Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9643684-3089722--0904-3090745
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

werden, reden kann, wie man es für schön findet, dieses zu verpönen fällt mir natürlich nicht ein. Nur die leidige Vornehmthuerei durch Häufung von Fremdwörtern mag verbannt werden. Die Sache hat aber endlich auch noch eine nationale Seite. Nicht als ob man nicht ein guter Deutscher sein kann, auch wenn man Fremdwörter gebraucht: unsere Beamten und Offiziere sind darum nicht minder patriotisch, weil gerade sie viel Fremdwörter gebrauchen. Aber ist eine solche Mischsprache eines großen und mächtigen Volkes würdig? Ist der Spott, den andere Völker an ihr üben, nicht wohlverdient? „Von Engländern muß man sich sagen lassen, unsere Sprache sei kaum noch deutsch; von den Franzosen muß man hören, daß wir nun zwar ein deutsches Reich hätten, daß aber die armselige deutsche Sprache doch voll sei von französischen Fremdwörtern, die sie nicht entbehren könne; daß so die großartige Überlegenheit des französischen Volkes glänzend zum Ausdruck käme."^) Anders freilich, aber um so vorwurfsvoller, lautet ein Urteil aus der Zeit vor dem letzten Kriege, das der deutsche Sprachwart (Bd. 1, 1866, S. 164) aus der Revue ssermarnHus mitteilt. „Mit einem fast unvergleichlichen Reichtum, der ihr in der Poesie in bewundernswerter Weise zu statten kommt, weiß sie sich nicht zu beschränken, und zeigt sich immer bereit Worte, die sie nicht nötig hat, aus fremden Sprachen, und besonders aus der französischen, zu entlehnen." Auch die Slaven beginnen allgemach über die „deutsche Cultursprache" zu spotten. Im vorigen Jahre erzählte der Slo^en^i Mroä, ein czechisches Batt, wie eine deutsche Dame aus Hannover in Wien ein deutsches Dienstmädchen gemietet, wie sie aber in ihrer „Weltsprache" sich nur schwer hätten verständigen können. Eines Tages nun habe erstere der letzteren aufgetragen folgende Dinge zu holen: Meerrettig, Pflaumenmus, Papierdüten, Blumenkohl, weiße Bohnen und Bindfaden. Das erstaunte Mädchen aber beteuerte sein Lebtag von solchen Dingen nichts gehört zu haben; die gebe es gar nicht in Wien. Die Dame, schließlich ungeduldig, habe sich dann selbst auf die Suche begeben und nach mancherlei Schwierigkeiten und sprachlichen Auseinandersetzungen erfahren, daß diese Dinge allerdings in Wien unbekannt seien, weil sie dort allgemein Kren, Powidl, Skarnitzel, Carfiol, Fisolen und Spagat hießen! Das Blatt bemerkt darauf, daß die ersten drei Wörter verballhornte slavische Bezeichnungen sind, während die letzten drei aus dem Italienischen stammen. „Und dieses Kauderwelsch", schließt es, „möchten die Wiener uns Slaven als „deutsche Cultursprache" aufzwingen" (nach der Tägl. Rundschau, 1883, S. 276). Dieses Geschichtchen bezeichnet genanntes Blatt als verbürgte Thatsache; aber auch wenn es erfunden wäre, würde uns dennoch deutlich genug die Mahnung daraus entgegenklingen, aus Rücksicht auf die nationale Ehre unsere Muttersprache von den entbehrlichen Fremdwörtern zu säubern. II. Welche Wörter sind denn nun Fremdwörter? Bisweilen hielt man auch solche Wörter dafür, die unleugbar indogermanisches Eigentum, also von den Deutschen ebenso aus der ursprünglichen, gemeinsamen Heimat, dem inneren Hochasien, 'mitgebracht sind, wie von den Slaven und Romanen. Wörter wie: Nase, Thür, Thor, Name, Mond, Monat, Weste, satt und viele andere wird aber heute niemand mehr im Ernste deswegen für Fremdwörter ansehen, weil in anderen Sprachen sich verwandte Formen finden: sie sind alle schon nachweisbar im Sanskrit, der ältesten der indo-europäischen (d. h. der griechischen, lateinischen, slavisch-littauischen und germanischen) Sprachen. Herman Riegel, Em Hauptstück von unserer Muttersprache, Leipzig 1883, S. 33.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.