Programm
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Über die Behandlung einiger Abschnitte der deutschen Grammatik auf der untere« Stufe höherer Lehranstalten. Von vr. Ludwig Tachau. Seit vielen Jahren ist eine lebhafte Bewegung im Gange, welche die Erreichung einer möglichst vollkommenen Reinheit und Richtigkeit im Gebrauche unserer guten deutschen Muttersprache zum Ziele hat. Mit ganz besonderem Eifer hat sich diese in der letzten Zeit vorwiegend wieder gegen die Fremdwörter gerichtet.i) Nun muß zwar die gründliche Beseitigung des „Mischmasches" in unserer Sprache — wie Leib nitz es einmal genannt hat — in aller Wunsche liegen, aber man sollte durch eine einseitige Be- .tonung gerade dieses Punktes nicht die andere Seite jener Bewegung vergessen, die eine weit bedenklichere Erscheinung bekämpfen will: das sind die Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit, Nachlässigkeiten und Fehler, welche gebildete Deutsche sich in grammatischer und stilistischer Beziehung in Sprache und Schrift ohne Bedenken zu Schulden kommen lassen. Denn schlUlj^gehört doch einerseits nur ein bißchen Willenskraft dazu, um entbehrliche Fremdwörter zu vermeiden, andererseits wird ja in lobenswerter Weise von Behörden 2) geradezu der Gebrauch einer ganzen Reihe von solchen verboten, die durch sorgfältig gewählte gute deutsche Ausdrücke ersetzt werden. So kann denn der endliche Erfolg in dieser Richtung nicht ausbleiben, ja ein großer Erfolg ist schon zu verzeichnen^). Anders bei jenen Fehlern gegen die Sprachrichtigkeit. Weder Willenskraft noch ein solches Verbot allein würde sie aus der Welt schaffen, oder auch nur eindämmen können. Und daß der „sprachlichen Sünden" nicht wenige und recht schwerwiegende sind, das lehrt ein Blick in Bücher wie Andresen, „Sprachgebrauch und.Sprachrichtigkeit" (Heilbronn Henninger, 5. Aufl. 1887); Lehmann, „sprachliche Sünden der Gegenwart" (Braunschweig, Wreden, 3. Aufl. 1882); Lyon, „das Schrifttum der Gegenwart und die Schule" in der Zeitschrift für den deutsch. Unterricht I. S. 14 ff. - Daß nun die Schule die heilige Aufgabe hat, mit allem Ernst und Nachdruck solchen Fehlern entgegenzuarbeiten und ihnen vorzubeugen, liegt auf der Hand. Trägt sie doch im Grunde genommen für diese Erscheinungen weit mehr die Verantwortlichkeit, als für den Fremdwörter-Unfug, der meistens erst von den der Schule längst Entwachsenen ausgeht! Und wenn Sarrazin^) schon für „den endlichen 1) Auch in einem Programme unserer Schule (1884) ist die Bedeutung der Fremdwörterfrage von vr. Kuttner dargelegt worden. 2) Ich erinnere nur an die Bemühungen unseres Generalpostmeisters Stephan. — Vgl. auch „Verdeutschung von Fremdwörtern für den öffentl. Dienst im Großherzogtum Sachsen" im Pädag. Archiv. 29, 612 ff. Es ist beispielsweise darauf hingewiesen worden, daß in Kaiser Wilhelms Bekanntmachung an das deutsche Volk vom 17. Januar 1871 unter 240 Wörtern nur 2 Fremdwörter stehen (national und Titel). Die Thronrede zur Eröffnung des deutschen Reichstags am 24. November 1887 zählt 959 Wörter, darunter nur 20 eigentliche Fremdwörter. 4) In seinem Vortrage über „die Verdeutschungsbestrebungen der Gegenwart" auf der Abgeordneten-Versammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine zu Frankfurt a. M. 1886.