Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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kehr der Gefangenen nach ihrer Heimat sollt sich verwirklichen, die heiße Sehnsucht nach Jerusalem bald gestillt werden. Cyrus, dem die Juden bei der Eroberung Babels gewiß große Dienste geleistet hatten, konnte sich gegm dieselben nicht dankbarer erweisen, als wenn er ihnen die Heimkehr nach Jerusalem i:.-d den Aufbau des Tempels daselbst gestattete, zumal er als der durch die Propheten verheißene Gesalbte Gottes bezeichnet wurde und es ja noch zudem, vom staatsmännischen Standpunkte aus betrachtet, für ihn nur vom Nutzen sein konnte, an der Gränze Aegyptens ein zu Dank verpflichtetes Volk zu haben, das noch überdies mit den Landesverhältnissen, die dem Chrus ziemlich fremd und unbekannt sein mußten, so außerordentlich genau vertraut war. Ein neuer Frühling erwachte auf Judas Gefilden, die alten Zionsharfen wurden wieder hervorgeholt, die lange versagt, weil der Schmerz ihre Saiten durchrissen; wie ein Traumbild zog die erlangte Freiheit an der Seele des Volkes vorüber, als es unter Liedern der Freude und des Dankes hinauf wallte nach Jerusalem, der heiligen Stadt. Josua, ein Enkel des letzten Hohenpriesters Serajah, den Nebukadnezar hinrichten ließ, und ein Nachkomme Jojachins, Serubabel der Sohn Schealtiels, standen an der Spitze der heimkehrenden Juden. Im Norden trafen sie die Samaritaner an, die den Neuankommenden manche Landesgebiete, in denen sie sich früher ungestört hatten niederlassen können, abtreten mußten, wie denn auch von ihren Abgaben auf Befehl des persischen Königs so manche Ausgaben der Colonisten sollten bestritten werden, und im Süden die Jdumaeer. Die Paschas von Abar Nahara — dem Lande jenseits des Euphrat — waren angewiesen, die Juden in ihrem Vorhaben zu unterstützen, ihre Unternehmungen zu fördern und ihnen die vom Könige zugesagten Gaben zu verabfolgen. Im Festesmonat Tischri 537 wurde ein Altar von Stein aufgerichtet, damit der Gottesdienst sogleich eingeführt werden könne. Sodann wurde mit der Organisation des Tempelstandes der Anfang gemacht, die Vertheilung der Dienste eingeleitet und auf eine feierliche Weise der Grundstein zu einem neuen Tempel gelegt. Erinnerung und Hoffnung, Wehmuth und Wonne, Jubel und Trauer gaben sich in den hier laut werdenden Nationalgefühlen kund und flössen in einander. Die traurigen Bilder der Vergangenheit, Leichenfelder, Ruinen, verödetete Landstriche, wie sie die babylonischen Kriege geschaffen hatten, tauchten da im Geiste auf, aber das hoffende Kerz sah schon in nicht ferner Zukunft die Zinnen des Tempels hervorragen, die Mauern der Stadt sich erheben, das La«d wieder prangen in alter Blüthe und Herrlichkeit. Doch die Klänge der Posaunen, die bei der Grundsteinlegung ertönten, weckten den Haß der Samaritaner gegen die Juden. Im Verkehre mit den Satrapen und Völkern von Abar Nahara stehend, wußten sie genau, welcher Vergünstigungen sich die Juden von Seiten des Perserkönigs erfreuten. Die Aussicht das einmal eingenommene Landesgebiet behalten zu können, wie die vortheilhasten Consequenzen überhaupt, die ihnen gewiß aus einer Verbindung mit den Juden hätten erwachsen müssen, veranlaßten sie mehr als ein innerer religiöser Drang, an Josua und Serubabel mit dem Ansinnen und Ansuchen, an dem Tempelbau theilnehmen zu dürfen, heranzugehen, wenn sie auch den Vorwand gleicher religiöser Lehre und Uebung dabei geltend zu machen suchten. Nach gepflogener Unterredung mit den Familienältesten von Seiten Josuas und Serubabels, erhielten