Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1883-01-01 · 1883 · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9643684-3089720--0856-3090474
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 6 — sinnigen Geschichtsforscher oft gelingt, undatierten Urkunden das ihnen gehörende Datum zu geben, so verstand er es, für die in seinen Bereich gehörenden, beziehunglos überlieferten Mitteilungen die Stellen der heiligen Schrift zu bezeichnen, an die sie sich anlehnen. Er ordnete das mit staunenswertem Fleiß nnd Scharfsinn gesammelte Material überall mit genauer Quellenangabe nach den Büchern der heiligen Schrift, zu welcher sein Werk — das er <lalknt, d. h. Sammlung, betitelte — eine durchaus eigenartige, lehrreiche, seitdem unaufhörlich benutzte Erläuterungsschrift darbietet, abwechselnd teils Homilie, teils Commentar.^) Die Thatsache, daß ein so hervorragendes litterarisches Produkt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts einen Frankfurter zum Verfasser hat,2) beweist zweifellos, daß mindestens schon im 12. Jahrhundert und wohl auch schon früher eine jüdische Gemeinde hier existiert hat. Sie hat existiert, obgleich ihrer vor dem Jahre 1241 nirgends Erwähnung geschieht, und so ist die Überlieferung von der Existenz eines israelitischen Friedhofes innerhalb des alten Judenquartiers wegen Mangels zeitgenössischer Berichte nicht ohne weiteres zu verwerfen. Wir wollen keinen besonderen Wert auf die Mutmaßung legen, daß bei den ältesten Erwähnungen des jetzigen alten Friedhofes die Bezeichnung „der Friedhof außerhalb der Mauern" (e/miterium extra iuuro8) auf einen Friedhof innerhalb der Mauern schließen lasse, wohl aber fällt es ins Gewicht, daß dort, innerhalb des alten Judenbezirkes, in der Nähe der ehemaligen Synagoge, welche an der Stelle stand, wo heute das Archivgebäude sich befindet, in der Tiefe Grabsteine gefunden worden sind.^) Drei Trümmer solcher Grabsteine bewahrt das städtische Archiv. Die Bruchstücke ihrer hebräischen Inschriften enthalten einige lesbare und verständliche Wörter, leider aber kein Datum; die Schrift weist auf ein weit zurückliegendes Jahrhundert; sie hat Aehnlichkeir mit der der ältesten Grabsteine unseres Friedhofes aus dem 13. Jahrhundert, sie mag aber auch älter sein. II. Mörderische Judenverfolgungen Pflegen im Mittelalter auch von der Vernichtung der jüdischen Grabstätten begleitet zu sein. Die Judenschlacht des Jahres 1241, die einzige von Frankfurter Bürgern ausgegangene Judenverfolgung, trug den Charakter eines Vernichtungskampfes: wie man die Gemeinde ausrottete, die Thorahrollen zerriß, zwei Lehrhäuser vernichtete, die Synagoge zerstörte/) so wird man auch die Gräber der Toten nicht verschont haben. Als sich dann in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hier wieder eine jüdische Gemeinde sammelte, erscheint der jetzige alte Friedhof als ihr Begräbnisplatz. Er lag außerhalb der damaligen Stadtmauer und jenseits des alten Stadtgrabens, auf freiem Felde, von Bleichgärten begrenzt. Er war schon früh von einer Mauer umgeben, und es standen ein paar Häuser auf demselben, davon das eine wahrscheinlich zur Waschung 1) Eine eingehende Charakteristik des Werkes siehe bei Zunz, Gottesdienstliche Vorträge S. 295, 303 und Horovitz, Frankfurter Rabbiner I, 2—5 und S. VI. 2) Vergl. Zunz 1. e. Auch Ranke, Weltgeschichte III 2, 27, setzt die Abfassung des Jalkut in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. 2) Battonn, Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt a. M. hrsg. v. Euler III, 357 in der Beschreibung der Häuser auf der Südfeite des Garküchenplatzes erwähnt bei dem Hause I^it. öl. No. 10. „Drei Säukopf" genannt: „1791 entdeckte man vor dem Brunnen einen Stein, darauf eine alte hebräische Grabschrift eingehauen war." 4) Trauergesänge für den 9. Ab 1. e. oo. 43.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.