Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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_ 11 — Eltern zweierlei thun: 1., wenn sie die schulfreie Zeit ihrer Kinder richtig einteilen und an dieser Zeiteinteilung festhalten; 2., wenn sie darauf achten, daß das Kind, das am Buche sitzt, auch wirklich arbeite und nicht träume oder spiele. Wünschen wir einerseits keine Vermehrung der Unterrichtsobjekte durch Privatunterricht, so fordern wir anderseits volle Ausnutzung dessen, was die Schule bietet, sowohl rücksichtlich der Unterrichtsgegenstände als auch in Bezug auf die Kursusdauer Unsere Schule hat, die Vorschule mitgerechnet neun Klassen und einen zehnjährigen Kursus, die Beisetzung findet ausnahmslos nur zu Ostern statt, alle Klassen haben Jahreskurse; nur die erste Klasse hat einen zweijährigen Kursus. Da mit dem einjährigen erfolgreichen Besuch der ersten Klasse und der Versetzung in unsere Ober-Prima das Zeugnis behufs Meldung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erworben werden kann, so liegt im Unterrichtsplane ein gewisser Abschluß schon hinter dem ersten Jahreskursus der ersten Klasse. Wir können aber den Eltern unserer Schüler nicht dringend genug raten, ihre Söhne noch ein ferneres Jahr in der Schule zu belassen. Gerade dieses zehnte Schul, jähr kann bei der erlangten Reife und dem schon gewonnenen Bildungsinteresse der Schüler überaus fruchtbar für sie gemacht werden und durch Befestigung, Vertiefung und Erweiterung ihrer Ausbildung ihnen den wertvollsten Ertrag für das Leben gewähren. Auch den Eltern unserer Schülerinnen können wir nur den gleichen Rat geben. Bei der unabhängigen Stellung unserer Schule, deren Frequenz eine wesentliche Zunahme nicht mehr erfahren darf, ist jede Mißdeutung ausgeschlossen, wenn wir erwähnen, daß mehrjährige Erfahrung uns gelehrt hat, wie erfolgreich der Besuch der Oberklasse für unsere Schülerinnen geworden ist. Mit der größeren Reife und dem zunehmenden Verständnis ist ihnen die Lust und Liebe zum Lernen gewachsen. An der Hand der mit ihrer Individualität und dem Stand ihrer Kenntnisse vertrauten Lehrer, die immer ihre Freude daran haben Begonnenes möglichst zu vollenden, sind sie mit Sicherheit fortgeschritten und haben einen erfreulichen Abschluß ihrer Schulbildung erreicht. Unsere Schule ist eine Schule der israelitischen Gemeinde, sie ist aber damit keine Konfessionsschule in dem Sinne, daß hier der Unterricht von dem Standpunkt der Konfession aus erteilt werde. Diese Auffassung ist allen, die an dieser Bildungsstätte jemals als Lehrer gewirkt haben, völlig fremd geblieben. Man hat hier kein Verständnis dafür gehabt, wie man — den Religionsunterricht ausgenommen — von einem konfessionellen Standpunkte in irgend einer andern Disciplin reden könne. Gerade da aber, wo man alles von einem konfessionellen Gesichtspunkte aus betrachten kann, in dem Geschichtsunterricht, hat man sich mit vollem Bewußtsein davon fern und frei gehalten. „Die Historie," sagt Johannes von Müller, „ist ein Spiegel der Wahrheit, welcher die vorigen Zeiten darstellt wie sie waren, damit unsere Zeit sorgfältiger wache" und die Geschichtsforscher, welche weniger bemüht gewesen sind in der Erforschung der Vergangenheit die Dinge zu erkennen und darzustellen wie sie waren, als vielmehr in allem Geschehenen eine Bestätigung ihrer eigenen konfessionellen oder politischen Anschauungen und eine Widerlegung ihrer Gegner zu finden und darzustellen, haben der Wahrheit und der Wissenschaft wenig gedient. Niemand wird Rankes gute protestantische Gesinnung bezweifeln und doch hat ihn sein Protestantismus nicht gehindert, die Geschichte der Gegenreformation und der Päpste mit derjenigen Unbefangenheit Izu erforschen und darzustellen, wie sie die Wissenschaft von denjenigen fordert, die ihr in Wahrheit dienen Wer möchte den deutschen Patriotismus dieses unseres größten Geschichtsschreibers in Frage stellen? Er hat ihm bei der Erforschung der französischen und englischen Geschichte den Blick nicht getrübt; gewiß ist, daß er unparteiischer 2^