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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 32

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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IRI
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- 32 - fruchtbringenden Weise; die fremde Sprache ist für den Unterricht das Gebiet der formalen Bildung des Geisteslebens. Auch die Raumgrößenlehre zeigt auf allen Gebieten den Vorteil der Verbindung mechanischer und logischer Aneignung. Wir nehmen den Körper, die Figur wahr, wir müssen uns die Lehrsätze mechanisch aneignen, aber wir müssen die einzelnen Sätze logisch erfassen und frei anwenden können. Das Rechnen mit Zahlen erhöht allmählich seine Anforderungen an das Denken, die sinnliche Anschauung tritt langsam zurück. In der Algebra zeigt sich der hohe Wert mechanischer Aneignung für das Denken, denn der kindliche Geist wird gezwungen, eine gewisse Ordnung der einzelnen Glieder unverbrüchlich festzuhalten. Die Geschichte hat in den Jahreszahlen, die so leicht vergessen werden, wenn man sie oberflächlich lernt, ein Mittel, in dem Geiste des Kindes eine Unterscheidung der Begebenheiten nach der zeitlichen Aufeinanderfolge herzustellen und an gewisse Jahreszahlen, die wegen ihrer Bedeutung mit größter Sicherheit behalten werden müssen, einen ganzen Complex von Ereignissen zu binden. So wird sie von der Jahreszahl 1517 ausgehend dem Kinde in's Gedächtnis rufen, welcher Kaiser zur Zeit des Beginns der Reformation lebte, welche Entdeckungen und Erfindungen derselben vorausgegangen sind, und wir glauben, daß ein Geschichtsunterricht, welcher die logische und mechanische Aneignung verbindet, bewirkt, daß das Mitgeteilte länger behalten wird als es der Fall zu sein Pflegt, wenn entweder nur Jahreszahlen und Thatsachen auswendig gelernt werden oder nur die freie Behandlung des geschichtlichen Stoffes gepflegt wird. Alle diese Erwägungen sind ein Hinweis auf die enge Verbindung, in welcher logisches und mechanisches Gedächtnis stehen. Die Sprache ist „der Leib der Gedanken", wie man sie sehr treffend bezeichnet hat, in der Art, wie unser Bewußtsein sich zu dem angeeigneten Wortvorrat verhält und insofern erst die Sprache eine höhere Entwicklung des Denkeus ermöglicht, bietet sie den Übergang von der mechanischen Erfassungsweise zu der logischen, von der bloßen Aufmerksamkeit zur Herstellung von Beziehungen, zur Bearbeitung der Begriffe. Fassen wir daher an diesem Punkte angelangt das Verhältnis der mechanischen zur logischen Aneignung zusammen. Kapitel V. Logisches und mechanisches Gedächtnis. Bei der logischen Aneignung heben wir die Ordnung, in welcher uns Vorstellungsmassen gegeben sind, auf, ordnen die einzelnen Teile nach unserm Ermessen und verschmelzen dieselben zu Gesammtvorstellungen; bei der mechanischen bleiben die Vorstellungsmassen in ihrer ursprünglichen Reihenfolge. Das logische Gedächtnis löst den zur Aneignung bestimmten Teil eines Wissenszweigs nach Gesetzen auf, die ebenfalls erst der Uebung, der gedächtnismäßigen Angewöhnung bedürfen. Wenn ein Kind den Inhalt einer Erzählung sich logisch aneignen soll, so löst ihm der Erzieher diese Erzählung in ihre einzelnen Teile auf. Wenn wir von dem Kinde verlangen, es soll angeben, zu welcher Gattung und Art von Tieren ein Löwe, ein Pferd gehört, so bringen wir in ihm das Verhältnis eines Teils zu einem Ganzen oder eines Ganzen zum Teil zum Bewußtsein (Association simultaner Vorstellungen nach Wundt, Phys. Psych. Bd. II p. 302), wir lehren das Kind Subjekt von Prädikat unterscheiden, Ursache und Wirkung, wir halten es zu Vergleichen an nach Aehnlichkeit und Gegensatz, wir kehren die Ordnung der Teile um, kurz wir halten es an und gewöhnen es nach den Kategorieen des Verstandes zu denken. Die mechanische Aneignung kann ohne einen Akt des Begreifens stattfinden, und vieles nimmt das Kind in sich auf, was es zur Zeit noch nicht versteht, aber dann soll der Erzieher dafür sorgen, daß das Verständnis angebahnt wird. Der Erzieher kann eine Regel erst aus einzelnen Fällen ableiten und sie

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