Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- 13 — zösische Sprache zu einem vorzüglichen Bildungsmittel des Geistes werden. Sie kann in der Realschule zweiter Ordnung für die formale Bildung das Lateinische ersetzen. Und je sicherer die grammatische Grundlage ist, die in der Schule gewonnen wird, desto leichter wird dann schließlich auch der praktische Zweck, die Sicherheit im richtigen Schreiben und Sprechen erzielt. Das Verständniß des Zusammenhanges unserer Cultur mit dem Alterthum muß durch einen angemessenen Geschichtsunterricht, durch den Unterricht in der Religion und im Deutschen vermittelt werden. Es empfiehlt sich ja ohnedies den Geschichtsunterricht bei reiferen Schülern durch Mittheilungen charakteristischer Abschnitte aus Quellenschriften zu beleben. An der Realschule darf es nicht versäumt werden, dieses besonders bei dem Unterricht in der alten Geschichte in den oberen Classen zu thun. Mit den erforderlichen Einleitungen und Erläuterungen können dort Abschnitte aus Herodot, Thucydides, Xenophon, ebenso aus Cäsar, Cicero, Livius, Sallust und aus der Germania des Tacitus vorgelesen werden, es kann dafür gesorgt werden, daß eine Bearbeitung des Herodot von den Schülern selbst gelesen werde. Die Odyssee in einer guten Übersetzung kann in Secunda, ebenso eine Auswahl gut übersetzter griechischer und lateinischer Dichtungen in der obersten Classe gelesen werden. Vor der Meinung, daß sie damit Kenner des Alterthums geworden sind, wird der Lehrer seine Schüler in dem Maße schützen, als er in ihnen durch die ganze Behandlung seines Gegenstandes Ehrfurcht vor den Schöpfungen des antiken Geistes zu wecken und ihren Bildungstrieb zu nähren versteht. Bringt er es überhaupt durch seinen Unterricht dahin, daß sie das Bedürfniß weiterer Belehrung davon tragen, daß sie Freude gewinnen an historischer Lectüre, daß sie mit wachsender Reife Empfänglichkeit und Verständniß haben für unsere gediegene historische Literatur, daß sie etwa ein Buch wie Mommsens römische, Curtius griechische Geschichte, Rankes Päpste und andere Werke dieses großen Geschichtsschreibers lesen, dann wird die historische Bildung solcher aus der Realschule hervorgegangener Schüler ihnen den Blick über den Zusammenhang der menschlichen Dinge öffnen und sie vor Oberflächlichkeit bewahren. Und was vermag nicht der Religionsunterricht auch hierin zu bieten! Welch einen Schatz für das Leben kann er den Schülern geben, wenn er sie zum Verständniß der Bibel anleitet und sie dahin führt, daß sie zu dem Buch der Bücher wie zu einem vertrauten Freund in jeder Lage des Lebens ihre Zuflucht nehmen! Man begreift wie, von dem Mittelalter zu schweigen, noch bis in das achtzehnte Jahr^ hundert hinein die griechischen und römischen Autoren eine durch nichts zu ersetzende Schullectüre bildeten. Seit aber Lessing, Göthe und Schiller aufgestanden sind, sind uns auf heimischem Boden auch für den Schulunterricht, für die Erhebung und Veredelung der heranreifenden Jugend unvergleichliche Schätze erwachsen. Man weist mit Recht darauf hin, daß die Lectüre der alten klassischen Autoren auf den Gymnasien durch das Vorhandensein eines ausgezeichneten Apparates für ihre grammatische und sachliche Behandlung dem Lehrer wesentlich erleichtert wird und daß diesem Unterrichte dadurch bis zu einem gewissen Grade ein Erfolg immer gesichert ist. Wie weit aber wird dieses alles überragt durch die Mittel, die wir haben, die klassischen Werke unserer großen Dichter dem