlich oder überflüssig für den Unterricht ganz bei Seite zu lassen ist, und endlich was vereinfacht werden kann, überhaupt wie manche Punkte methodisch zu behandeln sind. Das sind die leitenden Gesichtspunkte für die folgenden Ausführungen. Durch sie erklärt es sich, daß an vielen Stellen, besonders in den auf die Satz- und Formenlehre bezüglichen Abschnitten, eine i) Ich verweise Beispiels halber auf das Sextapensum folgender Lehrpläne und Programme — von älteren, wie dem des Gymn. zu Burg 1867, S. XVII., oder des Gymn. Andreanum zu Hildesheim 1875, S. 8 f. ganz abgesehen —: des Friedrichs-Gymn. zu Cassel 1887, S. 3 und 14; des Gymn. zu Wiesbaden S. 39; der Realgymn. zu Schalke 1883, S. 1 und 16 und Marburg 1887, S. 17, endlich der verschiedenen Realschulen der Prov. Hessen-Nassau. — Das vergleiche man mit dem von Bauer-Duden (Grundzüge der nhd. Gramm. 20. Aufl. Nördlingen Beck 1887), von Wilmanns (deutsche Schulgramm. 1. Teil, für die unteren Massen bis Sexta. Berlin Parey. 6. Aufl. 1885). von Wendt (Grundriß der deutschen Satzlehre. Berlin Grote) — für Sexta daraus tz§ 1—71. vgl. Wendt im Progr. des Gymn. zu Karlsruhe 1877 —, oder von Lyon in seinem „Handbuch für die Sexta höherer Lehranstalten" Zusammengestellten, und man wird ein recht buntfarbiges Bild haben. — Röhrig (Jahrb. für Pädagog. 1872, S. 327) verlangt für Sexta sogar außer der Kenntnis vom „einfachen, nackten, erweiterten Satze und vom coordinierten Satzverhältnisse", auch Kenntnis von den Nebensätzen und dem zusammengezogenen Satze (a. a. O. S. 230)! -) Franz Kern, die deutsche Satzlehre, eine Untersuchung ihrer Grundlagen (Berlin Nicolai 1883). — Zur Methodik des deutscheu Unterrichts (1883). — Zustand nnd Gegenstand, Betrachtungen über den Anfangsunterricht in der deutschen Satzlehre (1886). — Grundriß der deutschen Satzlehre (2. Aufl. 1885). — Leitfaden für den Anfangs< Unterricht in der deutschen Gramm. (1888), nebst einer Begleitschrift: „Die 5. Direktorenversammlung in der Prov. Sachsen und die deutsche Satzlehre".

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