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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1886-01-01 · 1886 · page 11

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089726--1029-3090872
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XU Beginnen verleiten wollen. Sie sind entweder selbst verblendet und sehen den Feind der Menschheit nicht, der im Hinterhalte lauert, oder suchen Euch zu verblenden. Es ist gethan um unser edelstes Kleinod, um die Freiheit zu denken, wenn Ihr ihnen Gehör gebt! Um Eurer und unser aller Glückseligkeit willen, Glaubensvereinigungist nicht Toleranz, ist der wahren Duldung gerade entgegen. Um Eurer und unserer Glückseligkeit willen, gebet Euer vielvermögendes Ansehn nicht her, irgend eine ewige Wahrheit, ohne welche die bürgerliche Glückseligkeit bestehen kann, in ein Gesetz, irgend eine dem Staate gleichgültige Religionsmeinung in Landesverordnung zu verwandeln! Haltet auf Thun und Lassen der Menschen, ziehet dieses vor den Richterstuhl weiser Gesetze und überlasset uns das Denken und Reden, wie es unser Aller Vater zum unveräußerlichen Erbgute beschieden, als ein unwandelbares Recht eingegeben hat. Bahnet einer glücklichen Nachkommenschast wenigstens den Weg zu jener Höhe der Kultur, zu jener allgemeinen Menschenduldung, nach welcher die Vernunft noch immer vergebens seufzt. Belohnet und bestrafet keme Lehre, locket und bestechet zu keiner Religionsmeinung? Wer die öffentliche Glückseligkeit nicht stört, wer gegen die bürgerlichen Gesetze, gegen Euch und seine Mitbürger rechtschaffen handelt, den lasset sprechen wie er denkt, Gott anrufen nach seiner oder seiner Väter Weise und sein ewiges Heil suchen, wo er es zu finden glaubt. Lasset Niemanden in Euren Staaten Herzenskündiger und Gedankenrichter sein,^ Niemanden ein Recht sich anmaßen, das der Allmächtige allein sich vorbehalten hat. Wenn wir dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, so gebet Ihr selbst Gott, was Gottes ist!. Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden!" „Ich halte", schrieb Kant im August 1783, als er seinen „Jerusalem" gelesen hatte, an Mendelssohn, „dieses Buch für die Verkündigung einer großen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrückenden Reform, die nicht allein Ihre Nation, sondern auch alle andere treffen wird.FSie haben Ihre Religion mit einem solchen Grade vvn Gewissensfreiheit zu vereinigen gewußt, die man ihr gar nicht zugetraut hätte, und dergleichen? sich keine andere rühmen kann. Sie haben zugleich die Notwendigkeit einer unbeschränkten Gewissensfreiheit zu jeder Religion zso gründlich und so hell vorgetragen, daß auch endlich die Kirche unserer Seits darauf^wird denken müssen, wie sie alles, was das Gewissen belästigen und drücken kann, von der ihrigen absondere, welches endlich die Menschen in Ansehung der wesentlichen Religionspunkte vereinigen muß; denn alle das Gewissen belästigenden Religionssätze kommen uns von der Geschichte, wenn man den Glauben an deren Wahrheit zur Bedingung der Seligkeit macht". Die wohlthätigste und nachhaltigste Einwirkung ist diejenige, die von einer edlen Persönlichkeit ausgeht. Die Thatsache, daß der Jude Mendelssohn zu den würdigsten Repräsentanten der Zeitbildung gehörte, daß man ihn mit den Besten seiner Zeit in freundschaftlichem Verkehr sah, daß ein Lessing ihm vor den Augen der Welt die Hand zum dauernden Freundschaftsbunde reichte, die bloße Existenz Moses Mendelssohns mußte die Scheidewand zwischen Juden und Christen in's Wanken bringen, mußte da, wo das überhaupt möglich war, das Vorurteil gegen die Juden schwinden machen. _Es gab aber auch ein inneres Ghetto, das überwunden werden mußte. Der Jahrhunderte lange Druck und die völlige Abgeschlossenheit, zu der unsere Vorfahren verurteilt waren, hatten ihre Sitten und ihre Sprache verzerrt und misstaltet, hatte ihren Lebensgewohnheiten etwas ^Fremdartiges gegeben, hatte selbst das Heiligtum unserer Religion durch Misbräuche und Aberglauben entweiht.' Es ist lehrreich zu sehen, wie Mendelssohn sich zu alledem verhielt. Es giebt Juden, die von ihren in ihren Sitten, ihrem äußerem Erscheinen und Austreten zurückgebliebenen Glaubensgenossen sich abwenden und sprechen: ich gehöre zum großen Ganzen, mit denen da

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