Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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— 42 In der zweiten Klasse werden diese Uebungen gesteigert und zugleich die Grundbegriffe der allgemeinen Sprachlehre und die Lehre von Ableitung und Bildung der Wörter entwickelt, womit die ersten orthographischen Uebungen verbunden werden. Die zweite Abtheilung dieser Classe hat zwei besondere Stunden zur Uebung der Declination und Conjugation, um in der französischen Sprache nicht aufgehalten zu sein. In der dritten Classe wird die Elementar-Grammatik gelehrt und die Schüler besonders in der Orthographie durch vielerlei Uebungen befestigt. Zur Vorbereitung auf die in der folgenden Classe beginnenden Stylübungen werden nach Wilmsen, Dolz und andern die Schüler im Bilden der Sätze aus angegebenen Wörtern, Auffinden passender Eigenschaft- und Zeitwörter, Nachschreiben kleiner Erzählungen u. dgl. eingeübt. 3. Rechnen. Dieser Gegenstand ist sowohl wegen seines praktischen Nutzens als wegen seines unmittelbaren und sicheren Einflusses auf die Erweckung der Aufmerksamkeit, Schärfung der Denkkraft und Gewöhnung an deutliche Erkenntniß von äußerster Wichtigkeit. Der Unterricht beginnt mit Zählen, Zusammenzählen, Abzählen, Theilen. Dieses geschieht theils mit Würfeln, theils läßt der Lehrer die Kinder Striche auf ihre Tafeln machen. Hierauf werden die Pestalozzi'schen Uebungen durchgegangen un die Schüler bis zu einer deutlichen Einsicht in die einfachsten Operationen mit gebrochenen Zahlen gebracht. In der dritten Classe wird das Zifferrechnen angefangen und das Kopfrechnen dabei immer fortgesetzt, um durchaus keinen blinden Mechanismus aufkommen zu lassen. Wenn die Schüler aus dieser Classe treten, müssen ihnen wenigstens die vier Rechnungsarten mit unbenannten und benannten Zahlen geläufig sein. 4. Lesen. In den untersten Classen beginnt der Unterricht mit Uebungen im Nachsprechen der Laute der Auflösung der Wörter in ihre einfachen Bestandtheile. Dann werden die Zeichen (Buchstaben nach Stephani gelehrt und dabei dessen Tafeln gebraucht. Der Leipziger Buchstabenkasten dient besonders dazu die Kinder in Zusammensetzung und Auflösung der Wörter auf eine anschauliche Weise zu üben. In der zweiten Ctasse wird schon auf richtige Betonung und Beobachtung der Pausen gesehen. Zur Gedächtnißübung werden leichte Erzählungen in Prosa und Versen zum Memoriren aufgegeben. 5. Schreiben. Dieß fängt in der zweiten Abtheilung der ersten Classe an. Anfangs auf die quadrirte Schiefertafel, damit das ungeübte Auge des Kindes ein Berhältniß der Größe und Richtung der Linien und Buchstaben habe. In der zweiten Classe fängt das Schreiben mit der Feder an. 6. Zeichnen. Der Sinn des Gesichtes dieses Organs, das dem Menschen die meisten Begriffe von der Außenwelt zuführt, bedarf einer besonderen Uebung. Hierzu dient das Zeichnen. Der Lehrer zeichnet gerade und krumme Linien nach allen Richtungen an die Tafel und läßr sie von den Kindern nachbilden. Dann zeigt er, wie aus diesen Linien allerlei Figuren entstehen, leitet die Schüler zur Selbsterfindung an und sucht das Gefühl für Symmetrie und Harmonie in ihnen zu erregen. Endlich zeichnet er die Umrisse verschiedener Gegenstände an die Tafel und zeigt, wie ein Gegenstand aus verschiedenen Gesichtspunkten abgebildet wird. 7) Singen. Soll der Mensch allseitig gebildet werden, so darf der Sinn für das Schöne in Ton, Melodie und Harmonie nicht uncultivirt bleiben. Und hängt das Schöne mit dem Guten nicht innig zusammen? Gibt es edlere, unschuldigere Freuden, als das Vergnügen und die Lust an Herz erhebendem Gesang? Wie sehr kann der Gottesdienst dadurch gehoben und veredelt werden! Der Unterricht hierin beginnt in der 2. Klasse damit, daß der Lehrer sehr einfache Lieder vorsingt, solche zuerst von denen, die die meisten musikalischen Anlagen zeigen, dann von der ganzen Klaffe sanft und langsam nachsingen läßt. In der 3. Klasse werden schon schwerere Melodien gewählt und die eigentliche Singlehre nach Pfeifer und Nägeli angefangen. 8) Französische Sprache. Diese schon längst allgemeine Sprache der gebildeten Stände ist in den jetzigen Verhältnissen und in einer Stadt wie Frankfurt besonders wichtig und ist es in den Augen der Eltern noch mehr. Soll aber in der Schule etwas geleistet werden können, so muß der Unterricht in derselben frühe angefangen werden. Derselbe beginnt in der 2. Abtheilung der 1. Klasse damit, daß der Lehrer Wörter und sehr kurze Sätze vorspricht und nachsprechen läßt. Nach einiger Uebung hierin wird das Lesen an Tafeln gelehrt und sobald die Schüler Fortschritte hierin gemacht haben, Wörter zum Memoriren auf-