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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite IV

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite IV (sequence 3)
Language
German
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IV und endgiltigen Sieg im Kampfe gegen die Fremdwörter das Feldgeschrei.- Schulhilfe" erhebt, wie viel mehr muß das dann für den Kampf gegen die sprachlichen Fehler gelten! Hier muß und kann nur die Schule gründliche Abhilfe schaffen. Was soll denn nun aber die Schule thun? Grammatik lehren? Aber das geschieht ja schon längst! Die Zeiten, in denen man nichts von einem grammatischen Unterrichte im Deutschen wissen wollte, sind vorbei; auch die Ansicht derer, die einer nur gelegentlichen Unterweisung in der deutschen Grammatik das Wort redeten, ist doch jetzt im großen und ganzen ein überwundener Standpunkts. Daß ein grammat. Unterricht im Deutschen nicht entbehrt werden kann, ist erwiesen; das hat auch der, als Sprachforscher bekannte, verstorbene Lehrer unserer Schule, Lazarus Geiger, in einer sehr lesenswerten und, wie ich meine, noch nicht genügend gewürdigten Programmabhandlung (1870) in höchst geistvoller Weise dargelegt. — Es wird sogar viel Grammatik gelehrt; das werden uns auch die sagen, die wir auf grammatischen oder stilistischen Verstößen ertappen; — ja am Ende hören wir sogar, daß sie auf der Schulbank alles das, was an grammatischen Kenntnissen von ihnen verlangt worden sei, immer vorzüglich gewußt haben! Daraus ergiebt sich nur, daß der grammatische Unterricht seine volle Schuldigkeit nicht gethan hat, und daß die Aufgabe der Schule durch die bloße Forderung, Grammatik zu lehren, nicht genügend klar und deutlich bestimmt ist. Prof. Steinthal erzählt gelegentlich einer Anzeige von Sanders' „Ergänzungswörterbuch der deutschen Sprache",^) daß er als Gymnasiast bei Anfertigung seiner Aufsätze niemals weder ein deutsches Wörterbuch, noch eine deutsche Grammatik gebraucht habe und überzeugt gewesen sei, genügend Grammatik zu wissen. Erst als er nach langer Studentenzeit zum ersten Male als Schriftsteller in deutscher Sprache auftreten wollte, sei es ihm seltsam vorgekommen, daß seine Feder oft stockte, weil er bald über die Konstruktion eines Verbs, bald über die Bedeutung eines Wortes im Zweifel gewesen'sei. Ich denke, so wird es den meisten ergehen. Soll man sich nun nach zurückgelegten Schul- und. Universitätsjahren selbst mühsam zu der Erkenntnis des Richtigen und Gebräuchlichen durchringen, oder wird vielmehr zu verlangen sein, daß die Schule diese Erkenntnis in unzweifelhafter Weise vermittelt? Ohne Frage doch das letztere! Und wenn es richtig ist, was Steinthal weiter bemerkt, daß nämlich „der Deutsche seine Sprache so sehr als Eigentum fühlt, daß er schwer zu der Erkenntnis gelangt, daß sie dies doch nur in beschränktem Maße ist, und daß er sich ihren bestimmt ausgesprochenen Gesetzen unterwerfen müsse, ... daß der Deutsche die Zumutung nicht versteht, beim Sprechen oder Schreiben erst ein Gesetzbuch nachschlagen zu sollen," — wenn dies wahr ist, so ist darin die Aufgabe der Schule nach dieser Richtung hin ganz klar bezeichnet. Sie besteht darin, in dem Schüler das Gefühl für Sprachreinheit und Sprachrichtigkeit zu wecken und ihn mit allem Nachdruck zur Achtung vor den Sprachgesetzen zu erziehen. Bloße Paradigmata für Deklination und Konjugation, die Lehre von der Einteilung der Sätze, von den Satzteilen u. s. w., abstrakte Theorieen und Schematisierungen thun es also nicht; es ist vielmehr von unten an daraus zn achten, daß der Schüler jeden Verstoß gegen die Regeln der Formenlehre, gegen die Gesetze des Satzbaues, gegen die Ebenmäßigkeit des Stils als solchen erkennt und vermeidet; auch auf das Schwanken des Sprachgebrauchs in manchen Fällen und andererseits nicht minder auf die fehlerhaften Neigungen, die sich in der Sprache der Gegenwart breit machen, ist er, nach Maßgabe seines Verständnisses, aufmerksam zu machen und nachdrücklich vor ihnen zu warnen. Daß dieses nicht ausschließlich in eigens dazu angesetzten Grammatik-Stunden zu geschehen hat, sondern wesentlich auch durch die Lectüre ») Vgl. die „Lehrpläne für die höheren Schulen" vom 31. März 1882. ») In der Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft Bd. 17, S. 105 f.

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