Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1879
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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- 38 — in unvergleichlicher Weise ergreifen und deshalb auch von jeher Dichter und Künstler zum freudigen Schaffen begeisterten. Die Geschichte Jakobs und Josephs, von ihrem Anfange bis dahin, wo der vielgeprüfte greise Vater auf dem Sterbebette liegt, ist eine ganze Welt für sich. Der Lehrer sucht überall die großen charakteristischen Züge lebendig wiederzugeben und — mit der gebotenen Behutsamkeit — allenfalls auch weiter auszuführen. So z. B. läßt er das Kind im Geiste den Brunnen sehen, wo die Kameele lagern und das Mädchen mit dem Eimer kommt und hinabsteigt, um Wasser zu schöpfen. Da geht dem Kinde das Herz auf. In ähnlicher und doch wieder eigentümlicher Weise ergreifend ist es dann, wenn der pilgernde Jakob an demselben Brunnen steht, um den die Hirten mit ihren Heerden versammelt sind, und er hinzueilt, um die Schafe Rahels Zu tränken. Erzählen wir nachher von Mose, der vor dem Schwerte Pharao's geflohen, sich bei einem Brunnen aufhält und den Mädchen gegen die bösen Hirten beisteht, so wird zwar wieder das Naturgefühl und die Freude am einfach Menschlichen, vornehmlich aber das sittliche Gefühl in uns rege. Begleiten wir dann das Volk auf dem Zuge durch die Wüste, so bringt der Führer mit dem Wunderstabe ihm Wasser aus dem Felsen hervor. Wir hören auch, wie Israel singt: „Steig' auf, Brunnen! Singt ihm zu! Brunnen, den Fürsten gegraben, den die Edlen des Volkes eröffnet mit dem Scepter und mit ihren Stäben!" Der spätere Dichter aber singt: „Vor dem Herrn erzittere, Erde, vor dem Gotte Jakobs, der den Felsen verwandelt in einen Wasserteich, den Kiesel in einen Wasserquell!" Dann sprechen wir auch mit den Worten des Psalms: „Gott ist mein Hirt, mir mangelt nichts. Auf grünen Auen läßt er mich lagern, an geruhige Wasser führt er mich. Meine Seele labet er." Wenn nachher die Propheten von der „Quelle des lebendigen Wassers" reden, so klingt derselbe Grundton wieder in anderer Weise fort. Wer will ermessen, welche Fülle des Lichtes und des Lebens oft mit einem einzigen Bibelworte in die empfängliche Seele des Kindes dringen mag! Da sagt sich der Lehrer in mehr als einer Beziehung: „Der Ort, wo du stehst, ist ein heiliger Boden!" Er hat die eben so schöne als schwierige Aufgabe, von dem in der Bibel waltenden Geiste erfüllt, die einzelnen Momente in ihrer Eigentümlichkeit zu erfassen und — wenn auch nur annähernd — wiederzugeben. Bei der Geschichtserzählung darf der Hinweis auf die Karte von Palästina nicht fehlen und sind überhaupt die erforderlichen Sacherklärungen einzustreuen. Obgleich auf dieser Stufe die mündliche Erzählung vorherrscht, so ist doch zur Wiederholung und Befestigung ein Lehrbuch erforderlich. Dazu dienen die „Biblischen Erzählungen", deren genauerer Titel unten angegeben ist.^) Von gelegentlichen Belehrungen abgesehen, vertheilt sich der Lehrstoff folgendermaßen auf die drei Klassen: VII. Klasse. Einzelne biblische Erzählungen, vornehmlich ans dem Pentateuch. Es werden diejenigen Geschichten ausgewählt, die sich am besten für den Anfangsunterricht eignen; auf den Zusammenhang der Erzählungen unter einander kommt es dabei weniger an. VI. Klasse. Die biblische Geschichte von der Schöpfung der Welt bis zum Tode David's. ^) Biblische Erzählungen für die israelitische Jugend. Bearbeitet von vr. Jakob Auerbach. Erstes Bäudchen. Mit einer Karte von Palästina. Zweite Auflage, Leipzig 1879. Zweites Bändchen, daselbst 1875.