Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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— 18 — gestellte Ziel zu erreichen. Manches Wort, das heute allgemein gebraucht ist, wie Schriftsteller, Zeitwort, Eigenschaftswort, Gegenstand u. a., rührt von ihr her. Noch eifriger war die 1643 gestiftete „d eutsch gesinnte Genossenschaft"; an der Spitze stand Philipp v. Zesen, der aber, weil ihm Sprachkenntnisse und Geschmack in gleichem Maße fehlten, wenig Ersprießliches schaffen konnte. Gleichwohl hat auch von ihm sich manches behauptet, wie z. B. Vollmacht für Pienipotenz, Vertrag für Contrakt, letzter Wille für Testament. Auch Friedrich v. Logau (1604—1655) trat wacker gegen die Verwälschung auf. Mit bitterem Spotte sagt er einmal, wir müßten unseren Vätern recht gram sein, daß sie nur deutsch gesprochen: „Wer nicht französisch kann, ist kein gerühmter Mann; drum müssen wir verdammen, von denen wir entstammen, bei denen Herz und Mund alleine deutsch gekunt."^) Sehr eindringlich erhob am Ende desselben Jahrhunderts seine Stimme G. W. Leibniz (1646-1716) in der gegen Ende des Jahres 1697 verfaßten Schrift: „Unvorgreifliche Gedanken betr. Ausübung und Verbesserung der deutschen Sprache."**) Er spricht seine Befürchtung dahin aus, es möchte, wenn diese Vermischung sortginge, die deutsche Sprache in Deutschland ebenso untergehen, wie das Angelsächsische in England. Er wünscht namentlich die Dichtkunst und „Schreibarten, so der Poesie am nächsten, als: Romane, Lobschriften und öffentliche Reden, auch die Übersetzungen aller solcher Werke aus fremden Sprachen, und Summa: wo man nicht weniger auf Annehmlichkeit als Nothdurft und Nutzbarkeit stehet", möglichst frei von Fremdwörtern. Die wissenschaftliche Sprache giebt er also noch Preis. Und in der That leistet er selber hierin an Sprachmengerei nicht wenig, wie das folgender Satz aus einem Briefe an den Herzog Johann Friedr. v. Hannover (a. a. O. 1, S. 282) zeigen mag. „In tksoloZ'ia ziaturali kann ich ex natura viotus, in xkv8ioiL a. ms ästsota, äsia0Q8ti'ii'6ii, daß raotri.8 in eoi-xoridus xsr 86 suraxtis nicht sein könne, nisi aeesdat ni6H8; daß eine ratio ultima rsruin 86u Iiarilioiiia universalis, iä 63t D6U8, sein müsse: daß solche keine Ursache der Sünden, und dennoch xeoczata xoenis semet x-aui6Qtia 6t eompensantia. der Iai-monias universali gemäß sein, sowohl als die Schattirungen und wieder eingebrachte Verstimmungen, jene das Bild, diese den Ton lieblicher machen." Christian Wolff (1679—1754), der Leibnizens Philosophie in ein System brachte, hat das Verdienst, die Philosophie deutsch reden gelehrt zu haben: seine Schriften sind von großem Einfluß auf die deutsche Sprachbildung gewesen. — Im 18. Jahrhundert lenkt Gottsched (1700—1766), ein warmer Patriot, zuerst die Aufmerksamkeit auf Leibnizens Schrift; er selbst ist eifrig in dieser Richtung thätig, seine Bücher benennt er möglichst deutsch, so die deutsche Grammatik Sprachkunst, ein philosophisches Lehrbuch — Weltweisheit (er ist Wolffianer), eine Rhetorik — Redekunst, eine Poetik — kritische Dichtkunst u. a. Alles dieses ist um so höher anzurechnen, als gerade damals wieder alle Welt für das Französische schwärmte, und er selbst im übrigen die französische Litteratur als musterhaft verehrte und nachahmte.^) Daß auch Kl op stock (1724—1803), der glühende Vaterlandsfreund, der höchstens aus der nordischen Mythologie entlehnt, sonst aber der Fremdwörter sich enthält, die Reinheit und Würde der Muttersprache verfocht, ist eigentlich selbstverständlich. Ich erinnere z. B. an die Oden: „Unsere Sprache", „Teutone", „die deutsche Sprache", „die deutsche Bibel." In der Gelehrtenrepublik sagt er: „Wenn ein Freier 5) Siehe die Ausgabe von Eitner (litterar. Verein), Stuttgart, 1872, S. 344. 5S) L.'s deutsche Schriften, hrsg. v. Guhrauer, Bd. I. Berlin 1838. Die Verdienste des vielgeschmähten Mannes würdigt eingehend W. Scherer in seiner Litteratnrgeschichte, Berlin 1883, S. 397 ff.