Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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— 13 - störungssüchtigen Plänen zu Gute kommen, nur mußte vorerst Nehemia, der ihnen so sehr gewachsene Gegner, aus dem Wege geräumt werden. Er wurde zu diesem Zwecke von Sanballat und Geschem zu einer Zusammenkunft nach Kefirim eingeladen, ließ ihnen aber in ganz officiellem Tone, als ob er nichts Arges vermuthete, sagen, er sei jetzt zu sehr von einem großen Werke in Anspruch genommen, welches ohne Nachtheil keinen Verzug erleiden könne und sie würden es wohl selbst einsehen, daß er bei dieser Sachlage nicht abkommen könne. Indessen war es ihm nicht unbekannt, daß sie seine Ermordung im Schilde führten. Noch dreimal erhielt er dieselbe Aufforderung und dreimal gab er dieselbe Antwort. Hierauf erhielt Nehemia von Sanballat ein offenes Schreiben, worin die Verleumdung in rücksichtslosester Frechheit auftrat. Er hörte, hieß es darin, daß die Juden gegen die persische Herrschaft sich aufzulehnen gedenken und daß er, Nehemia, zum Könige sich wolle ausrufen lassen, darum sollte er ja, bevor davon dem Könige von Persien eine Meldung gemacht werde, sich zu einer Besprechung mit ihm einfinden. Nehemia aber wies eine solche Zumuthung mit gebührender Entrüstung zurück, er war zu stolz und zu maßvoll, um sich in eine Conspiration mit dem ränkevollen verräterischen Sanballat einzulassen. Auch unter den Juden gab es damals viele, die mit Sanballat und den Feinden Nehemias gemeinsame Sache machten und die als Werkzeuge dienen sollten, um sich seiner zu entledigen. Feile, falsche Propheten traten auf, welche ihn veranlassen sollten, in's Innere des Tempels zu entfliehen, um den Nachstellungen zu entgehen, damit dadurch an ihm der Schein der Schuld desto sicherer hafte, und um ihn zugleich in den Augen des Volkes als einen Gesetzesübertreter hinzustellen. Doch alle Pläne und Versuche scheiterten an der Einsicht, Umsicht und Vorsicht dieses klugen, ehrlichen thatkräftigen Mannes, alle Pfeile, gegen ihn abgedrückt, brachen an seiner felsigen Brust, unter der ein edles biederes Herz geschlagen. Jetzt erst, nachdem die Feinde verstummt und erschlafft waren, konnte die alte Thätigkeit Esras im Vereine mit Nehemia von Neuem wieder aufgenommen werden. Die Mauern der Stadt wurden eingeweiht, die Feste in öffentlicher Volksversammlung begangen. Esra selbst, unterstützt von Priestern und Leviten, las am ersten des Tischri auf einer eigens zu diesem Zwecke errichteten Rednerbühne aus dein Peutateuche vor, dessen Inhalt in die Volkssprache übertragen und erklärt wurde. Alle Anwesenden erhoben sich aus Ehrfurcht vor dem heiligen Buche des Gesetzes, Thränen entströmten den Augen der Zuhörer, die es jetzt erst so recht einsahen, wie weit sie abgewichen von den Lehren der Väter, wie die Propheten vergebens in ihren Reden auf das reine Gold der eigenen Lehre hingewiesen, das sie gegen eitle, wahnhafte, erborgte Flitter vertauscht hatten. Aufgefordert vom Trauern zu lajjen und sich der Festesfreude hinzugeben, kam das Volk am nächsten Tage wieder, wobei auf das kommende Laubhüttenfest die allgemeine Aufmerksamkeit gelenkt wurde. Am vier und zwanzigsten Tage desselben Monats wurde ein Fasttag gehalten. In erhabenen Zügen zog da die Geschichte der Vergangenheit an des Volkes Seele vorüber, es wurde zur strengen Feier der Sabbate und Feste aufgefordert, das Sabbatjahr sollte von nun ab regelmäßig eingehalten werden und jeder -Jude durch eine Tempelsteuer seine dauernde Anhänglichkeit und Zugehörigkeit zur Gemeinde bekunden, nach Jerusalem, das noch wenig bewohnt war, sollte der zehnte Theil der Bevölkerung übersiedeln, und mit verschärfter Strenge wurde wiederum