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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1884-01-01 · 1884 · page 5

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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und verständlicher Sprache übergeben werden? Kann es nicht von denen fordern, welche sich an die Spitze seiner Ämter und seiner Bildung stellen wollen, daß sie sich die Mühe nehmen die fremden Wörter zu übersetzen und nicht in ihrer Trägheit und Bequemlichkeit fortfahren, es mit allerlei Fremdwörtern zu bewirten? Nur dadurch wird das Volk zum klaren Denken, Begreifen und Urteilen gebracht. Ohne helle Begriffe von den einzelnen Wörtern nie klare Sätze.^) Wie oft hat ein Fremdwort schon die Bildung falscher Begriffe veranlaßt und damit zu unheilvollen Thaten geführt! Campe ^) führt als Grund dafür, daß sich das Volk im alten Griechenland auf einer höheren Stufe der Ausbildung befand, als unser heutiges, unter anderen auch den an, daß die Griechen eine gleichförmige, nach ihrer eigenen Ähnlichkeit gebildete Sprache besaßen; daß sie nicht, wie wir bisher, eine ausländische Kunstsprache hatten, welche der Verbreitung der daran gehefteten Kenntnisse in die ungelehrten Volksklassen unüberwindliche Hindernisse in den Weg legt. Die Neuzeit geht bekanntlich der sogenannten klassischen Bildung hart zu Leibe, Latein und Griechisch möchten viele ganz verdrängen; zahlreiche Anstalten werden gegründet, an denen Griechisch nicht gelehrt wird, an anderen sällt auch der lateinische Unterricht fort, so daß die Kenntnis der beiden klassischen Sprachen in Zukunft außerordentlich abnehmen und nur für einige wenige Berufe unerläßlich sein wird: ist es nun nicht andrerseits erforderlich dafür zu sorgen, daß die Unzahl lateinischer und griechischer Fremdwörter, die wir im Deutschen haben, vermindert und nur auf die unentbehrlichen beschränkt werde? Denn niemand wird es leugnen, daß die meisten Deutschen bei Fremdwörtern aus diesen Sprachen sich in Verlegenheit befinden werden. Noch eine andere Erwägung wird uns nahe gelegt. Es sind im allgemeinen die Wohlhabenderen, die in der Lage sind, sich vielseitige, namentlich Sprachkenntnisse zu erwerben. Während sie aber eifrig darnach streben die fremden Sprachen möglichst rein zu sprechen, tragen sie kein Bedenken ihrer Muttersprache Wörter aus den ihnen mehr oder minder bekannten Sprachen einzuverleiben — es klingt so gebildet! An Wörter und Redensarten wie: vsäersmo, nous vsrrovs, au rsvoii-, laisssr allsi', savoir vivrs, xoui- 5aii'6 visiw sx. k. v.), xlöin xouvoir, kauts äs misux, aä L5ll6näA8 AUSLAS,?. I.,?. Zi6U!6^5l und unzählig viel Anderes sei hier nur flüchtig erinnert. Alles dieses findet sich also besonders in der Sprache der höheren Stände — mehr oder weniger; ja, man bemerkt oft, daß Leute, die in guten Verhältnissen leben und in der Lage sind viel zu reisen, zu hören, zu sehen, mit einer wahren Wonne in fremden Wörtern und Wendungen schwelgen, unbekümmert um die Verlegenheit, die sie einem anderen leicht dadurch bereiten, daß er nicht immer alles versteht, was sie in ihrem Kauderwelsch reden. Und doch kann man überzeugt sein, daß sie z. B. einem Franzosen gegenüber rein französisch, einem Italiener gegenüber rein italienisch sprechen würden; aber der deutsche Zuhörer mag nur zusehen. Genug, es stellt sich allmählich auch in der Sprache ein keineswegs notwendiger Unterschied zwischen Arm und Reich heraus. Aber ich meine: dahin streben, daß wir, soweit möglich, eine wie in alten Zeiten allen verständliche Sprache bekommen, daß nicht auch hier ein allzu scharf hervorstechender Unterschied zwischen Vornehm und Gering gemacht werden müsse, heißt gleichfalls an der Lösung der „socialen Frage" mitarbeiten. Daß man übrigens mit Fachgenossen oder dort, wo man sicher voraussetzen kann verstanden zu ^) Brugg er, Geschichte der Gründung und EntWickelung des Vereins der deutschen Reinsprache. Heidelberg 1862, S. 69. Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke, 2. Aufl. Braunschweig 1813, S. 10.

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