Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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— 26 — mit welcher man immer bedacht war, tüchtige, talmudisch und zugleich allgemein wissenschaftlich gebildete Religioslehrer für'die Schule zu gewinnen. Aber mit einer peinlichen Aengstlichkeit, als gelte es das Palladium ihrer Selbständigkeit und Freiheit zu schützen, hat die Schule jede Einmischung des Rabbiners der Gemeinde in ihre Angelegenheiten von Anfang an und selbst dann noch von sich fern gehalten, als zu diesem Amte im modernen Sinne wissenschaftliche Männer berufen wurden, die in grundsätzlicher Übereinstimmung mit der Schule sich befanden: nie hat der Rabbiner der Gemeinde irgend eine amtliche Stellung zu unserer Schule gewinnen können, niemals hat er auf dieselbe einen Einfluß ausgeübt. III. Die trüben Zeiten der Schule. Die neue Schule trat unter dem Namen „Bürger- und Realschule für die israelitische Gemeinde" als eine vom Staate anerkannte öffentliche Schule in's Leben. Gleich allen andern hiesigen öffentlichen Schulen wurde sie unter die Oberaufsicht der Oberschulbehörde des Departements Frankfurt gestellt und mit dem Referat über dieselbe wurde ein Mitglied jener Behörde, der Ober-Schul- und Studienrath vr. Oppenheim betraut. Zur Leitung der ökonomischen Angelegenheiten wurde unter dem Namen Schul-Verwaltungsrath eine aus 8 Mitgliedern der israel. Gemeinde zusammengesetzte Behörde eingesetzt; dazu wurden vom Großherzog die bisherigen Vorsteher, des Philanthropin: Geisenheimer, Joseph Pfungst, S. Mersheim, Daniel H. Kulp, Justus Hiller, ferner die Mitglieder der Schulsection bei der Verwaltungs-Behörde der Gemeinde: A. B. May, E. S. Halle und M. Gerothwohl ernannt und unmittelbar der großherzoglicheu Ober-Schul- und Studien-Inspektion untergeordnet. Mit der pädagogischen und disciplinarischen Leitung wurde der Oberlehrer Heß beauftragt. Wie er, so erhielten auch die an die neue Schule berufenen ständigen Lehrer ihre Anstellungsdekrete von der Ober-Schul-und Studien-Inspektion; sie wurden damit als Staatsdiener anerkannt. Außer den Lehrern Lehmann, Bechhold, Stockheim, Preßburger, Brettenheim, I. Maas, Boehmer, welche sich durch ihre Thätigkeit am Philanthropin bewährt hatten, wurden noch zwei auswärtige Lehrer an die Schule berufen: N. Zirndorfer, welcher, was damals bei Juden noch selten war, sich regelmäßig auf einem Schullehrerseminar für das Lehramt vorbereitet und in München eine Schule geleitet hatte, und I. Johlson. Dieser war bis dahin Lehrer am Lyceum in Creuznach, aber einem Rufe an die hiesige Schule zu folgen, die in der Gunst des Fürsten und in dem Schutze des Staates die Bürgschaft einer gesicherten Existenz besaß, zögerte er um so weniger, als man ihm zugleich eine Stelle als Consistorialrath in Aussicht stellte. Es war ein ansehnliches Collegium junger, aufstrebender Lehrer unter der Leitung eines 30jährigen und doch im Amte bereits erprobten, geistvollen, mit anregender Kraft begabten, auch durch eine stattliche äußere Erscheinung imponirenden Mannes; Alles schien vereinigt, um der Schule einen guten Fortgang zu sichern. Aber in den allgemeinen Verhältnissen lag etwas, das den Menschen die Ruhe und den innern Frieden raubte, welche die Bedingungen jeder fördernden Schulthätigkeit sind: wie schwüle Gewitterluft lastete es auf der Stadt. — Da brausten die Donner der Leipziger Völkerschlacht