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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1886-01-01 · 1886 · page 10

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XI Gebiet, das er ganz beherrschte, auf welchem seine ganze Glaubensinnigkeit und Wahrhaftigkeit, seine Menschenfreundlichkeit und Friedfertigkeit, seine Bescheidenheit und Tapferkeit zum vollen Ausdruck gelangten. „Die Bedenklichkeit, mich in Religionsstreitigkeiten einzulassen", so antwortete er Lavater auf seine Herausforderung, „ist von meiner Seite nie Furcht oder Blödigkeit gewesen. Ich darf sagen, daß ich meine Religion nicht erst seit gestern zu untersuchen angefangen. Die Pflicht, meine Meinungen und Handlungen zu prüfen, habe ich gar frühzeitig erkannt, und wenn ich von früher Jugend an meine Ruhe- und Erholungsstunden der Weltweisheit und den schönen Wissenschaften gewidmet habe, so ist es einzig und allein in der Absicht geschehen, mich zu dieser so nötigen Prüfung vorzubereiten. Andere Beweggründe kann ich hierzu nicht gehabt haben.....Wäre nach diesem vielfältigen Forschen die Entscheidung nicht völlig zum Vorteil meiner Religion ausgefallen, so hätte sie notwendig durch eine öffentliche Handlung bekannt werden müssen ... Da sie mich aber in dem bestärkte, was meiner Väter ist, so konnte ich meinen Weg im Stillen fortwandeln, ohne der Welt von meiner Überzeugung Rechenschaft ablegen zu dürfen. Ich werde es nicht leugnen, daß ich bei meiner Religion menschliche Zusätze und Misbräuche wahrgenommen, die leider! ihren Glanz nur zu sehr verdunkeln. Welcher Freund der Wahrheit kann sich rühmen, seine Religion von schädlichen Menschensatzungen frei gefunden zu haben? . . . Allein von dem Wesentlichen meiner Religion bin ich so sest, so unwiderleglich versichert, als Sie oder Herr Bonnet nur immer von der Ihrigen sein können, und ich bezeuge hiermit vor dem Gott der Wahrheit, Ihrem und meinem Erschöpfer und Erhalter, bei dem Sie mich in Ihrer Zuschrift beschworen haben, daß ich bei meinen Grundsätzen bleiben werde, so lange meine Seele nicht eine andere Natur annimmt." Mit Lavater söhnte sich Mendelssohn bald aus. Lavater nahm seine unbedingte Aufforderung zurück, bat Mendelssohn um Verzeihung, und Mendelssohn beeilte sich, ihm in einem Schreiben zuzurufen: „Kommen Sie, wir wollen uns in Gedanken umarmen! Sie sind ein christlicher Prediger und ich ein Jude! Was thut dieses? Wenn wir dem Schafe und dem Seidenwurm wiedergeben, was sie uns geliehen haben, so sind wir beide Menschen. Wir wollen uns einander aufrichtig alle Unruhe vergeben, die wir uns wechselweise gemacht haben." Aber was von Lavater begonnen, wurde von Anderen fortgesetzt. Mendelssohn hatte sich neuer Angriffe zu erwehren. Er that es in einer für alle Zeit mustergiltigen Weise. Was er von der Schrift seines Freundes Christian Wilhelm Dohm „über die bürgerliche Verbesserung der Juden" sagte, das gilt von seinen Hieher gehörigen Schriften: „er schrieb weder für das Judentum noch für die Juden eine Apologie, er führte bloß die Sache der Menschheit und verteidigte ihre Rechte. Ein Glück für uns Juden, wenn man auf die Rechte der Menschheit nicht dringen kann, ohne zugleich die unsrigen zu reklamieren. Der Weltweise aus dem achtzehnten Jahrhundert hat sich über den Unterschied der Lehren und Meinungen hinweggesetzt und in dem Menschen nur den Menschen betrachtet." Dies gilt besonders von der noch heute sehr beachtenswerten Schrift: „Jerusalem, oder über religiöse Macht und Judentum". Was dort über die Grenzen der Einwirkung des Staates aus die Religion, über bürgerliche und geistliche Verfassung, weltliche und kirchliche Macht gesagt ist, hat eine weit über das Judentum und die bürgerlichen Verhältnisse der Juden hinausgehende allgemeine Bedeutung. Der erhabene Standpunkt des Verfassers und sein milder Sinn charakterisieren sich in den Worten, mit denen das Werk schließt: „Brüder", ruft er aus, „ist es Euch um wahre Glückseligkeit zu thun, so lasset uns keine Übereinstimmung lügen, wo Mannigfaltigkeit offenbar Plan und Endzweck der Vorsehung ist. Regenten der Erde! Wenn es einem unbedeutenden Mitbewohner derselben vergönnt ist, seine Stimme bis zu Euch zu erheben, trauet den Rathen nicht, die Euch mit glatten Worten zu einem so schädlichen

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