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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1877-01-01 · 1877 · page 11

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089710--0629-3090434
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— 12 — Alterthum zu eröffnen, kann nicht behauptet werden. Die Realschule zweiter Ordnung muß sich allerdings bewußt bleiben, daß sie bei der Unmöglichkeit, das Lateinische zu lehren, ein sehr wichtiges Bildungsmittel entbehrt und muß bemüht sein, dasselbe zu ersetzen. Sie hat aber auch bei den von ihr zu Pflegenden Unterrichtsfächern die Möglichkeit dazu. Sie wird zunächst auf die grammatische Durchbildung ihrer Schüler nicht verzichten. Sie lehrt deutsche Grammatik, aber sie erleichtert und vertieft deren Verständniß durch den Unterricht im Französischen. Bei dem Erlernen dieser Sprache weist sie die sogenannte practische Methode von sich. So hoch sie den Werth des Französischsprechens anschlägt und so sehr sie die Schüler in zunehmender Steigerung von Stufe zu Stufe darin übt, so betritt sie doch beim Erlernen des Französischen keinen andern Weg als den, der durch gründliche Erlernung der Grammatik zur Herrschaft über die Sprache führt. Nicht wenige Eltern halten diesen Weg für einen Umweg und rühmen noch immer die Methode, die mit dem Parliren anfing, rasch mitten in die Sache hineinführte und Sprachfertigkeit erzielte. Sie sind aber im Jrrthum und verkennen ganz die Ausgabe der Schule. Die Schule will nicht zu gewissen Fertigkeiten abrichten, sie will bilden, sie will Menschen erziehen, die nicht gedankenlos, sondern mit Ueberlegung sprechen, die von ihrem Thun sich Rechenschaft geben. Die Sprache ist der Ausdruck des Denkens. Die Schule kann und darf sich bei dem Sprachunterricht den Vortheil nicht entgehen lassen, der für die EntWickelung der Klarheit und Schärfe des Denkens daraus zu gewinnen ist. Indem sie den grammatischen Weg betritt, führt sie ihren Zögling durch Schulung seiner Denkkraft um so sicherer zur Herrschaft über die Sprache. Eine grammatische Durchbildung wird aber durch das Erlernen einer fremden Sprache leichter und gründlicher erzielt als durch das Erlernen der Muttersprache. Sich selbst zu beobachten und zu beurtheilen ist dem Menschen nicht so natürlich und nicht so leicht wie die Beobachtung und Beurtheilung der ihn umgebenden Dinge und Menschen. Die Muttersprache ist ein Stück von uns selbst. Es ist das unauflöslichste aller Wunder, wie dem Kinde unbewußt der Ausdruck kommt für den Begriff. Die Sprache wächst so zu sagen mit ihm, es wird ihrer Herr, es weiß nicht wie. So fern es dem Kinde liegt über sich selbst zu reflectiren, so schwer wird ihm das Erlernen der Grammatik der Muttersprache. Anders aber gestaltet es sich mit der fremden Sprache. Zu dem Begriffe, den das Kind schon hat, lernt es das Wort als etwas Neues, Unbekanntes, lernt es die Abwandlungen und Formen des Wortes. Es will den Satz, den es liest, verstehen, es wird dazu angeleitet ihn in seine Bestandtheile zu zerlegen. Indem es das thut, vollzieht es eine wichtige Handlung, es zerlegt einen Gedanken in seine Elemente und verbindet diese wieder. Diese Uebung steigert sich bei dem Bemühen eine Periode zu verstehen. Der Schüler wird genöthigt den Sinn jedes einzelnen Wortes sich klar zu machen, die Verbindung der Satztheile unter sich und der Sätze mit einander aufzusuchen, um zum Verständniß des Ganzen durchzudringen: jede Willkür ist ausgeschlossen, er muß der Gedankenreihe des Autors, den er liest, folgen. Das zwingt zum logischen Denken und ist ein unvergleichliches Bildungsmittel des Geistes. Je mehr eine Sprache zu logischer Schärfe ausgebildet ist, desto mehr ist das Erlernen derselben geeignet die Denkkraft zu schärfen. Die lateinische Sprache hat diese Eigenschaft in besonders hohem Grade, aber sie fehlt auch der Sprache unseres klar und scharf denkenden französischen Nachbarvolkes mcht. In der Hand eines geschickten, wissenschaftlich durchgebildeten Lehrers kann die fran^

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