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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 27

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089724--0980-3090822
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— 27 — wenn wir eine Erzählung wiederholen, so tritt die Form zurück zu Gunsten der begrifflichen Auffassung, die Erzählung verliert an Frische und Farbenreichtum. Am nachhaltigsten wirkt die Verbindung einer solchen Erzählungsweise mit der geschriebenen oder gedruckten Darstellung der wichtigsten Momente aus der Erzählung, wie wir noch zeigen werden. Die räumliche Anschauung wurde im Altertum als ein wichtiges Hülfsmittel des Gedächtnisses angesehen und vielleicht war auch das räumliche Gehächtnis in früheren Zeiten selbst bei den Erwachsenen stärker als gegenwärtig, wo die begriffliche Auffassung mehr gepflegt wird. Die Redner dachten sich die Vorstellungsmassen in Plätzen abgelagert, nach Straßen, Säulen, Nischen geordnet, im Mittelalter dachten sich die Prediger die einzelnen Teile der Rede an die Altäre der Kirche verteilt. Von den Plätzen forderte man, daß sie hell und geräumig seien — eine Forderung, die'in Wahrheit die Klarheit und Abgegrenztheit der räumlichen Anschauung meinte. Die Wahrnehmung durch das Auge ist gewöhnlich mit einer Bezeichnung durch die Sprache, mit dem Wort verbunden. Bei der räumlichen Anschauung tritt das Wort zu Gunsten der Vorstellung zurück. In unserm Bewußtsein tauchen bald Bilder auf ohne Namen, bald Namen und Bilder, bald nur Namen. Wenn wir in gleichgültiger Weise sagen: Die Armee hatte 25,000 Tote und Verwundete — so entsteht in uns gewiß kein Bild des Schlachtfeldes, der Toten, der Verwundeten und des Chaos, das auf dem Schlachtfelde herrscht, denn wir würden mit Schaudern bei dem Bilde verweilen. Der Knabe übersetzt: Cicero lebte in der Verbannung — der Lehrer setzt nicht immer ein Bild von dem betr. Vorgang voraus und darf es auch nicht immer dem Schüler zumuten, denn auch das abstrakte Denken verlangt sein Recht. Es können aber auch Bilder ohne den Namen in uns auftauchen. Wir sehen Schneeberge vor uns, Gletscher sind zwischen ihnen eingebettet, wir sehen Abgründe zu ihren Seiten doch wir können uns gar nicht besinnen, welche Landschaft es ist. Und hier sind, wie bereits erwähnt, die größten Unterschiede wahrnehmbar. Der eine sieht bei der Nennung eines Namens das Anschauungsbild klar und deutlich vor sich; jeder neu auftauchende Begriff ruft neue Anschauungsbilder von großer Treue hervor, bei dem andern entstehen mehr Begriffe, die Anschauungsbilder sind nur schwach — auch darin zeigt sich bei dem Kinde ein außerordentlicher Unterschied. Das eine Kind sieht in dem Geiste den auf der Karte gezeichneten Flußlauf wieder vor sich, das andere hat die Namen, die Richtung treu behalten, aber eine Anschauung entsteht nicht in ihm. Viele Kinder stellen sich die Reihen französischer Wörter, die sie lernen müssen, in ihrer Anschauung vor, sie wissen ob ein Wort links oder rechts steht, oben oder unten — in ihnen associiren sich Anschauungsbilder. Mit der Einübung verliert sich, wie öfters angedeutet, die Frische der Anschauungsbilder. Je öfter wir von einem Gegenstand reden, desto weniger stellen wir ihn uns innerlich vor — eutre l'im^s va-Zne et niodile suAAsrss pk>i' 1s noni st l'sxtrg^ preeis et LxS le rwni il a. un g.diiN6.^) Die Erziehung findet mit Recht eine Hauptstütze des Gedächtnisses in der anschaulichen Vergegenwärtigung, in der äeäuetlo g.ä sensidls, wie es lange vor Pestalozzi Baco von Verulam genannt hat. Damit kommen wir zu der wichtigen Frage, welche Stellung die Schrift zum Gedächtnis hat. Im engsten Zusammenhange mit den Bedürfnissen des Gedächtnisses steht die Geschichte der Schrift. Ehe die Schrift erfunden war, waren die Völker genötigt, allein dem Gedächtnis zu vertrauen — die fortschreitende Entwicklung mußte ein gerechtes Mißtrauen gegen die Zuverlässigkeit desselben erwecken. Mit dem Gedächtnis verbindet sich die Phantasie und wir glauben vieles erlebt, gesehen zu haben, was wir vielleicht gar nicht, jedenfalls aber häufig nicht in der Weise erlebt haben, wie wir uns erinnern. i) Taine a. a. O. P. 37.

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