Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1879
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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— 40 richtet ist, daß sie überall auf die eigentliche Bibel hinweist, demnach nicht mit ihr verwechselt werden kann, andrerseits aber ein Abbild derselben gibt und mit ihren eigenen Worten in sie einleitet. Für einen Theil der biblischen Geschichte wird das zweite Bändchen der „Biblischen Erzählungen" auch noch auf der höhern Unterrichtsstufe benutzt, indem die wichtigeren Abschnitte in der ersten Abtheilung der „Kleinen Schul- und Haus-Bibel" gelesen werden, im Uebrigen aber das kleinere Buch dazu dient, den Hauptinhalt zusammenzufassen und übersichtlich zu ordnen. Die Auswahl aus dem nie vollständig zu bewältigenden Lehrstoff muß auf dieser und der folgenden Lehrstufe so getroffen werden, daß — nach Maßgabe der an den Jugendunterricht zu stellenden Anforderungen — keine wesentliche Lücke bleibt. Da der Unterricht sich seinem Inhalte nach bis zu Ende der Schulzeit fortsetzt, so können Theile, die hier als Aufgabe der vierten oder dritten Klasse gesetzt sind, auch auf die zweite oder erste verschoben werden. So z. B. mag es rathsam sein, vom Buche Hiob vorerst nur den Hauptinhalt mitzutheilen und mehrere Abschnitte aus demselben erst später lesen zu lassen. Ueberhaupt muß es genügen, wenn von einigen Büchern zunächst nur ein Vorbegriff gegeben und erst in den obersten Klassen näher auf sie eingegangen wird. Auch ist es an und für sich zweckmäßig, die Auswahl aus den größern Büchern auf mehrere Klassen zu vertheilen, so daß dieselben wiederholt an die Reihe kommen und allmählig tiefer erfaßt werden. Die Religionslehre stellt sich auch hier in geschichtlichen Gestalten dar oder lehnt sich wenigstens an sie an. Schon die Namen der zu Grunde gelegten biblischen Bücher weisen auf die Träger der Lehre hin. Die Wiederholung und weitere Ausführung der Geschichte soll nicht blos die Kenntnisse befestigen und ergänzen, sondern vornehmlich in das innere Gebiet der Religion einführen. Der Inhalt erscheint auch hier in geschichtlicher, aber doch in neuer Form, wie denn überhaupt bei jedem Unterrichte die Wiederholung eine Art Neugestaltung sein soll, so daß derselbe Gegenstand nun von anderer Seite beleuchtet und erfaßt wird. Der Schüler soll an die ihm schon bekannten Gottesmänner herantreten, ihre Worte vernehmen, ihre erhabenen Gedanken, so viel er vermag, zu fassen suchen, mit ihnen fühlen, was sie so mächtig bewegt. Er schaut zu Mose empor, der das strahlende Antlitz demüthig mit dem Schleier verhüllt; ihn ergreifen die Töne, die David der Harfe entlockt, bald im freudigen Gottvertrauen und Dankgefühle, bald im Schmerze über das eigene Vergehen, wo er sich mit aller Kraft emporringt aus dem Abgrunde der Sünde; sein Verstand übt sich, indem er die Weisheitssprüche Salomo's zu enträthseln trachtet;*) er vernimmt Worte Jesaia's, und die Seele erzittert, wenn die höheren Geister den Herrn der Heerschaaren mit den Worten preisen, die seitdem den erhabensten Ausdruck aller Gottesverehrung bilden; und dann klagt und trauert, hofft und vertraut er mit Jeremia, „dem Manne, der das Elend schaute" und der von sich sagte: „Das Wort des Herrn ist mir zur steten Schmach und Schande geworden. Und wenn ich dachte: Ich will seiner nicht mehr erwähnen und nicht mehr in seinem Namen reden, so 5) Es ist bedeutsam, daß im Buche der Sprüche die Weisheitslehren auch „Rä'thsel" genannt werden. Der Parallelismus ist meist der Art, daß die zwei Glieder des Verses von verschiedenen Seiten aus auf einen Punkt hindeuten, wo der Hauptgedanke liegt, den wir erst durch tieferes Nachdenken finden können, wie ein Rä'thsel durch Beachten und Zusammenfassen der versteckten Andeutungen gelöst wird. Dadurch werden wir in Selbstthätigkeit gesetzt, suchen und finden durch eigenes Nachdenken die Wahrheiten, die der Weise uns lehren will, und eignen sie uns au. Es gilt hier ein Gesetz aller ächten didaktischen Poesie. Die Fabel erzählt eben deshalb einen Vorgang, von dem wir im Voraus wissen und wissen sollen, daß er nicht als äußere Thatsache wahr ist, sondern eine halbversteckte Wahrheit veranschaulicht, die dazu auffordert, daß wir sie suchen. — Wir bemerken dieses hier, weil es besonders bei Erklärung der Sprüche Salamo's beachtet zu werden verdient.