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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1877-01-01 · 1877 · page 4

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089710--0622-3090427
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Freilich sind diese Wirkungen bei uns im Gegensatz zu den romanischen Völkern nicht von der römischen, sondern von der griechischen Literatur ausgegangen. Allein auf dem Gebiete der Wissenschaft blieb die Pflege des römischen zum mindesten gleichberechtigt neben der des griechischen Alterthums. Es konnte nicht anders sein, als daß die ungemeine Bedeutung, welche die griechische Poesie und Kunst auf die EntWickelung unserer Nationalliteratur gewann, wiederum belebend zurückwirken mußte auf die philologischen Studien. Diese entfalteten sich in unserm Jahrhundert gerade unter den von den Heroen unserer klassischen Poesie ausgehenden Anregungen zu einer ungeahnten Blüthe, und die Leistungen aus diesem Gebiete haben nicht zum Wenigsten zum Ruhme der deutschen Wissenschaft beigetragen. Bei einem so tiefen, unsere ganze Geschichte durchziehenden Zusammenhange unserer gesammten Bildung mit der antiken Welt wird den klassischen Studien im Geistesleben der deutschen Nation immer ein hervorragender Platz eingeräumt bleiben. Es ist die vornehmliche Aufgabe unserer Gymnasien, in diese Studien einzuführen, die in ihnen liegenden Bildungsmittel zu Pflegen und zu verwerthen. Lange waren bei uns die lateinischen Schulen und die aus denselben hervorgegangenen Gymnasien die einzigen höheren Unterrichtsanstalten. Sie wurden nicht blos von denen besucht, welche sich sür eine wissenschaftliche Laufbahn vorbereiteten, sondern von allen, welche eine höhere Bildung erstrebten. Neben der bildenden Kraft, welche dem Studium der alten Sprachen inne wohnt, war gerade der Umstand, daß man, was man dort lernte, nicht unmittelbar praktisch verwerthen konnte, für die sittliche Erziehung von Bedeutung. Man lernte um der Sache, nicht um des praktischen Nutzens willen, und dieses gab dem Jüngling eine ideale Richtung, sicherte dauernd die Theilnahme für die idealen Interessen des Lebens. Ungemein groß ist darum das Verdienst der Gymnasien um die Bildung der Nation. Aus ihnen sind die Männer der Wissenschaft, die Träger des geistigen Lebens, die leitenden Männer im Staat und in der Gesellschaft hervorgegangen. Nichts ist natürlicher, als daß sich die Ueberzeugung festsetzte, daß der Weg zur wahren Bildung einzig und allein durch das Gymnasium führe. II. Im Fortschritt der Zeit aber stellten sich der philologisch-historischen Wissenschaft die Mathematik und Nawrwissenschast ebenbürtig zur Seite, ja sie traten immer mehr in den Vordergrund. Niemals in der That hat sich der Forschungstrieb der Menschen diesen Wissenschaften mit größerer Liebe und Energie und zugleich mit größerem Erfolge zugewandt wie in unserm Jahr- ' hundert, und auf keinem andern Gebiete der Wissenschaft haben die Ergebnisse der Forschung die Erkenntniß in dem Maße erweitert und zugleich die Wohlfahrt der Menschen so unmittelbar gefördert. Sie haben dem Menschen die Herrschaft über unermeßliche Kräfte in die Hand gegeben, auf dem Gebiete des Handels und der Industrie haben sie die wohlthätigsten Revoluttonen hervorgebracht, kaum giebt es einen Zweig menschlicher Thätigkeit, der nicht von ihnen beeinflußt wäre. Wie ein Fremdling steht in unseren Tagen derjenige da, dem die Möglichkeit der Orientirung auf diesen Gebieten nicht gegeben ist.

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