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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 29

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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— 29 - uns befinden. Fehlt uns ein solcher Anhaltspunkt, so verläßt uns die Sicherheit, mit der wir uns bewegen und sie kehrt nicht eher zurück als bis uns durch einen anderen Sinn als das Auge, durch Tastempfindungen, Stoß, Geräusch ein Anhaltspunkt gegeben ist. Wenn wir das Bild einer Gegend uns einprägen wollen, um uns in ihr zurecht zu finden, so prägen wir uns bestimmte Merkmale ein, die besonders hervortreten, an diesen Merkmalen erkennen wir dieselbe wieder. In beiden Fällen hängt das Gedächtnis von einer Orientierung ab, die wir vorgenommen haben. Wir bedürfen nur einzelner Zeichen für die Erneuerung eines Eindrucks und der Eindruck steht vor uns, sowie diese Zeichen erneuert werden. Das Gedächtnis hängt ganz wesentlich von dieser Erscheinung ab. Wenn wir uns auf einer Karte zurecht finden wollen, so müssen uns einige besonders hervortretende Punkte gegeben sein, durch welche wir uns zurecht finden. Solche Punkte können wir sehr wohl mit den Lokal zeichen vergleichen, die in uns entstehen, wenn ein Objekt von uns wahrgenommen wird. Wir bilden uns sehr häufig gewisse Zeichen, um Personen wieder zu erkennen. Wir erkennen' den einen an der Stimme, den andern an der Haltung. Durch die Übung entsteht bei manchen Personen, die nach ihrem Beruf eine große Anzahl von Leuten wieder erkennen müssen, eine überraschende Sicherheit, die sie dazu befähigt, unter Tausenden zu unterscheiden, wen sie zum zweitm, zum dritten Male vor sich haben. Wer das kindliche Gedächtnis Pflegen will, muß das Kind frühzeitig gewöhnen, sich zu orientieren. Viele Kinder können sich nicht in einem Buche zurecht finden, das sie schon oft gelesen, die wenigsten aber können im Freien auch bei oft wiederholten Spaziergängen angeben, welcher Weg einzuschlagen, welcher nicht. Es hängt dieses mit dem oberflächlichen Sehen zusammen, von welchem oben sp. 22) die Rede war. Bei der Orientierung tritt schon das logische Element in sein Recht, denn dieselbe beruht auf einem Schluß. — Dieser vollzieht sich zwar so rasch in uns, daß wir ihn oft nicht bemerken, er geschieht unbewußt.') Ein Bekannter begegnet uns: wir schließen dieses nicht erst daraus, daß er die und die bezeichnenden Merkmale in der Gesichtsbildung, in der Haltung hat — wir erblicken sofort ihn als „Bekannten". Und dennoch muß ein Schluß stattgefunden haben Wir können dieses an den Fällen sehen, wo wir zweifeln, denn dann besinnen wir uns auf Merkmale, um aus denselben einen Schluß zu ziehen. Merkmale sind meistens etwas Äußerliches, sie sind dem „Aussehen" entnommen, aber wir können ihrer nicht entbehren. Wir können dem Kinde im zartesten Alter manchen Begriff nur nach äußerlichen Merkmalen erklären, ja oft verfügt die Wissenschaft nur über solche Merkmale und das innere We^en der Erscheinung ist ihr verschlossen. Wir sagen dem kleineren Kinde, welches das Adjektiv in scharfer Deklination gebraucht, wo es schwach sein sollte, nicht die Regel, sondern machen es darauf aufmerksam, daß es „diese guten Menschen" heißen muß, weil man das v gebraucht, wenn Wörter wie dieser, jener u. s. w. vor dem Eigenschaftswort stehen. Das Gedächtnis richtet sich nach Merkmalen, und je mehr Merkmale wir einem Dinge geben können, desto sicherer wird es von uns behalten. Wenn wir in einem Museum sehr viele Statuen gesehen haben, so werden wir uns an diejenige am besten erinnern, von der wir gelernt haben, was sie vorstellt, wer der Künstler ist, der sie verfertigt hat. i) Auf die unbewußten Schlüsse beim Sehen stützt besonders Helmholtz seine Theorie von den Gesichtswahrnehmungen (Helmholtz, phys. Optik p. 420, 442-449).

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