Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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— 8 — muthigem, kräftigem Vorwärtsgehen auf der einmal betretenen Bahn anfeuerten. Diese Regsamkeit auf Seiten der Juden, die mit neuem Eifer den Bau des Tempels fortsetzten, veranlaßte wieder die Samaritaner, den Stadthalter diesseits des Stromes Thatnai und Star-Bosnai zu bewegen, wie früher unter Cyrus und Cambyses, wieder gegen den Bau des Tempels Beschwerde und Klage zu erheben und den Juden in ihrer Thätigkeit Hemmungen und Hindernisse zu bereiten. Doch waren jetzt die Feinde vorsichtiger in ihren Eingaben, ruhiger und leidenschaftsloser in ihren Befehlen, denn es konnte ihnen nicht entgangen sein, daß die erhöhte Thätigkeit und der vermehrte Eifer der Juden auf einer am Hofe des Königs Darius für sie günstigen Strömung beruhe. Thatnai und Star-Bosnai begnügten sich vorerst mit einem Verhöre, das sie mit den Bauenden vornahmen, deren Namen sie sich angeben ließen, wodurch ihnen Auskunft darüber werden sollte, auf Grund welcher Erlaubniß denn eigentlich die Juden den Bau des Tempels überhaupt unternommen hätten, ohne sie, wie dies früher geschah, jetzt weiter in ihrem Werke zu stören. Die Angaben der Juden, die sich auf ein Edict des Cyrus beriefen, wurden von Darius bestätigt und durch eine im Staatsarchive aufgefundene Urkunde bekräftigt. Die verleumderischen Angaben hatten die entgegengesetzte Wirkung gehabt, daß die Unterstützung zum Tempelbau von Seiten des Königs Darius eine größere und reichere wurde. Am 3. — nach Josephus am 23. — Adar des Jahres 516 wurde der vollendete Tempel eingeweiht und bald darauf das Passah-Fest feierlich begangen. So war denn trotz aller Hindernisse, trotz aller Verdächtigungen und Verleumdungen, durch muthiges, unverdrossenes Ausharren in dem einmal Begonnenen, wie durch glückliche Abwehr aller Feinde der Tempel zu Jerusalem aufgeführt, welcher ein neuer, geistiges Leben ausstrahlender Mittelpunkt werden sollte für die Juden in und außer Palästina. Der Hohepriester hatte durch den neuen Tempel festen Boden gewonnen, er ist jetzt eine unentbehrliche Persönlichkeit zur Organisation und Leitung des Gottesdienstes geworden, während Serubabel der beständige Anlaß zu Verdächtigungen gewesen sein mochte, als wollten die Juden unter diesem Abkömmlinge aus dem Hause Davids ein neues selbständiges Reich bilden. Die beiden Oelbäume (Zacharia 4, 14) scheint das Feuer der Zwietracht ergriffen zu haben, das sich auch dem Volke mittheilte, welches in eine Priester- und Königspartei auseinanderging und von dem auch die beiden Propheten Chaggai und Zacharja nicht ganz unberührt geblieben sind. Serubabel hat sich vielleicht in Folge von Streitigkeiten vom Schauplatze seiner Thätigkeit zurückgezogen, um nicht den Anklagen und Verleumdungen durch seine persönliche Anwesenheit, neuen Stoff und willkommene Nahrung zu geben. Doch auch nach dem Abgange Serubabels und nach dem Tode des Darius wurden Anklagen gegen die Juden an dessen Nachfolger Xerxes gebracht, womit auch die judenfeindliche Bewegung in Persien und Medien unter diesem Könige in irgend welchem Zusammenhange stehen mag. Wiederholt wurde von den Samaritanern und ihren Genossen auf den großen Schaden und Nachthell hingewiesen, der dem persischen Staate aus dem Aufbaue der Stadt Jerusalem und seiner Mauern erwachsen müsse. Die Lage der Juden war damals eine sehr traurige, und gewiß