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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1883-01-01 · 1883 · page 12

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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IRI
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— 13 - wurde, alle im Dunkel der Nacht auf den Friedhof. „Wir wollen", riefen sie aus, „den Namen Gottes heiligen!" Sie legten Sterdegewäuder au; entschlossen, den Tod der Schande vorzuziehen, bereiteten sie sich mit dem lauten Bekenntnis ihrer Sündhaftigkeit und der göttlichen Gerechtigkeit für die letzte Stunde vor. Der Morgen kam heran. Man vernahm die Kunde, daß die Aufrührer unter sich uneinig geworden, die einen den Tod, die andern die Vertreibung der Juden wollten. Fettmilch selbst erschien auf dem Friedhofe und kündigte ihnen im Namen des Bürgerausschusses den Schutz auf. Der Rat aber hatte, unvermögend sie zu schützeu, beschlossen, ihnen die Flucht zu ermöglichen. So ward um die Nachmittagstunde des 2. September 1614 die Fischerfeldpforte geöffnet. Von hier aus gelangten die Flüchtigen an den Main, wo sie auf bereit gehaltenen Fahrzeugen teils stromaufwärts, teils abwärts entkamen, trauernd um den Verlust der Heimstätte und doch wieder froh des kaum uoch geretteten Lebens.') — Erst am 28. Februar 1616 nach Bewältigung des A ufstaudes fand die Rückkehr der Juden uud ihre förmliche Wiedereinsetzung in ihre früheren Rechte statt. ^) Im Jahre 1640 wurde eine Klage wegen des Durchgangsrechtes durch den Friedhof bei dem Rat anhängig gemacht. Ein hiesiger Bürger und Glaser namens Jopp hatte von dem Rat und Schöffen Oyer Christoph Völker einen an dem „Judeneck" gelegenen Garten gepachtet. Der Pächter, der am Atterheiligenthor wohnte, beanspruchte nun nicht bloß das Recht, durch die Pforte der Stadtmauer und den Friedhof, wozu er von dem Schöffen Völker den Schlüssel bekommen hatte, in den Garten gehen zu dürfen, sondern er beantragte zugleich, der Rat möge die Juden veranlassen, den „Ochsen" auf dem Friedhof abzuschasfeu oder einzusperren, damit man unbehelligt den Weg machen könne. Dementsprechend entschied auch der Rat. Die jüdischen Baumeister — so hießen die Gemeindevorsteher — aber, obgleich sie den Anordnungen des Rates zu gehorchen erklärten, machten geltend: „der Begräbuisvlatz, wie er jetzo in seinem Begriff und Gestalt ist, sei vor etlichen hundert Jahren von der Judenschaft allhie mit schweren Kosten erkaust", Herrn Völker, einem Rat und Schöffen habe man aus Ehrenbezeugung einen Schlüssel gern gegönnt als Vergünstigung, eine Gerechtigkeit dazu sei uicht vorhanden und müsse von dem, der sie beanspruche, nachgewiesen werden; sie baten also, der Rat möge erklären, „daß der der Judengemeinde eigentümliche Begräbnisplatz in altem Stand uud Form gelassen, die Schlüssel aber dem Zeugamt oder wem solche vertraut werden möchten, allein zugestellt werden; dagegen erbiete sich die Gemeinde, in Feuersnöthen oder anderm Nothfatt, wenn die Bürger sich auf die Wälle begeben müssen, den Begräbnißplatz willig zu öffnen uud den Gang zu befördern." In diesem Sinne wurde dann schließlich auch vom Rat entschieden. August 1640^. ') Schudt II, 87. „Unter dem großen Verlust ihrer Güter haben sie sonderlich beklagt die große Anzahl thnls rarer und kostbarer hebräischer Bücher so verbrannt sind, deren Verlust sie aus mehr als hunderttausend Reichsthaler schätzen" .....„Ob wir nun wohl uns über ihr Unglück nicht sreuen, so müssen wir doch vermuten, daß auch manches Lästerbuch mit verbrandt, welchem dann gantz Recht widerfahren." 2) Schudt III, 9 ff. das Vincenzlied. Kriegk, Geschichte von Frankfurt a. M., S. 347 ff. 401. 2) Aus den Akten des Stadtarchivs und aus dem im Archiv der israelitischen Gemeinde befindlichen Gemeindebuch I^ol. lO^a. Der „Ochs" aus dem jüdischen Friedhos „der Bchor" (d. i. der Erstgeborene) gab Anlaß zu dem Streit. Das biblische Gebot Dxoä. 13, 2. „Heilige mir alles Erstgeborene, was den Mutterleib erschließt, bei den Kindern Israel, beim Menschen wie beim Vieh, mein ist es" wurde auch von den Juden in der Diaspora, in Bezug aus das Vieh, in der Weise beobachtet, daß man sich jeder Benutzung der Erstgeborenen enthielt. Hier zu Frankfurt Pflegte man sich dessen in der Weise zu entänßern, daß man es aus dem ummauerten Bezirk des Friedhofes weiden ließ.

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