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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1875-01-01 · 1875 · page 20

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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- 21 - große Anzahl jüdischer Eltern für ihre Kinder eine höhere Bildung erstrebt, ist eine in der jüdischen Lebensauffassung begründete Eigentümlichkeit und uralte Uebung*). Nachdem nun durch die Begründung des Philanthropin und der anderen erwähnten jüdischen Schulen dem jüdischen Lerutriebe und Bildungsbedürfniß hier in Frankfurt die Richtung auf deutsche Bildung gegeben war, st> war es ganz selbstverständlich, daß jene Schulen ihren Zöglingen eine reichere geistige Nahrung bieten mußten, als die gewöhnlichen Elementarschulen gewähren, sie hätten sonst in Bezug aus die letzten Zwecke des Lernens gegen die alten jüdischen höheren Schulen einen RüZschritt dargestellt, sie hätten auch praktisch der zum größten Theile dem Kaufmannsstande angehörenden Bevölkerung nicht genügt, man hätte sie nicht beachtet; mit einem WMe das Philanthropin war darauf angewiesen gewesen, seinen Zöglingen diejenige Bildung zu geben, welche dem wohlhabenden und gebildeten Kaufmanne für seine Söhne wünschenswerth ist. Nicht als ob die gesammte hiesige jüdische Einwohnerschaft im Anfange unseres Jahrhunderts wohlhabend und *) Ich kann es mir nicht versagen, hier eine Stelle aus einer Abhandlung meines leider zu früh verstorbenen Freundes, des Prof. Hermann Schwabe, Betrachtungen über die Volksseele von Berlin. Berlin- und seine EntwUbmg.. Städtisches Jahrbuch, IV. Jahrgang 1870, S. 1S0, anzuführen: „Die Bedeutung, welche die Huden dem Unterricht, überhaupt dem Wissen, der Kunst und Gelehrsamkeit beilegen, spiegelt sich in folgenden Ermittelungen ab; es genießen in Berlin von 100 jüdischen Knaben 56 höheren Unterricht, „ „ „ Mädchen 66 „ „ während im Durchschnitt der übrigen Confessionen blos 20 pCt. Knaben und 16 pCt. Mädchen höhern Unterricht genießen. Auch der Unterricht im Hause wird am stärksten von den Juden cultivirt. Wir haben in Berlin. 358 Familien, welche sich Erziehungspersonal im Hause halten: daMN kommen 243 auf die Evangelischen, 12auf die. Katholischen^ 100 auf die Juden; würde man die Vertheilung nach der numerischen Stärke der Con-l fessionen vornehmen, so würden blos 14 auf die Juden kommen. Man behauptet häufig dies hänge mit dem Reichthum der Juden zusammen. Dies ist auch bis zu einem bestimmten Grade wahr; aber das eigentlich treibende Motiv liegt tiefer, denn diese Eigenschaft läßt sich aus die Zeit der babylonischen Gefangenschaft zurückdatiren, wenigstens sind die ältesten jüdischen Urkunden und Volkssprache davon durchdrungen^ „Bor Allem lerne, heißt es im Talmud, denn gar bald wwsti Du. das, Studium, qus welcher Rücksicht immer begonnen, um seiner selbst willen lieben." „Jerusalem ward zerstör^ sagt ein altes Sprüchwort, weil der Unterricht der Jugend vernachlässigt wurde, denn die Welt wird durch den Athem der Schulkinder erhalten." „Verehre Deinen Lehrer mehr als Deinen Vater — sagt der Talmud — der. letztere hat Dich in diese Welt gebracht, der erstere zeigt Dir den Weg in eine höhere." Sodann sind die Juden ein thätiges und rühriges Bold; von jeher find Müßiggang und Askese ihnen verhaßt gewesen. Frömmigkeit und Gelehrsamkeit selbst erhalten die gebührende Achtung nach dem Talmud nur dann, wenn sie mit rüstiger körperlicher Arbeit verbunden sind. „Es ist gut Deinen Studien ein Gewerbe zuzugesellen; so bleibst Du. von- Sünden rein." „Der Arbeiter an? seinem Werke braucht vor dem grüßten Gelehrten nicht aufzustehen." „Größer ist der, welcher seinen Unterhalt durch Arbeit verdient, als der, welcher Gott fürchtet." Von diesen Anschauungen? finden wir die heutigen Juden noch ebenso durchdrungen. Seitdem Schwabe dieses, geschrieben, find die Juden in der angegebenen Richtung fortgeschritten. Nach- L. W iese, das höhere Schulwesen in Preußen III. Abschnitt IV u. V betrug die Zahl der jüdischen. Schüler am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium zu Posen üher die Hälfte, an einigem Breslauer und sast sämmtlichen städtischen? Gymnasien Berlins weit über ein Viertel der Gesammtzahl. In Berlin ist die Zahl der jüdischen Schüler, welche höhere Schulen besuchen, so gestiegen, daß sie etwa den vierten Theil der GesammtzaU betrug, hier in Frankfurt, beträgt sie, nach einer ungefähren Berechnung etwa der Gesammtzahl, während das Verhältnis der jüdischen Einwohner zu den christlichen etwa wie 1:9 ist. —

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