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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1881-01-01 · 1881 · page 11

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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IRI
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— 12 — und eindringlicher geforscht hat, als die nationalen Geschichtsschreiber der Engländer und Franzosen, und seine Werke, welche die Geschichte dieser beiden Völker im 16. und 17. Jahrhundert behandeln, haben den Ruhm des deutschen Namens erhöht. Die Geschichte hört auf eine Wissenschaft zu sein, obald man bei ihrer Erforschung irgend etwas anderes sucht als Wahrheit. Nun haben wir es bei dem Geschichtsunterricht in der Schule nicht mit der Wissenschaft zu thun, sondern mit einem Elementarunterricht, aber auch dieser darf seine Prinzipien nur der Natur des Unterrichtsobjectes entnehmen. *) Auch der Geschichtslehrer muß daraufausgehen — soweit es überhaupt möglich ist — die Dinge der Vergangenheit mit nnbefangenem Blick zu erkennen und in ihrem Zusammenhange zu verstehen. Wenn er dabei mit reinem Sinn die Ereignisse auf sich wirken läßt und mit historischer Bildung ein Verständnis für die Aufgabe des geschichtlichen Schulunterrichtes verbindet, so wird seine rein sachliche, in einer der Würde des Gegenstandes entsprechende Form gehaltene Darstellung in seinen Schülern Sinn für die Wirklichkeit, Begeisterung für alles Große und Gute wecken; die Schüler werden Achtung vor jedem redlichen Streben, vor jeder ehrlichen Überzeugung gewinnen, sie werden lernen das Vaterland zu lieben und das Walten der Vorsehung in der Geschichte zu verehren. Nicht also in diesem Sinne ist unsere Schule eine konfessionelle, daß in ihr von konfessionellem Standpunkte aus unterrichtet wird. Das widerspräche dem Gedanken, in dem sie im Anfange unseres Jahrhunderts als Philanthropin gegründet worden ist, es widerspräche unserer eigenen Überzeugung und wäre auch ganz unmöglch. Denn von früh an haben auch christliche Eltern ihre Kinder vertrauensvoll unserer Schule übergeben, protestantische und katholische Lehrer und Lehrerinnen sind hier immer definitiv angestellt gewesen, sind es heute, sie waren und sind uns in dem Bewußtsein der gemeinsamen Aufgabe unseres Lehrberufes in gemeinsamer Arbeit treu verbunden. Diese unsere israelische Schule ist nichts und kann nichts anderes sein als eine deutsche Schule. Der Umstand aber, daß sie eine Schule der israelitischen Gemeinde ist, daß sie, ohne irgend einen Zuschuß von anderer, Seite einzig aus den Mitteln der Gemeinde erhalten wird, gibt ihr nach einer Seite hin sür die Erziehung der israelitischen Jugend eine nicht genug zu schätzende Bedeutung. Mit Ausnahme der Elisabethenschule wird in keiner der hiesigen städtischen Schulen israelitischer Religionsunterricht erteilt. Der Versuch, diesem Mangel durch eine besondere Schule abzuhelfen, welche die israelitischen Schüler und Schülerinnen der städtischen Schulen zum Zweck des Religionsunterichtes versammelt, ist gewiß sehr anerkennenswert und verdient jede Unterstützung, allein nur wer auf diesem Gebiete selbst Erfahrungen gemacht hat, kann die Schwierigkeiten ermessen, mit denen eine solche Schule nach allen Richtungen hin zu kämpfen hat. So wächst ein sehr großer Teil der israelitischen Jugend und gerade derjenige, welcher die höheren Schulen besucht und aus welchem die Männer in führender Stellung, die Aerzte, Juristen, Lehrer, Techniker, Fabrikanten, Kaufleute hervorgehen, heran, ohne jeden Unterricht in der Religion, ohne Kenntnis der Bibel, der jüdischen Geschichte, des Judentums überhaupt; ein Mißstand, der dringend Abhilfe fordert. Die religiöse Unterweisung der Kinder gehört zu den Grundgeboten des JudenHums; sie ist zugleich ein unerläßliches Erfordernis der Erziehung zur Humanität. Wir betrachten es daher als einen großen Vorzug, daß wir in der Lage sind, dem israelitischen Religionsunterricht in dem Lehrplan unserer Schule die Stellung einzuräumen, die ihm gebührt. *) Die Gefahr, welche eine parteiische Geschichtsschreibung und ein darauf begründeter einseitiger Geschichtsunterricht sür die ganze Nation mit sich führt, ist an einem beherzigenswerten Beispiele dargethan in der Geschichte des deutsch-französischen Krieges, herausgegeben von dem Großen Generalstab Bd. I, i 2ö.

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