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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 31

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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IRI
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- 31 - der Pflege der Muttersprache: „Mit bestimmten Worten sollen bestimmte regelmäßige Vorstellungen verknüpft werden".Diese Forderung weist auf die wichtige Stellung hin, welche die Pflege der Muttersprache für die gesammte geistige Entwicklung hat. Bestimmtheit und Treue der Wiedergabe hängen von dieser Pflege ab, Verworrenheit im Ausdruck, fehlerhaftes Sprechen ist immer ein Zeichen, daß die Vorstellungen der scharfen Begrenzung, der Deutlichkeit uud Klarheit ermangeln. Wenn Kinder zu früh eine fremde Sprache lernen, wird ihre Gedächtnisthätigkeit nicht allein in unnötiger, sondern auch in gefahrbringender Weise angestrengt. Das Kind eignet sich die Worte nur sensorisch an; es sind Sprachreflexe, die in ihm entstehen, es lernt Wörter, aber nicht Worte. Daß ein Kind, das auch nicht im entferntesten eine Vorstellung mit einem Worte verbindet, den fremdsprachlichen Ausdruck dafür lernen soll, ist eine der Bestimmung des Menschen, die ihn auf's Denken hinweist, unwürdige Erscheinung- Wenn nur einzelne in ihrer Bedeutung unverstandene Wörter gelernt werden, so entsteht in dem Kinde nichts als eine tote Reproduktion, d. i. eine gedankenlose Erneuerung von Sprachlauten, die der inneren (logischen) Verbindung entbehren. Und wir können sehr wohl beobachten, daß die Sprache auf eine innige Verbindung der Wörter durch das Denken drängt, daran, daß die Wörter einer fremden Sprache um so eher behalten werden,, wenn wir sie in Satzverbindungen gehört, oder sie in Satzverbindungen angewendet haben. Dieses geht aus folgenden Beobachtungen hervor. Ein Kind lernt Wörter einer fremden Sprache leichter, wenn sie auch nur in einer äußerlichen Beziehung stehen, nach Sprachähnlichkeiten gruppirt sind (im Französischen er-oix, toi, nioi, iwix, im Lateinischen xons, kons). Es erinnert sich um so leichter an ein Wort, wenn es dasselbe in einer Satzverknüpfung gelernt hat, wie es z. B. manchmal nicht weiß, wie „entdeckt" im Französischen heißt, sofort aber den richtigen Ausdruck findet, wenn man es einen Satz übersetzen läßt, wie: Columbus hat Amerika entdeckt. Es ist diese Erscheinung mit dem von uns erwähnten Gesetze in Verbindung zu bringen, daß jede Erneuerung einer Vorstellung auch Erneuerung anderer Vorstellungen veranlaßt, die mit ihr verknüpft waren. Ein Kind wird daher um so sicherer die Wörter einer fremden Sprache behalten, je öfter es diese in Satzverbindungen anwenden mußte. Vielleicht ist auch auf diese Thatsache die Erscheinung zurückzuführen, daß in dem fremden Lande die Sprache durch den Umgang rascher angeeignet wird, als es durch das Studium möglich ist. Denn in dem fremden Lande tönen uns Sätze entgegen, d. h. innige Verbindungen häufig gebrauchter Ausdrücke, die eine Beziehung auf das Leben und auf unser Lebensinteresse haben. Dem Kinde bietet die fremde Sprache diese Beziehungen nicht, das Kind soll die fremde Sprache nicht erlernen, um sie in kürzester Frist als Ganzes anwenden zu können, sondern erst in einer Reihe von Jahren soll es sich diese Fähigkeit allmählich aneignen und zwar mit Hülse einer Einsicht in den Bau und die Formen der Sprache. Die Verbindung der Wörter zu Sätzen ist das Werk logischer Bearbeitung der Sprache im Unterricht, und daher stammt auch die große Bedeutung der Erlernung einer Sprache sowohl für das Gedächtnis als die Thätigkeit des Verstandes. In der Erlernung der fremden Sprache vereinigt sich mechanische EinPrägung und logische Bearbeitung. Auch die Sprache ist an feste Formen gebunden, welche die Grammatik bietet. Die Grammatik ist Gegenstaud der verstandesmäßigen Erfassung; sie verlangt Erkenntnis und Verständnis. Doch die grammatischen Formen sind zugleich das feststehende Gerüste der Sprache; sie verlangen außer Erkenntnis ihrer Bedeutung, eine gedächtnismä ß ige mechanische Aneignung. So durchdringen sich in der Grammatik das logische und mechanische Gedächtnis in einer sür die Entfaltung der geistigen Thätigkeit ') Zeller a. a. O. v. 134 ff.

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