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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1883-01-01 · 1883 · page 4

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Die älteste Nachricht über die Juden in Frankfurt ist der Bericht der Erfurter Annalen über die sogenannte Judenschlacht des Jahres 1241. Sie lautet: „In selbigem Jahre wurde in der Königlichen Stadt Frankfurt der Sohn eines Juden, welcher die christliche Taufe zu empfangen verlangte, von seinen Eltern und Freunden daran gehindert. Es brach deshalb ein Streit zwischen Christen und Juden aus, und am 24. Mai wurde gewaltig gekämpft. Kurz, es wurden von den Christen wenige, von den Juden ungefähr 180 durch das Schwert und durch das Feuer, das sie in ihren eigenen Häusern angelegt hatten, hingerafft. Da nun die übrigen Juden sahen, daß ihnen Todesgefahr drohe, so sind sie getauft worden, vierundzwanzig an der Zahl; unter ihnen soll auch ihr Bischof gewesen sein." Das Datum der Schlacht und die Zahl der Getöteten werden durch gleichzeitige jüdische Berichte bestätigt. ^) Nimmt man hinzu, daß außer den 180 in der Schlacht getöteten und den 24 getauften Judeu viele dem Tode durch die Flucht entronnen sind/) so bestand die hiesige jüdische Gemeinde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus weit über 200 Seelen. Eine solche Gemeinde bildet sich nur nach und nach, und nicht sogleich erwächst aus ihrer Mitte ein Heros. Als ein Frankfurter aber wird uns einer der hervorragendsten Gelehrten des jüdischen Mittelalters, R. Simeon Ha-Darschan, genannt, der spätestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein Werk verfaßte, welches lediglich unter litterarischen Impulsen entstehen konnte, wie sie nur andauernd friedliche Zeiten zu gewähren pflegen. Etwa wie der weitaus verdienteste Frankfurter Geschichtsforscher Johann Friedrich Böhmer in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts die in den entlegensten Werken und Archiven zerstreuten Kaiserurkunden zum erstenmale in seinen für die mittelalterliche Geschichte grundlegenden Regestenwerken in meisterhaft gefaßten Inhaltsangaben vereinigte, so schuf jener jüdische Frankfurter Gelehrte R. Simeon Ha-Darschan in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein Sammelwerk, in welchem er die in dem Talmud und in dem übrigen jüdischen Schriftentum zerstreuten Midraschim, d. i. Deutungen und Forschungen, zusammentrug, Deutungen der heiligen Schrift, wie sie seit uralter Zeit auf jüdischem Boden erwachsen waren, Parabeln, Legenden, Sprüche, die sich an das Bibelwort anlehnen. Wie es dem gelehrten und scharfder lebhaften Verbindung Erfurts mit feiner Metropole Mainz her. skr. Wattenbach, Deutschlands Gefchichtsquellen im Mittelalter 4. Aufl. II, 281. Dieselben Annalen bringen auch Bericht über die Judenverfolgung in Fulda vom 28. December 1235. ^.nn. Drpkoräisnsss N. 88. XVI, 34. Loäsva «.Quo (1241) in villa rs^ia I'raiiksQSvurt ouwsciam ^uäsi ülius enristians üäsi baptisinava 8nseipsrs äs8iäsraQ8, a pÄrsQtidns st awieis prvkikitus sst. Huaproptsr sltsreations intsr edri8tianc>8 atyus ^näsos sxorta, 9 Tal. ^uvii valiäs intsr ipsos äiinieatuoa sst. 1'ariäsm paueis edristiavis 0cci8i8 ^näsoi-um eireitsr 130 Alo.äio st i^ns, c^nsm proprio ävmidus iraposusi-aiat ec>Q8Nwpti sunt. Ipso^us i^ns post dse ivva1s8esntSz msäia t'srs pnrs siusäsiu civitatis est eoverswata. Viäsvtss itaczus rsli^ui ^uäsorum sidi mortis imminsrs psrieulum, dn.pti2g.ti sunt Qnwsro 24, intsr cznos stiam ipsornoa Hniäaw spiseopus ersüitur sxstiti8ss. 2) In dem von kaddi Noss8 Ha-Lonsv. verfaßten Klagegesange, welcher noch jetzt in allen Synagogen mit deutschem Ritus am 9. ^.d vorgetragen wird (Kinoth für tisonak-dsad sä. 8. Laer Rosäslksim 1882 vo. 43) heißt es: Mit dem Anfang des 6. Jahrtausends der Schöpfung am 13. des Gesetzmonats (8i-wAu) an einem Freitag (den 24. Mai 1241) kam das'Unglück, und die heilige Synagoge wurde zerstört .... mehr als 173 der armen Bestürmten wurden erschlagen und verbrannt." Vergl. H. Grotefend, die Frankfurter Judenschlacht von 1241. Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichre und Altertumskunde in Frankfurt a. M. VI, 60 ff. In der gleichzeitigen Aufzeichnung des Mainzer Gedächtnisbuches sind 159 Märtyrer, die in der Judenschlacht den Tod gefunden haben, mit Namen angeführt. Siehe Horovitz 1. e. 45, wo die Namen aus dem Original mitgeteilt sind. 2) Horovitz I. c nimmt mit Recht an, daß von den durch die Flucht dem Tode Entronnenen wohl das Verzeichnis der Märtyrer im Mainzer Gedächtnis-(Memorien-)buche und das erwähnte Klagelied herrühren.

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