Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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- 12 — Sanballat der Choronite und Tobia der Anunonite, denen Nehemia ein ungelegener, unangenehmer Gast gewesen sein mußte, von allen Plänen lind Absichten desselben aufs Genaueste unterrichtet. Von Neuem wurde ihr Neid angestachelt, ihr Groll zu verderblichem Hasse angefacht. Spott und Verdächtigungen wurden jetzt gegen die Juden geschleudert und wiederum die boshafte Behauptung ausgesprengt, der Aufbau Jerusalems gliche einer offenen Empörung gegen den König. Zunächst und zuvörderst sollte das jüdische Volk selbst durch solche Schmähreden eingeschüchtert und abgeschreckt werden, um sich an dem aufrührerischen Werke nicht zu betheiligen, das die Strafe aller Derer, die Hand daran legten, nach sich ziehen würde, zugleich aber nochmals ein ernster Versuch gemacht werden, eine Vereinigung mit den Juden zu erzielen. Doch die Samaritaner und ihre Anhänger hatten sich zu sehr in eine Verrätherrolle gegen die Juden eingelebt, als daß eine Verbindung mit ihnen von Seiten der wahrhaft jüdisch gesinnten Männer hätte gebilligt werden können. Mit zuversichtlichem Bewußtsein, stammend aus dem felsigen Grunde eines ehrlichen selbstlosen Charakters, ließ ihnen Nehemia bedeuten, daß durch die Hülfe Gottes und durch den Fleiß seiner Diener das Werk werde rasch und rüstig von Statten gehen, sie aber sollten nicht Recht und Theil und Andenken an Jerusalem haben. Die Feindschaft der Samaritaner gegen die Juden wurde von Tag zu Tag bitterer, ihre Nachstellungen nahmen einen immer gefährlicheren und bedrohlicheren Charakter an. Um den in ihren Herzen brennenden Haß zu löschen, trösteten sie sich mit eitlen Einbildungen: „Kann man Steine aus Schutthaufen wieder lebendig machen, da sie doch verbrannt sind?" meinte Sanballat. „Sie mögen bauen, wie sie wollen, wenn ein Schakal dagegen anrennt, bricht er ihre steinernen Mauern durch" rief spottend Tobia. Doch da Hohn und Verrath nichts ausrichteten und die Mauern zusehends in die Höhe wuchsen, beschlossen die Samaritaner zu dem letzten Mittel, zur Gewalt, ihre Zuflucht zu nehmen und plötzlich einen Angriff auf die Bauenden zu machen und die Mauern zu zerstören. Unbemerkt und verstohlen gedachten sie in die Stadt einzufallen und alle Arbeiter niederzumachen. Nehemia erhielt aber noch rechtzeitig von diesen geheimen Plänen durch unter den Samaritanern wohnende Juden Kunde und Winke, wodurch er sich veranlaßt sah, sofort Vorsichtsmaßregeln zu treffen, auf allen wichtigen Punkten Wachposten aufzustellen, was wenigstens den Vortheil brachte, daß die Samaritaner einen augenblicklichen Ueberfall nicht wagen konnten. Ein Theil der Bauenden stand mit den Werkzeugen der Arbeit in der Hand, ein anderer mit Schwert und Schild und Lanz' uud Bogen bewaffnet, bereit alle feindlichen Angriffe abzuwehren und zurückzuschlagen. Unter dem Schutze der Waffen und der Gefahrsignale, die rechtzeitig auf jeden feindlichen Ueberfall aufmerksam machen sollten, wurde bei der unermüdlichen Thätigkeit der Arbeiter, die mit dem Morgenroth ihr Werk begannen und bis in die späte Nacht bei Sternen- und Lichterglanz dasselbe noch fortsetzten, der Bau bald so weit zu Ende geführt, daß keine Lücke in demselben mehr zu sehen war. Abermals suchten die Samaritaner durch einen schlauen Handgriff das mit so vielen und schweren Hindernissen vollendete Werk zu vernichten. Der kleine Umstand, daß die Flügel der Thore noch nicht angebracht waren, sollte ihren zer-