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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 14

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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- 14 — man eine deutliche Vorstellung von dem geben, was man meint, wenn man Wörter gebraucht, mit denen der Hörer oder Leser keinen bestimmten Begriff zu verbinden weiß? Es kommt aber noch etwas Anderes hinzu. Viele Fremdwörter lassen verschiedene Deutungen zu. Was ist z. B. interessant? Oder glauben wir wirklich schon einen klaren Begriff davon zu geben, wenn wir von einem interessanten Menschen, einem interessanten Gespräche, einem interessanten Buch reden? Wollten wir uns aber die Mühe nehmen auf gut deutsch zu sagen, was an dem Menschen, dem Gespräch oder dem Buche das Fesselnde ist, so wüßten Hörer und Leser mit einem Schlage, was gemeint ist. Dazu wäre freilich nötig, sich selbst erst klar darüber zu werden aber da liegt eben die Schwierigkeit. Wir haben oft keine Zeit nach einem angemessenen und bezeichnenden Worte zu suchen, oft auch keine Lust dazu, in der Hoffnung, der Hörer werde sich schon etwas dabei denken. Und so kommen denn beide Teile zu Schaden. — Was ist Delicatesse? Ist es Zartgefühl, ist es Feinheit, ist es ein Leckerbissen oder sonst etwas? Warum wollen wir das nicht deutsch sagen? Was kann Coup nicht alles bedeuten? Und gar erst Tour? Ist die Gewohnheit des Herrn N. unangenehm, unausstehlich oder verhängnisvoll? Das ist jedenfalls leichter zu entscheiden, als wenn man sagt sie sei fatal. Wir haben folgende Wörter: scharf, beißend, stechend, prickelnd, starkreizend, ätzend, treffend, spitzig, anzüglich u. s. w.; alles das steckt man in ein einziges Fremdwort, und das lautet: pikant. Ich frage nun: Ist denn nicht die deutsche Sprache die reichere, welche je nach dem Zusammenhange ein entsprechendes Wort wählt, als die französische, die eins setzen muß mit so und so vielen Bedeutungen? Und ferner: Ist ein Wort nicht um so schwerer zu verstehen, je mehr verschiedene Bedeutungen es haben kann? Und endlich: Wird unsere Urteilsfähigkeit nicht mehr gewinnen, wenn wir unter den deutschen Wörtern wählen, als wenn wir ein vieldeutiges Fremdwort setzen? Zu welcher Verflachung wir durch die Fremdwörter kommen können, zeigt in trauriger Weise das Allerweltswort brillant. Eine Blumenlese der geläufigsten Redensarten damit giebt Riegel (S. 16): „Der Stiefel sitzt brillant, die Patti singt brillant, der Zug fährt brillant, der Kaffee schmeckt brillant; man schläft brillant, tanzt brillant, amüsiert sich brillant, und hat sogar eine brillante Gesinnung. Man spricht von einer brillanten Zigarre, von brillantem Käse, einem brillanten Kauf, einem brillanten Vortrag, und einem brillanten Rock. Man giebt einem brillanten Kerl von brillanter Gesundheit in seiner eigenen brillanten Wohnung eine brillante Ohrfeige und glaubt eine brillante Geschichte ausgeführt haben. Dieser brillante Kohl ist wirklich zu enorm." Enorm-^„unerhört, unmäßig" ist nämlich auch so ein Modewort und rinnert an Gaudy's Schneidergesellen, der aus Genua den 10. Mai schreibt: „Notabene: das Wort famos ist jetzt modern und muß so oft als möglich angebracht werden." Doch genug der Beispiele: sie alle enthalten doch nichts, was nicht allen gebildeten Völkern eigen wäre: warum soll es also nicht auch deutsch gesagt werden können? Freilich wird man dem Zusammenhange entsprechend ein Wort suchen müssen, es wird oft Nachdenken und Mühe kosten, aber wenn man sich erst daran gewöhnt hat, wird die Mühe nicht mehr empfunden werden. Meint man übrigens einmal, man könne einen Begriff nicht deutlich genug deutsch ausdrücken und nimmt seine Zuflucht zu einem Fremdwort, so mag man wenigstens eins wählen, das schlagend ist und keinen Zweifel an der Bedeutung übrig läßt — sonst besinne man sich lieber auf ein deutsches, und wenn eins nicht zu genügen scheint, so setze man ein zweites hinzu; das kommt auch in anderen Sprachen vor und bedeutet noch keine Unbeholfenheit. Ein Redner oder Schriftsteller, der hiernach seine Sprache handhabt, wird sich gewiß allgemeinen Dank erwerben, denn er erleichtert das Verständnis bedeutend, und damit wird wohl auch seine Absicht am besten erreicht. — Ein deutsches Sprichwort sagt: Ein

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