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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite V

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite V (sequence 4)
Language
German
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V und den Aufsatz unterstützt wird, ergiebt sich von selbst. Während aber hier nur von einem gelegentlichen Vorkommen, wie 'es gerade vom Zufall abhängt, die Rede sein kann, wäre es in den grammatischen Lehrgang planmäßig einzufügen. Ich brauche hier nur an die Fehler in der Plurälbildung, in der Bildung mancher Verbalformen (Imperfektum, Imperativ), an die fehlerhafte Inversion nach und (vgl. Lehmann a. a. O. S. 51—106) zu erinnern; über diese hat sich der Lehrer an der Hand der obengenannten und gleichartiger Werke zu orientieren und sie bei Durchnahme des betr. grammatischen Abschnittes mit Bewußtsein in der Weise zu berücksichtigen, daß sich die Fälle, in denen der Sprachgebrauch schwankend - ist, von denjenigen, die zweifellos falsches enthalten, scharf abheben. Sein Ziel wird aber der grammatische Unterricht erst erreicht haben, wenn er nicht bloß einseitig auf Erreichung von Richtigkeit und Reinheit im Sprachgebrauch sieht, sondern auch die Einführung in das Sprachverständnis erstrebt. Der Inhalt der Sprache muß dem Schüler erschlossen, er muß in ein möglichst vollkommenes Verständnis der ganzen Reichhaltigkeit des S p r a ch s ch a tz e s eingeführt werden. Die Mannigfaltigkeit der Wörter und Wendungen, welche die Sprache zum Ausdrucke eines und desselben Begriffes, eines und desselben Gedankens bietet, sind ihm zum Bewußtsein zu bringen, er muß den Bildergehalt der Muttersprache verstehen und würdigen lernen, und endlich ist er auch, so weit es angehen mag, anzuleiten, die Formen unserer jetzigen Sprache richtig auffassen zu können, die aus einer älteren Zeit uns überkommen sind. Nur so wird erreicht werden können, daß der Deutsche sein Deutsch voll und ganz versteht und es richtig und rein gebrauchen kann. Soll dies alles wirksam geschehen, so ergiebt sich daraus eine doppelte Forderung: einerseits, daß auf allen Stufen grammat. Belehrung stattzufinden hat, also nicht von Obertertia an ganz aufhören darf;!) andererseits, daß auf jeder Stufe nur das dem Verständnisse der Schüler wirklich Angemessene zur Behandlung kömmt. Dazu wäre aber vor allen Dingen nötig, daß das grammat. Pensum einer jeden Klasse recht eingehend und gründlich selbst bis auf Einzelheiten festgestellt würde, um jeder Zeitverschwendung mit Dingen, die auf der betr. Stufe unverständlich oder noch nicht praktisch anwendbar sind, vorzubeugen. Zwar läßt sich manches, da es sich nicht um eine fremde Sprache handelt, nicht so haarscharf abgrenzen; jedenfalls aber ist sehr zu wünschen, daß größere Klarheit und Bestimmtheit geschaffen wird, als bis jetzt besteht. Sich darüber zu streiten, ob manches und wie viel aus der deutschen Grammatik etwa im fremdsprachlichen Unterrichte (besonders im Lateinischen) abgemacht werden kann, ist überflüssig: das ist eine Frage von durchaus nebensächlicher Natur. Man müßte sich nur erst einmal darüber einigen — und das müßte unverrückt feststehen —, was dem Verständnisse der betr. Stufe entsprechend erschöpfend und im Zusammenhang durchgenommen werden soll, und was nur teilweise und welche Teile; was nur bei gelegentlichem Vorkommen zu berücksichtigen, und endlich was auf der betr. Stufe noch ganz auszuschließen und einer späteren vorzubehalten ist2). Wer sich einmal die Mühe giebt,!) Weder weil das für diese Swfe „zu elementar" sei, — ein Einwurf, der sich von selbst richtet — noch weil bei der für den deutschen Unterricht sehr knapp bemessenen Stundenzahl sich dafür in den oberen Klassen. keine Zeit erübrigen lasse, denn schließlich könnte derselbe Grund auch gegen den grammat. Unterricht aus der unteren Swfe, wo er doch nicht entbehrt werden kann, angeführt werden. 2) Dies ist um so mehr zu wünschen, als neuerdings in grammat. Leitfäden der Stoff entweder klassenweise abgegrenzt gegeben wird, oder die einzelnen Paragraphen durch Vorsetzung bestimmter Zeichen den einzelnen Klassen zugewiesen werden, — nur nicht in übereinstimmender Weise. So z. B. von Lyon, Handbuch der deutschen Sprache (Leipzig, Teubner 1885); Lattmann, Grundzüge der deutschen Sprachlehre (Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht); Lohmeyer, kleine deutsche Satzlehre (Hannover, Helming 1887).

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