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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1883-01-01 · 1883 · page 14

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089720--0865-3090483
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— 15 - neuen Hospitals auf dem Bleichgarten, zwischen den Backöfen und dem Friedhofe, wurden mehrere Wohnhäuser für das Hospital gebaut, daneben wurde ein Federvieh-Schlachthof eingerichtet, hinter demselben ein Spritzenhaus. So blieb es auch, als nach Beseitigung der Stadtmauer mitsamt den drei Türmen und nach Ausfüllung des Rechneigrabens die Rechneigrabenstraße hergestellt wurde. Seit einem halben Jahrhundert aber hat sich alles verändert. Wo einst die Backofen standen, steht jetzt das stattliche Haus der Krankenkasse; auf dem Terrain des Holzplatzes und Gartens erhebt sich unser Schulhaus mit dem dazu gehörigen Neubau; sowohl das alte als auch das neue, 1715 erbaute Hospital sind beseitigt, an ihrer Stelle steht die neuerbaute Gemeiudesynagoge. Nur der Friedhof, „das ewige Haus" 2), hat allen Wechsel der Zeiten überdauert. Auch kommende Generationen werden noch auf ihn herabschauen; denn als, nach Ablösung aller darauf haftenden Gülten und Zinsen, die Überschreibuug des „alten Todtenhofes der Israeliten" — er umfaßt ein Areal von 5 Morgen 2 Viertel und 23,62 Ruthen oder 114 Ar — in dem Transscriptionsbuche auf den Namen der hiesigen israelitischen Gemeinde erfolgte, wurde festgesetzt, daß derselbe vom Jahre 1828 an hundert Jahre ruhig und unbenutzt zu verbleiben habe. III. „Die Grabschriften", sagt Zunz^) „sollten das Gedächtnis der Toten über die Zeit hinaus, in welcher die fromme Liebe der Verwandten und Verehrer sie errichtet, den Nachkommen erhalten, und der Besitz oder die Knude von diesen Denkmälern, reichten dieselben auch nur bis in das elfte Jahrhundert hinauf, würde für die so mangelhafte Familienkunde der Juden, selbst für Litteratur und Geschichte, einen unschätzbaren Wert haben. Aber mit kälterer Gleichgültigkeit, mit heißerem Fanatismus ist nichts zerstört, ausgerottet worden, als jüdische Leichensteine; was aus älterer Zeit in Europa, Asien und Afrika an zahllosen Orten von Grabdenkmälern der Art vorhanden war, hat man bald geflissentlich vernichtet, bald sorglos untergehen lassen. Freilich waren die gekauften Grabstätten nebst den Denksteinen das Eigentum der Einzelnen, und die für schweres Geld von Fürsten, Reichsstädten, Bischöfen erworbenen Begrübnisplätze Eigentum der Gemeinden: nichrs destoweniger hat man im dreizehnten Jahrhundert und später in Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland die Gräber entweiht und geplündert, „die heiligen Steine zum Schimpf auf die Straßen geworfen, die Gebeine der Gottesverehrer aus den Gräbern gerissen, und vor den Augen der Überlebenden die Leichen getreten und geplündert", (altes Synagogalgebet) oder nach Verjagung und Ermordung der Juden die Gottesäcker genommen, die Leichensteine zertrümmert und anderweitig benutzt. In ganz Deutschland namentlich sind zwischen dem vierzehnten und dem sechzehnten Jahrhundert Wälle, Grundmauern, Kirchen und Häuser mit so erworbenen jüdischen Leichensteinen ausgebaut worden." Bedenkt man dieses, so erkennt man sogleich die Bedeutung des hiesigen israelitischen Friedhofes, dessen Denkmäler bis in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts zurück reichen. ^)!) detk olsm; andere Bezeichnungen sind: „Das Gräberhaus", „das Haus des Lebens", „der Friedhof", „der gute Ort". Vergl. übrigens Zunz, Zur Geschichte und Litteratur I, 442. 2) Zunz, Zur Geschichte und Litteratur I, 395. 2) „Erweislich älter als das elfte Jahrhundert ist kein gegenwärtig noch vorhandener mit hebräischer Inschrift versehener jüdischer Leichenstein, und der älteste möchte der vom Jahre 1083 in Worms sein" Zunz 1. e. 394. Die Meinung, daß die Grabsteine unseres hiesigen Friedhofes in ununterbrochener Continuität vom 13. Jahrhundert an noch vorhanden sind, ist freilich ausgeschlossen. Es besteht die Tradition, der Friedhof sei fünfmal überschüttet worden; beglaubigte Nachrichten darüber habe ich nicht ermitteln können; daß man aber zu verschiedenen Zeiten verschiedene Teile des Friedhofes wirklich überschüttet habe, ergibt die Beschaffenheit des Terrains.

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