Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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— 20 — können, z. B. der Lebensordnung (Diätetik), der Kenntnis des menschlichen Körpers, und der notwendigsten und einfachsten Heilmittel; 7. in der Umgangs- und Geschäftssprache, in Schauspielen, Geschichtsbüchern, Geschichtsdichtungen (Romanen), Zeitungen u. s. w. 8. in der Dichtkunst, weil der Dichter als Dichter nicht für Gelehrte, sondern für's Volk schreibt und schreiben soll, welches nur seine eigene Sprache gelernt hat (vgl. zu 7 und 8 Leibnizens Forderung).*) II. Welche Fremdwörter verdienen besonders ausgemerzt zu werden? 1. diejenigen, welche solche Laute enthalten, die sich im Deutschen gar nicht finden, und welche wir auch gar nicht einmal so schreiben könnten, wie ihre Aussprache es erforderte, weil uns dazu die nötigen Schriftzeichen fehlen, z. B. Genie, Gelse, Taille, Amüsement, Journal u. a. 2. alle diejenigen, die noch ihre ganze ausländische Form behalten haben, z. B. Publikum, Corpus oder Corps, die Jura u. a. 3. die Wortungeheuer, die aus mehreren Sprachen zusammengesetzt sind (griechisch, lalateinisch, deutsch), z. B. Exdeputirter, antiroyalistisch, musikalisch u. a. 4. solche, die wir bloß durch veränderte Aussprache oder durch Anhängung einer deutsch klingenden Endung verdeutscht zu haben wähnen, denen man aber doch das Ausländische anhört und ansieht, z. B. die Wörter in —ieren, die auf —ät, —ion u. s. w., wie Ambition, Condition, amüsieren, Dignität u. s. w. 5. die Wörter mit lateinischen Endungen, wie Athenienser, Venezianer, Aegyptier, atheniensisch, athanasianisch für Athener, Venediger, Ägypter, athenisch u. a. Wie man für alle diese Wöter neue bilden und einführen könne, setzt er weitläufig auseinander und zeigt sein erwähntes Fremdwörterbuch. Hinsichtlich der Gebiete, auf denen eine Sprachreinignng wünschenswert erscheint, wird man ihm vielfach beistimmen müssen; die Liste derjenigen Fremdwörter aber, die er, wie eben gesehen, hinauswerfen will, wird man schwerlich unterschreiben; ich habe sie aber hier völlig zum Abdruck gebracht, damit begreiflich werde 1) wie Campe den Namen eines Puristen verdiente und viel Spott erleben mußte**), und 2), damit das Ziel eines Mannes 5) Ich habe zum besseren Verständnis die üblichen Fremdwörter in Klammern hinzugefügt. Schiller widmete ihm folgende beide Temen: 1. An des Eridanus Ufern umgeht mir die furchtbare Waschfrau, Welche die Sprache des Teut reinigt mit Lauge und Sand. 2. Sinnreich bist du, die Sprache von fremden Wörtern zu säubern: Nun, so sage doch, Freund, wie man Pedant uns verdeutscht? Campe ist die Antwort nicht schuldig geblieben. Er antwortete: Seid ihr rechtliche Männer, so habt ihr nichts zu befahren: Diesen zeiget man nur, selbst sich zu waschen, den Quell; Seid ihr aber von jenen, die über und über beschlabbert Bis an die Ohren mit Kot, liegen auf faulendem Heu: Dann vermeidet den Ort, denn solcher wartet die Lauge, Wartet der reibende Sand, wartet der striegelnde Kamm. Und aus das zweite: Gieb, auf meine Gefahr, ihm deinen eigenen Namen, Trifft er nicht jegliche Art, eine trifft er gewiß. S. Ed. Boas, Schiller u. Goethe im Xenienkampf, Stuttg. u. Tübingen, 1851, Bd. 2. S. 44—47.