Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643684-3089704--0521-3090324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 43 — gegeben. In der 2. Klasse werden die Leseübungen fortgesetzt, die Declinatian und Conjugation der Hülfszeitwörter gelehrt. Zum Memoriren werden Wörter und kurze Phrasen aufgegeben. In der 3. Klasse werden die Conjugationen gelehrt und sobald die Schüler mit denselben bekannt sind, ihnen Anleitung gegeben, leichte Stellen mit Hülfe eines Wörterbuches zu lesen. Aus der Grammatik werden die leichtesten Themata übersetzt, verbessert und memorirt. Die aus der 2. Klasse in die 3. für Handwerker treten, wohnen diesem Unterrichte nicht bei. 9) Hebräische Sprache. Das Lesen muß (um den meisten Eltern keinen Anstoß zu geben) in der 1. Klasse angefangen werden. Die Methove ist dieselbe wie im Deutschen. In der 2. Klasse wird ein leichter Auszug aus den 5 Büchern Mosis übersetzt und in der 3. damit die leichtesten grammatikalischen Regeln verbunden. Der Lehrer benützt die Geschichten der Bibel, um moralische Betrachtungen daran zu knüpfen. 10) Geographie und Naturgeschichte. Die allgemeinsten Begriffe aus diesen Wissenschaften werden in der 3. Klasse als Vorbereitung zu dem zusammenhängenden Vortrage in den folgenden Klassen entwickelt. II. Dritte Klasse für Handwerker. Diese schließt sich an die 2. Klasse an. In derselben sollen es die Schüler in den Kenntnissen und Fertigkeiten so weit bringen, als zu ihrem Berufe nothwendig ist. Eine bürgerliche Moral und Religion, Rechnen, deutsche Sprachlehre, verbunden mit Hebungen in schriftlichen Aufsätzen, richtig und schön lesen, deutsches und hebräisches Schreiben, Zeichnen, besonders das architectonische, das Gemeinnützlichste aus der Geographie und Naturkunde, cursorische Uebersetzung der Bibel und Singen sind die Unterrichtsgegenstände dieser Klasse. III. Realklassen. Dieser sind zwei und machen die 4. und 5. Klasse der Schule aus. In denselben sollen der Knabe und das Mädchen diejenige Bildung erlangen, welche in unfern Zeiten gefordert wird, um zu den gebildeten Ständen gerechnet zu werden. Ueberdies erhalten die Knaben Unterricht in den, ihrem zukünftigen Stande nothwendigen Kenntnissen und Fertigkeiten und die Mädchen außerdem in weiblichen Arbeiten. Die Lehrgegenstände würden folgende sein: 1) Religionsunterricht. In den vorigen Klassen ist das religiöse Gefühl der Kinder entwickelt und zum Bewußtsein gebracht worden, nun kann schon der Unterricht zusammenhängender und allgemeiner sein, ohne deshalb einem gewissen Systeme sclavisch zu folgen; vielmehr muß sich der Lehrer bemühen, das Interesse der Schüler immer lebendig zu erhalten und daher die Lehre immer durch praktische Exempel erläutern, wozu Biographien großer Männer aus der alten und neuen Geschichte gebraucht werden können. Die Physikotheologie ist die beste Quelle einer edlen und fruchtbaren Darstellung von Gott und seinen Eigenschaften und muß daher fleißig benutzt werden. In der 5. Klasse werden die allgemeinen Lehren der Moral und Religion zusammenhängend vorgetragen und besonders die Quellen des Bösen und die Mittel zur Tugend gezeigt. Daran schließt sich eine historische Darstellung der jüdischen Religion, verbunden mit der jüdischen Geschichte, wobei die Schüler besonders auf die allgemeinen moralischen Stellen der Bibel aufmerksam gemacht werden. Das Bestreben und die Absicht des Lehrers gehe vorzüglich dahin, seine Schüler über die alltäglichen Gesinnungen zu erheben, die er ihnen in ihrer ganzen Verächtlichkeit darstellt und denen er feste Grundsätze entgegen stellt. 2) Deutsche Sprache. In der 4. Klasse wird die Grammatik ihrem ganzen Umfange nach vorgetragen und dabei ein Lehrbuch zu Grunde gelegt. Hiermit werden Uebungen im schriftlichen Gedanken-Vortrag verbunden. In der 5. Klasse erstrecken sich diese Uebungen über alle Gegenstände des bürgerlichen Lebens und die Lehre des Styls wird an denselben praktisch entwickelt. Durch Lesen und Memoriren schöner Stellen aus klassischen Schriftstellern werden die Schüler mit der Literatur unseres Vaterlandes bekannt gemacht und erhalten Anleitung zu einer zweckmäßigen und fruchtbaren Lectüre. An die Grammatik schließt sich eine populäre Logik. 3) Französische Sprache. Lesen und Memoriren klassischer Schriftsteller, verbunden mit 6-«-