Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643684-3089704--0519-3090322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 41 — Wenn nun die Schüler, welche sich dem Handel, Fabrikwesen, Militärdienst oder einer Kunst widmen, in ihrem 5. Jahre in die Schule treten und bis zum 14.—15. Jahre in derselben bleiben so würden wenigstens 5 Classen oder Lehrcursus erforderlich sein und zwar 3 Elementar- und 2 Realclassen. Diejenigen Schüler, welche einem Handwerke bestimmt sind und daher eines kleineren Umfangs von Kenntnissen bedürfen, treten aus der zweiten Classe in die 3. Classe für Handwerker, in welcher sie bis zum Eintritt in die Lehre, die ihrem Stande nothwendigen Kennwisse und Fertigkeiten erlangen können. Für die Mädchen mögen vier Classen hinreichend sein. Außer diesen noch eine Volksschule mit zwei Classen für diejenigen, deren Stand sie zum Arbeiten bestimmt, die daher bald aus der Schule treten und denen eine höhere Bildung nicht nur unnützlich, sondern unfehlbar schädlich sein würde. Jede dieser beiden Classen erhält 18—20 wöchentliche Stunden und zwar die eine Vormittags und die andere Nachmittags, welche hinreichend sind, um das Nothwendige zu erlernen. Weibliche Arbeiten werden in diesen Classen (aus den angegebenen Gründen) vor der Hand nicht gelehrt. Die nun folgende Uebersicht der Unterrichtsgegenstände folgt im Ganzen dem vortrefflichen Plane der katholischen Bürger- und Realschule'^) bis auf diejenigen Modificationen, welche die besonderen Verhältnisse erheischen und deren wesentliche Punkte bereits angegeben sind. Knabenschule. I. Elementarclassen. Dieses sind die erste, zweite und dritte Classe Der Hauptzweck derselben ist, die von der Natur in das Kind gelegten Kräfte durch eine, dem Gange der Natur und den Gesetzen des menschlichen Denkvermögens folgende Methode zu entwickeln und dem Knaben zugleich die Elemente der unentbehrlichsten Kenntnisse und manche Fertigkeiten beizubringen. Diese EntWickelung und Kenntnisse sind die Grundlage worauf eine weitere Ausbildung gebaut werden soll. Die Lehrgedenstände sind: 1. Religionsunterricht. An einfachen Erzählungen so viel wie möglich aus der Kinderwelt genommen, wird in der ersten Classe das moralische und religiöse Gefühl entwickelt und zum Bewußtsein gebracht. Jede Tugend wird als unbedingt nothwendig dargestellt und jedes Vergehen als verächtlich und entehrend, ohne Beweis und Ursache, die das Kind gar nicht verlangt. Durch eingestreute Fragen wird die Aufmerksamkeit der Kinder angeregt und dem Lehrer Gelegenheit gegeben, ihre Begriffe zu entwickeln und zu berichtigen. In der zweiten und dritten Classe wird auf diese Weise, mit Rücksicht auf dle erweiterten Begriffe der Kinder fortgefahren und die den Kindern zum Theil bekannte biblische Geschichte benützt. Der Lehrer suche sich mit der sittlichen Beschaffenheit jedes Kindes bekannt und die herrschenden Fehler zu seinem besonderen Augenmerk zu machen. Kurze Verse und Denksprüche können dazu dienen, die Lehre dem Gedächtnisse fester einzuprägen und bei Veranlassungen hervorzurufen. Hierzu können die Sammlungen von Dolz, Engel und andere gebraucht werden. In der dritten Classe werden die Sprüche zum Theil aus dem alten Testamente genommen. 2. Sprach- und Verstandes Übungen. Der Stoff und die Form dieser Uebungen sind so mannigfaltig, daß eine Darstellung derselben die Grenzen dieses Planes übersteigen würde. Ihr allgemeiner Zweck ist, das Kind anzuleiten, seine Sinne und seinen Verstand zu gebrauchen, d. h. die ihm sich darbietenden Gegenstände nach ihren Formen, Eigenschaften und Verhältnissen zu betrachten und nur deutliche und klare Begriffe in sich aufzunehmen. Diese können aber nur vermittelst des bestimmten Ausdruckes durch Worte festgehalten werden, und die Ausbildung der Sprache ist mit diesen Uebungen nothwendig verbunden und besonderer Zweck derselben. Hierbei findet sich mannigfache Gelegenheit, die Fehler des Dialects und der häuslichen Erziehung in dieser Hinsicht zu verbessern. Als Hülfsmittel für diesen Gegenstand wäre eine Sammlung vieler Gegenstände aus der Natur und Kunst zu wünschen. *) S. oben S. 23 Anmerkung. 6