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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 22

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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…/9643684-3089722--0920-3090761
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— 22 — größerer Sprachreinheit veranlaßt hat. Nannte doch z. B. Gervinus seine „Geschichte der poetischen Nationallitteratur der Deutschen" seit 1853 „Geschichte der deutschen Dichtung"! In noch höherem Maße gilt dies von dem bereits erwähnten 1866 (neu) begründeten „Deutschen Sprachwart" (hrsg. v. Max Moltke); denn wenn auch hier vielfach übertrieben wird, so sind doch oft auch ganz gute Dinge darin geboten, die wohl geeignet sind, den Sinn für die vaterländische Sprache zu beleben. Alle bisher erwähnten Bestrebungen haben einen durchgreifenden Erfolg nicht gehabt, weil die Vorkämpfer keine Personen in hervorragender Stellung waren; erst seitdem solche sich der Sprachreinigung geneigt fanden, sind bedeutende Fortschritte gemacht worden; namentlich seit in Folge des letzten glorreichen Krieges das Nationalbewußtsein sich so mächtig gehoben hat. Die Geschichte dieses Krieges, vom Generalstab verfaßt, ist, was die Sprache anlangt, bekanntlich mit jedem Hefte reiner deutsch geworden; der Generalpostmeister vr. Stephan hat unbeirrt durch alle Witzeleien Hunderte von Fremdwörtern durch allgemein verständliche deutsche ersetzt; die Reichsgesetzgebung hat sich dem würdig angeschlossen und gleichfalls eine Säuberung vorgenommen. Eine Zusammenstellung aller dieser Verdeutschungen hat vr. H. Dunger in dem.mehrfach erwähnten Buche geliefert. Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat unterm 23. Dezember 1883 an sämtliche Behörden einen Erlaß gerichtet, in welchem denselben die Reinhaltung aller amtlichen Ausfertigungen, ganz besonders aber aller zur Veröffentlichung bestimmten Erlasse, Verordnungen u. s. w. von unnötigen Fremdwörtern dringend anempfohlen wird. Wenn Campe noch lebte, er würde eine rechte Genugthuung empfinden — zumal auch noch eine andere seiner Forderungen anerkannt zu werden beginnt. Im Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie (90. Bd., Heft 1, 1883) befindet sich ein Aufsatz von Professor Virchow: „Barbarismen in der medizinischen Sprache", in welchem dieser die Ärzte ermahnt, sich solcher Ausdrücke zu bedienen, die ohne andere Schwierigkeiten, als sie die Gewalt der Dinge, hier also die Natur einer Sprache mit sich bringt, verstanden werden können. Weiter klagt er unter anderem über die moderne Mißhandlung der Verben. Das Bedürfnis nach Verben wie: fracturiert, fissuriert, rupturiert sei ein rein eingebildetes; sollen es Fremdwörter sein, dann wenigstens: frangiert, findiert, rumpiert; aber gebrochen, gespalten, zerrissen seien ja ganz deutlich. — Den Gerichtsärzten ist übrigens schon vor Jahren empfohlen worden, sich möglichst deutscher Wörter zu bedienen oder den fremden die deutschen beizufügen. Auch unter den Zeitungen sind bereits manche zu der Einsicht gekommen, daß sie segensreicher wirken, wenn sie sich befleißigen ein reineres Deutsch als bisher zu geben. Denn alles Fremde über Bord zu werfen kann und wird niemand von ihnen verlangen: es ist hier wie überall genug gethan, wenn die überflüssigen und entbehrlichen gemieden werden. Für Couloir liest man bereits „Wandelgang", für Interviewer: „Aus¬ Horcher", Ausfrager", „Besucher", für dementieren: „bestreiten" (letztere in der Tägl. Rundschau), für Antiquar: Altbücherhändler (ebenda); abgesehen von zahlreichen Fällen, wo ein deutsches Wort offenbar dem sonst gebräuchlichen fremden vorgezogen erscheint. „Die Dichterwiege", eine neue Wochenschrift für angehende und der Ermunterung bedürftige Dichter, hat statt Expedition: „Geschäftsstelle" und „Schriftstelle" für Redaction eingeführt u. s. w. Recht eifrig scheinen deutsche Blätter in Amerika gegen die Sprachmengerei zu kämpfen. Das geht aus einem von Professor Riegel in Braunschweig veröffentlichten Brief hervor, den dieser aus Medford, Wisconsin (Ver. Staaten) erhalten hat. Nachdem der Verfasser desselben „die Zeitungsschreiber, die sich Journalisten nennen", verspottet, fügt er hinzu: „Wäre dieser kleine Aufsatz in Deutschland geschrieben, so fände man

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