Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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bekannt werde, der auf unsere klassischen Schriftsteller, trotz ihres Spottes nicht ohne Einfluß gewesen ist. Sein entschiedenes Austreten hat nachweislich eingewirkt auf Wieland, Herder, Schiller, Goethe, Engel, Jean Paul u. a.; sie haben sich entschlossen, weniger freigebig mit Fremdwörtern zu sein, haben manche von Campe gebildete Wörter bereitwillig aufgenommen und zum Gemeingut gemacht und oft genug nach seinem Vorgange selber Übersetzungen versucht. Sehr lehrreich und darum wichtig ist Jean Paul's Vorrede zur 3. Auflage seines Hesperus, in welcher er gesteht, daß er sich der Fremdenvertreibung von Campe, Kolbe u. a. bequemt und sich häufig aus dem Griechischen, Lateinischen, Französischen und Italienischen übersetzt habe. Ist es nicht Zeit, sagt er, (er schreibt am 1. Januar 1819) den fremden, lange genug in Deutschland eingelagert gewesenen Völkern auch ihre noch länger dagebliebenen Echo's oder Wörter nachzuschicken? — Manche Wörter von Campe, selbst damals hart angefeindete, sind noch heute gebräuchlich, z. B. Feingefühl, Zerrbild, altertümlich, Kunststraße, Umwälzung, Hochschule, Beweggrund, Flugschrift, und viele andere; die Quelle hierfür ist sein mehrfach genanntes Wörterbuch. — Die Jahre der Erniedrigung unter Napoleons I. Herrschaft erhöhten die Begeisterung für deutsches Wesen und deutsche Sprache; Männer wie Jahn, Arndt, Fichte trugen nicht wenig dazu bei. Aber auf die Begeisterung folgte bekanntlich eine Zeit der Ernüchterung, und so ließ auch der Eifer für diese Bestrebungen nach. Dazu kommen dann die gewaltigen Veränderungen, welche herbeigeführt werden durch die allgemeinere Verwendung des Dampfes: die Schiffahrt und die Eisenbahnen geben nun dem Verkehr eine nie dagewesene Ausdehnung — und die Sprache bekommt wieder eine Menge von Fremdwörtern. Die wachsende Teilnahme am politischen Leben vermehrt die Zahl der Zeitungen, — und diese haben zu allen Zeiten der Sprache geschadet; denn nicht alle Mitarbeiter sind genügend vorgebildet, und die es sind, müssen meist mit solcher Hast arbeiten, daß sie nicht immer nach geeigneten deutschen Wörtern suchen mögen. Und was bringen die Berichterstatter, die von ausländischen Städten her schreiben, nicht alles für Fremdwörter! Und wie viele bekommen wir durch die Übersetzungen aus sremden Sprachen! Dunger (S. 43) zählt 314 Fremdwörter, die sich bei Campe (1813) noch nicht finden, und dabei hat er die seltener vorkommenden unberücksichtigt gelassen. — Die Mühe der Sprachreinigung übernahm in neuerer Zeit der verstorbene Wißmeister (— vr.) Brugger, der am 6. Mai 1848 in Heidelberg den Verein für deutsche Reinsprache gründete. Er wurde mit vielem Beifall begrüßt, in allen Gegenden Deutschlands bildeten sich Zweigvereine; einer auch in Frankfurt a. M.; zu seinen Mitgliedern gehörte unter anderen vr. I. M. Jost. Seine Begeisterung für Bruggers Bestrebungen erkennt man aus folgendem Bericht (Brugger, a. a. O. S. 71): „Der Frankfurter Redeverein schloß sich dem Reinsprach-Verein an. In einer Versammlung am 25. Heumonat (—Juli) 1849 sprach Brugger u. a., darunter der israelitische Lehrer I. M. Jost; dieser breitete sich in gehaltvoller Rede darüber aus, daß die Sprache ein wahrer Abdruck des Volksgeistes sei und sein soll, daß sie das große Band der deutschen Einheit darstelle und daß die Sprachreinigung auch in Bezug auf deutsches Leben und deutsche Gesinnung von großer Bedeutung sich erweisen werde." Bruggers geschmacklose Übertreibungen beeinträchtigten aber bald den Erfolg des mit Glück begonnenen Unternehmens; „man wollte die Hetzjagd auf Fremdwörter nicht zu einem lächerlichen Schauspiel herabwürdigen" (Jost's eigene Worte in der Didaskalia von 1850, Nr. 188; die Übersetzung des vr. in Wißmeister hat ihn ganz besonders und mit Recht verdrossen). Trotzdem muß anerkannt werden, daß Brugger manchen richtigen Gedanken ausgesprochen und, gleich Campe, manchen sprachgewandten Zeitgenossen zu