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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 16

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IRI
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— 16 — Anzahl von Beispielen giebt R. Hildebrand *). Mit Recht sagt er da, daß das beliebte Guerillakrieg nicht besser sei als die „reitende Cavallerie" im Munde des gemeinen Mannes; denn Ausrra. heißt Krieg und Ausrrllla kleiner Krieg. Eben dahin gehört der Attentatsversuch der gothaischen Zeitung vom 28. 8. 76; denn Attentat ist eben ein Mordversuch. Er erwähnt weiter aus verschiedenen mit Namen genannten Blättern die allen Ernstes gebrauchten und doch so unsinnigen Wörter und Wendungen: Examenprüfungen, mögliche Eventualität, die Veröffentlichung eines Gesetzes publizieren, ostentativ zur Schau tragen, dekorativ mit Laub geschmückt, defensive Abwehr, die Unantastbarkeit der Integrität der Türkei, vocaler Gesang und noch manches Andere. Man sieht, der Gebrauch von Fremdwörtern wird verhängnisvoll; bei deutschen Wörtern könnte ein solcher Unsinn nicht gezeitigt werden. Weg also mit den unnützen Fremdwörtern: wir können sie entbehren, wenn wir wollen; ja wir können auch andere zur Sprachreinheit veranlassen, wenn wir uns ihrer unnötigen und unberechtigten Sprachmengerei gegenüber ablehnend verhalten. — Französisch lernen wollen wir nach wie vor, und auch andere Sprachen, und wir werden eine Ehre darein setzen, als Deutsche dennoch im fremden Lande die Sprache desselben zu reden; aber es ist doch nicht minder ehrenvoll in Deutschland deutsch zu reden. Doch mag im geschäftlichen Verkehr es jeder halten wie er will; und darum wird sich nichts dagegen einwenden lassen, wenn namentlich in größeren Städten die Aufschriften an Warenläden, Wechselstuben u. s. w. nicht nur deutsch, sondern auch in anderen Sprachen abgefaßt sind. Da ist aber zu vermieten: ein Souterrain, ein Soussol, ein Entresol, die Beletage eine Mansarde, eine Remise u. s. w. Die französische Bezeichnung muß wohl als etwas Vornehmeres erscheinen. Ein Tailleur ist gewiß feiner als ein Schneider, am allerfeinsten ist aber das „Atelier für elegante Herrengarderobe". Hier prangen Nouveautss oder Novitäten der Saison von X. krtzrss oder von X. kils, dort winkt eine Commanditgesellschast für Mercerie, und hier wieder ein Sensal sür Jmm obilien; ein Schuhmacher, der sich gelegentlich auch Bottier nennt, verspricht Reparaturen prompt zu effektuieren, ein Schreiner empfiehlt sich zum Reparieren von Möbeln unter Zusicherung promptester und reellster Bedienung; X und?. in Westfalen offerieren Eisen- und Stahldraht in allen Qualitäten, Dimensionen und Fayons. Arme deutsche Sprache! Ein Arzt empfiehlt sein Sanatorium, ein schwedisches Institut verspricht manuelle Behandlung der Krankheiten. Eine altdeutsche (!) Trinkstube hat separate Salons zur Abhaltung von Diners, Soupers u. s. w.; in einem Restaurant giebt es Diners, Soupers, Restauration a. 1a carte, Arrangements von kalten Büffets, Diners u. s. w. Das Bureau für Stellenvermittelung zu B. erbittet Offerten für in folgenden Branchen vacante Stellen; ein Blatt bringt statt der vermischten Anzeigen, diverse Anzeigen. Ein deutscher Vertreter eines englischen Hauses empfiehlt OonäsQssä Lssr und fügt hinzu: L118k ^16 wird zur Bereitung von OonäsuLSÄ Vssr auf seines Volumens im Vacuum condensiert. Wer soll das verstehen? Über C a s s a - Schränke, Prima Referenzen, Depots verschiedenster Art und zahllose andere höchst überflüssige Dinge will ich kein Wort weiter verlieren. Aber wie sagt Logau? „Wer nicht französisch kann, ist kein gerühmter Mann." Da hat jener König Ahasverus, der Beherrscher von 127 Provinzen, doch anders gedacht, als er Briefe aussandte in alle seine Landschaften, in jegliche Landschaft nach ihrer *) Vom deutschen Sprachunterricht u. s. w. mit einem Anhang über Fremdwörter u. ihre Behandlung in der Schule. Leipzig u. Wien, Klinkhardt, 1879. S. 115 ff.

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