Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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— 36 — vor ihnen, »^le n'a.i Sinais ^ous uns pg-rtls ä'eeliees«, so berichtet ein Schachspieler an Taine, sa-us l'avoir re^oue seul Hua-tre 011 einci tois 1a. nuit äg.us uion lit, lg. tste sur l'orsillsr. Paul Murphy spielte gleichzeitig acht Partien, Paulsen zwanzig.') Diese Virtuosität weist freilich häusig auf eine einseitige Ausbildung der Geisteskräfte hin, die in der Einseitigkeit eine staunenswerte Leistungsfähigkeit entwickelt. Gesichtseindrücke, die wir nur einmal gehabt, stehen meistens mit größerer räumlicher Intensität vor uns, als die Bilder öfterer, vor allem der täglichen Wahrnehmung. Es ist eine merkwürdige Thatsache, daß wir von den Gegenstünden, welche wir täglich sehen, kein farbiges Erinnerungsbild haben. Wenn wir uns einen Stuhl, einen Tisch, einen Ofen im Gedächtnis vorstellen, so ist das Bild farblos, unbestimmt in seinen Umrissen. Dagegen können wir, wenn wir eine Person nur ein einziges Mal gesehen haben, den Umriß der Form und den Gesichtsausdruck uns reiner zurückrufen, als wenn wir sie acht- oder zehnmal gesehen haben. Taine führt diese Erscheinung auf einen Streit der einzelnen Eindrücke zurück: ing. memoire oseille sutrs vivAt expressions äitlsi'eritsL, 1s sourirs, 1s serleux, ls ekkrin, ls visg-g's psrieds ä'uu eSts 011 ä'uv. outre: ess äirle reute s sxxi'essious se tont okstg-ele; inoir Souvenir est dien xlus »et lorsaue ^e n'eu ai vu <iu'uue xeuäg,nt uns iniuute, lorsc^us pa.r exeinxle ^'g.i reZg-räs uns xkotoAi'gpkis 011 uns tg-dleau (x. 148). Gewisse Wahrnehmungen entschwinden uns nicht mehr aus dem Gedächtnis und ein jeder verfügt über Erinnerungsbilder aus der frühesten Jugendzeit, die mit seltener Frische vor ihm stehen, während wir uns kaum erinnern können, wie wir die allerjüngste Vergangenheit durchlebt haben. Taine berichtet, er kenne eine in einer kleinen Provinzstadt geborene Person c^ui xeut rg-eontsr g.vso lg. äsruiers sxa-etituäs toutss les eireoustg-uess 6'uns visits äs l'iMpsra.ti'ies Ng-rie-I^ouise eu 1811, äirs sa. toilstte, les toilettes äes äg-iues et äes Lennes Wss eug-i-ASss äe lg. reeevoir, suteuäre interieurslueut le 8011 äe sa. voix, rsvoir Les Asstss, sa. xnvsiorioiuie. les g-ttituäes äes personnes ekarZses äe la. eoruxliiiieiitsr st dien ä'g.utrss el^osss.^) Die erste Eisenbahnfahrt, der erste Theaterbesuch tauchen in einzelnen Bruchstücken mit größter Klarheit vor uns auf — doch alles vor- und nachher Geschehene können wir nicht mehr in's Bewußtsein zurückrufen. Es will uns scheinen, daß für die Aufbewahrung von einzelnen Momenten in einem Vorgang, dessen Zeuge wir sind, ein Einklang der Formenverhältnisse maßgebend ist. Die Beleuchtung, die Stellung der handelnden Personen, der Blick über den Zuschauerraum — alles dieses wirkte in einem Moment gleichzeitig und mit besonderer Krast auf uns, in solcher Kraft und Lebendigkeit, daß uns dieser Moment nicht aus dem Gedächtnis kommt. Es tritt aber eine besondere Steigerung der inneren Disposition hinzu, die Eindrücke aufzunehmen. Diese Steigerung, der inneren Disposition wird bedingt durch die steigende Spannung, die Aufmerksamkeit, die Verwunderung, welche die Vorgänge hervorrufen. Wahrscheinlich werden wir immer bei solchen Erinnerungen aus unserer Kindheit einen solchen Einklang der Formenelemente, verbunden mit besonderen inneren Dispositionen entdecken. Für die Eindrücke, die wir aus Erzählungen empfangen, ist ebenfalls die Form in erster Reihe maßgebend für die Erinnerung. Eine Erzählung, die in frischer, lebendiger Weise in plastischen Umrissen entrollt wird, bleibt oft in den kleinsten Details in der Erinnerung — das gesprochene Wort bleibt eher in der Erinnerung des Kindes als das, was es nur gedruckt oder gar nur geschrieben sieht, denn das gesprochene Wort ist unmittelbarer, lebensvoller und farbenreicher als das geschriebene oder gedruckte. Doch Taine a. a, O. p. 80 ff. p. 91 ff. 2.) Tame a. a. O. p. 131.