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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 17

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
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— 17 — Schrift, und an jegliches Volk nach seiner Sprache, und bekannt gemacht wurde, daß jeder Mann der Herr in seinem Hause sei und reden möge nach der Sprache seines Volkes (Buch Esther, I, 22.) Es ist ja möglich, daß irgend eine fremde Sprache schöner ist als die deutsche; aber ist darum eine mit Fremdwörtern durchsetzte Sprache schöner als eine reine und ungemischte? Der Sinn für Schönheit und Ebenmaß kann nicht gedeihen, wenn man seine Rede mit allerlei Fremdwörtern ausstattet. Denn schon äußerlich weicht deren Klang und Betonung von den deutschen merklich ab. Ein Fremdwort unterbricht das Ebenmaß der Sprache wie ein Hindernis, das plötzlich in den klar und eben dahinfließenden Bach geworfen wird. Und dabei wolle man noch bedenken, daß derjenige Deutsche, dessen Zunge nicht an die fremde Aussprache gewöhnt ist, notwendig etwas Unschönes hervorbringen muß, und dann ist der Wohlklang erst recht verletzt. Nein, eine so buntscheckige Sprache ist gewiß nicht schön. Was würde man zu einem französischen Satze sagen, der etwa lautete: 11 ava.it deauLoux 6s Vergnügen? Geschmacklos! Aber: es gab viel ^laisir? Wunderbar schön! — Und was für Ungetüme sind das bisweilen, für die wir unsere eigenen Wörter hingeben? Jncompatibi^litat (Unverträglichkeit), Jnconstitutionalitüt (Verfassungswidrigkeit), Individualität (Eigenart), Universalität (Allseitigkeit), Insubordination (Ungehorsam, Widersetzlichkeit), und Hunderte anderer klingen nicht schöner als das deutsche Wort — und das schon, wenn man sie so spricht, wie sie geschrieben werden; englische oder französische Wörter berühren das Ohr natürlich noch unangenehmer. Die Sprachmengerei verhindert endlich auch die Weiterentwickelung unserer Sprache, die doch anerkanntermaßen so außerordentlich bildsam ist, dadurch, daß sie sowohl die sprachgemäße Bildung neuer Wörter als unnötig erscheinen läßt — man nimmt eben lieber ohne weiteres ein Fremdwort auf —, als auch gute deutsche Wörter verdrängt. Kaum kennt irgend ein Deutscher noch alle Wörter seiner Sprache; und wie viele prächtige Wörter stecken in einzelnen Gegenden, in der Volkssprache, wert allgemein bekannt und gebräuchlich zu werden! Man schlage einmal Grimms Wörterbuch auf! So zeigt sich auch hier wieder recht deutlich, daß die Fremdwörter kein Segen für uns sind — aber wir mögen nicht von ihnen lassen. Darum sind auch die Mahn- und Warnrufe, die sich seit Jahrhunderten haben vernehmen lassen, unbeachtet verhallt, und erst in allerneuester Zeit beginnt es hie und da besser zu werden. ' Hierüber soll nun zum Schluß kurz berichtet werden. V. Schon im 15. Jahrhundert wird über Verwälschung der Sprache geklagt. Doch soll Luther, der Schöpfer der neuhochdeutschen Schriftsprache, in seiner Bibelübersetzung kaum ein Viertelhundert, meist sogar bekannter Fremdwörter, haben; für die Predigt empfiehlt er ausdrücklich reines, für jeden Mann aus dem Volke verstündliches Deutsch. Auch die Meistersinger waren-gehalten rein deutsch zu singen. Im folgenden Jahrhundert beginnt Martin Opitz im Bunde mit mehreren norddeutschen Fürsten (darunter der große Kurfürst v. Brandenburg) den Kampf gegen die Mißhandlung der Sprache, namentlich gegen die französischen Fremdwörter: die fruchtbringende Gesellschaft (1617), welcher auch Opitz angehört, will für Reinhaltung der Schriftsprache wirken. Man kann I. H. Campe nur beistimmen, wenn er es einen Undank nennt, daß wir diese Gesellschaft nur von ihrer lächerlichen, nicht aber von ihrer würdigen, sehr verdienstlichen Seite zu kennen scheinen: hat sie doch der allgemeinen Verkehrtheit mit vaterländischem Mut und Eifer entgegengearbeitet; und die besten Schriftsteller der Folgezeit bestreben sich das von ihr auf- 3

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