Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1879
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9643684-3089718--0705-3090559- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 27 — von der Persönlichkeit des Lehrers ab. Nur derjenige Religionslehrer, welcher bei gründlichem Wissen in schlichter, herzerhebender Weise die Thatsachen der Offenbarung, die Glaubenslehren der betreffenden Confession in ihrer innigen Verbindung mit den Vorschriften der Moral, sowie die geschichtliche Entwicklung der Kirche nach ihren Hauptepochen und den hervorragendsten Trägern derselben, dem Gemüthe der Schüler nahe zu bringen und ihre innere Theilnahme dafür zu erwecken weiß, ist im Stande, seine hochwichtige Aufgabe zu lösen. Daß Vortrag und Beispiel des Lehrers in inniger Übereinstimmung stehen und sich gegenseitig heben und fördern müssen, ist bei keinem Unterrichtsgegenstand notwendiger, als bei dem der Religion." „Die Erfolge des deutschen Unterrichts sind nach dem Urtheile meines Commissars an verschiedenen Anstalten noch nicht befriedigend, an einzelnen mangelhaft. Obschon ich die Schwierigkeiten eines guten deutschen Unterrichts nicht verkenne, so scheint es doch, als ob die zahlreichen methodischen Winke, wie sie in den Verhandlungen von Directoren-Conferenzen und zahlreichen anderen Schriften und Aufsätzen enthalten sind, besonders jüngeren Lehrern, mehrfach fremd geblieben seien, und eine wiederholte methodische Durcharbeitung des Lehrstoffs nach Form, Inhalt und stufemnäßig ineinander greifender Gliederung in besonderen Fachconferenzen nicht überall gleichmäßig stattgefunden habe. Die BehandlungSwcise der Lesestücke war nicht selten eine rein äußerliche — grammatische, metrische, mechanisch wiedererzählende —; von dem logischen Momente der Darstellung, von Disposition und innerem Gehalt, wie solche durch eine wohl vorbereitete, planmäßige heuristische Behandlung den Schülern zum Vevständniß gebracht werden müssen, war oft keine Rede. Die sichere Aneignung einer bestimmten Zahl von poetischen Musterstücken wurde ' mehrfach vermißt. Den größten Mangel aber bekundeten die Schüler fast aller revidirten Anstalten nach der Wahrnehmung des Revisors in dem mündlichen deutschen Ausdruck. Abgesehen von den dialectischen Schwierigkeiten, die nur allmählich durch feste Gewöhnung an ein deutliches, genaues Aussprechen der einzelnen Buchstaben und Silben theilweise überwunden werden können, war die ganze Ausdrucksweise vielfach nicht recht gebildet, der Vortrag unbeholfen und zerstückt. Die letzte Silbe eines Wortes und die letzten Worte eines Satzes wurden regelmäßig verschluckt, was, verbunden mit einer gewissen trägen Sprechweise, die Antworten oft unverständlich machte. Diesem Mangel, der bei der Entwicklung unserer heutigen öffentlichen Verhältnisse für die Schüler später ein großes Hemmniß werden kann, muß die Schule mit allen Kräften steuern. Alle Lehrer müssen in dieser Beziehung ihre Stunden Zugleich als deutsche Stunden betrachten und der Sprach- und Vortragsweise der Schüler mehr Aufmerksamkeit zuwenden. Inwieweit regelmäßige gemeinsame Uebungen im Vortrag, wenigstens für die oberen Klassen, an den einzelnen Anstalten den gedachten Zweck zu fördern geeignet seien, ohne der Schönrednerei und dem Phrasenwerk Vorschub zu leisten, wolle das Königliche Provinzial-Schulcollegium den Lehrerconferenzen zu erwägen geben. Die Aufsatzthemata waren, soweit mein Commissar sie controliren konnte, meist sachgemäß an den übrigen Unterricht angeschlossen; nur vereinzelt fanden sich noch zu abstracte, ein unleidliches Moralisiren begünstigende Aufgaben. Daß die Dispositionen auf den oberen Klassen den Aufgaben vorangestellt werden, ist durchgängig zu fordern. Auch empfiehlt es sich für wenige bestimmte Gruppen von Fehlern bei der Correctur besondere den Schülern verständliche Zeichen zu wählen." „Bei dem Unterrichte in den fremden Sprachen hat mein Commissar an mehreren Anstalten eine feste und sichere Aneignung der Formen, der syntactischen Regeln und der dazu gehörigen Mustersätze vermißt, ein Uebelstand, der meist dadurch befördert wird, daß die Lehrer, statt die Masse der Schüler stets in gleichmäßiger lebendiger Thätigkeit durch rasche Fragen und Antworten besonders auf den unteren Klaffen zu erhalten, an dem Einzelnen haften und ihre Fragen ausschließlich an ihn richten, während