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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 13

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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— 13 — gestehe, nicht minder Achtung vor dem zu haben, der nie einen Fehltritt gethan hat. Wozu noch ferner Gratulations- und Cond olenzvisiten machen, wenn wir jemand eben so gut besuchen können, um ihm unfern Glückwunsch oder unser Beileid (Bedauern) auszusprechen? Wozu die Lsl-Dta^s beziehen, wenn der erste Stock dasselbe leistet? Warum nach der Adresse fragen, wenn man die Wohnung wissen will? Ist nicht ein Wohnungs-Anzeiger geradeso zuverlässig, wie einAdreß- Kalender? Kann man nicht gerade so gut zu Mittag speisen als dinieren? Kann es nicht ebenso ehrenvoll sein, zu Tische oder zur Tafel geladen zu werden, als zum Diner? Wozu von Terrain, von Fa? ade, von Plafond u. f. w. reden, wenn man bei Baustelle, Vorderseite, Decke u. s. w. dasselbe meint? Und so lassen sich zahllose Beispiele anführen, wie überall Sprachmengerei getrieben wird — und warum? Das klingt so gebildet! Schon Logau (gest. 1655) spottet: „Wer nicht französisch kann, ist kein gerühmter Mann." Der Zweck der mündlichen oder schriftlichen Mitteilung unserer Gedanken und Empfindungen kann ein mannigfaltiger sein. Wollen wir uns aber nicht blos darum vernehmen lassen, weil es uns selbst Vergnügen macht, sondern als verständige Menschen auch einen Zweck damit erreichen, so wird es natürlich in allen Fällen unerläßliche Bedingung sein, daß wir auch verstanden werden. Handelt es sich nun um unseren eigenen Vorteil, so wird es die Klugheit empfehlen, uns einer Sprache zu bedienen, die der Angeredete versteht; setzen wir uns über diese erste Forderung hinweg, so machen wir uns eines unverzeihlichen Leichtsinns schuldig. Mindestens werden wir demnach da, wo wir nicht die volle Gewißheit haben verstanden zu werden, uns vor Fremdwörtern hüten müssen: nur so können wir Mißverstündnissen vorbeugen, die schon manchen Schaden angerichtet haben. — Dunger erzählt Folgendes (S. 22) Ein höherer Offizier, der eine Reise unternehmen mußte, erteilte seinem Burschen den Auftrag, ihm alle Cito-Sachen sofort nachzusenden. Pünktlich kam dieser dem Befehle nach; aber als der Offizier zurückkehrte, fand er ein wichtiges Citissime-Schreiben vor, das bereits seit längerer Zeit ruhig dalag: es stand ja fauch nicht Cito darauf! Ich meine: wenn statt der Fremdwörter drauf gestanden hätte: eilig und sehr eilig, so wäre das Versehen nicht möglich gewesen. Aber nicht nur unser eigener Vorteil, sondern auch der eines anderen, dem wir nützen wollen oder sollen, erheischt dieselbe Rücksicht: mit einem Orakel ist bekanntlich wenig gedient. Eine übrigens nicht ungebildete Frau erzählte mir, sie hätte in einer gerichtlichen Verhandlung, einen Erbvertrag betreffend, manches Fremdwort nicht verstanden, sich aber immer wieder gescheut nach der Bedeutung zu fragen und fomit keine klare Vorstellung von manchen Einzelheiten bekommen. — Ein Arzt verordnete einem kranken Dorfschenkwirt ein Narkotikum (Schlafmittel) gegen ein veraltetes inneres Leiden und empfahl es in kleinen Prisen zu nehmen. Als er am andern Tage den Kranken besuchte, fand er ihn mit hochgeröteter, dickgeschwollener Nase. „Um Gottes willen, was haben Sie denn gemacht?" „Der Schmerz im Leibe ist weg durch das viele Niesen", antwortete der Schenkwirt, „aber die Prisen waren etwas kitzelig." Er hatte die Arzenei durch die Nase genommen (Tägl. Rundsch., 1883, S. 312). — Die Rücksicht auf nicht fremdsprachlich Gebildete wird eben zu sehr außer acht gelassen. Unsere Zeitungen bewegen sich meistens in einer Fülle von Fremdwörtern, als wenn sie Fachzeitschriften wären; ich habe manchen öffentlichen Vortrag gehört, der in diesem Punkte Anforderungen an die Zuhörer und ZuHörerinnen stellte, denen gewiß nur wenige genügt haben dürften. Ist das nicht ein Leichtsinn? Wie will man irgend einen Nutzen stiften, wenn man sich nicht bemüht, eine Sprache zu reden, die jedermann verständlich ist? Wie will

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