Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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— 20 — Vorliebe für irgend eine Idee, entworfen hätten und daß derselbe, als den Lokal-Verhälwissen vollkommen angemessen, nach erfolgter Genehmigung sicherlich die Zufriedenheit des ganzen aufgeklärten Publikums erlangen werde. Die großherzogliche Negierung hatte ursprünglich die Gründung einer öffentlichen Volksschule für Israeliten in Aussicht genommen, hier erhielt sie einen Plan zu einer Schule, die hauptsächlich nnd wesentlich eine Realschule sein und nur nebenher auch dem Bedürfniß der unteren Volksschichten dienen sollte. Daß bei den allgemeinen Verhältnissen und Anschauungen der Juden nur eine solche Schule Aussicht auf Bestand und Gedeihen innerhalb der hiesigen israelitischen. Gemeinde haben konnte, war in den, den Plan begleitenden Bemerkungen dargethan, es gab aberdafür noch einen, dort nicht erwähnten Grund. Wir haben schon des Jacob Sächsischen Institutes Erwähnung gethan, welches hier fast gleichzeitig mit dem Philanthropin gegründet worden war. Durch die Tüchtigkeit seiner Lehrer und die geschickte Leitung war dasselbe rasch aufgeblüht und hatte zahlreiche Schüler und Schülerinnen. Wenn neben diesem Institute auch das Philanthropin zahlreiche Schüler gewonnen hatte, so war es geschehen, weil auch dieses zahlende Schüler aufgenommen, das Schulgeld zwar nicht so hoch wie Sachs, aber auch nicht niedrig bemessen und seinen Zöglingen eine für die wohlhabenden Bürger genügende Bildung zu geben, sich bemüht hatte. Es war bestimmt vorauszusehen, daß in dem Augenblicke, wo das Philanthropin aufhörte, um einer niederen Volksschule Platz M machen, die/ irgendwie bemittelten Eltern ihre Kinder nicht der Volksschule, sondern dem Sächsischen oder irgend einem andern Privatinstitute übergeben würden. Vollends wäre, die Mädchenschule ohM die von Heß vorgeschlagene Sonderung in eine Volks- und höhere Mädchenschule lediglich auf die Ummerliche Existenz einer mit dem zunehmenden Wohlstand der Gemeinde immer tiefer hin-! absteigenden Armenschule angewiesen geblieben. Denn immer im Hinblick auf die ganze Zukunft, des Kindes und noch mit ungleich größerer Vorsicht als für den Sohn, wählen die Eltern und wählt zumal die jüdische Mutter die Schule für die Tochter, welche sie mit peinlicher Umsicht Kreisen fern hält, in denen sie mit der mangelnden Sorgfalt in Haltung und Sprache auch einen Mangel an feinem Sinn und innerer Bildung vermuthen. Es klingt hart, wenn wir, in derselben Anstalt vereinigt, zwei Schulkategorien für die Kinder der Unbemittelten und Wohlhabenden einrichten sehen, wie viel humaner — so scheint es — war doch der Vorschlag, mit der Carlsschule eine allgemeine obligatorische Volksschule für reich und arm zu errichten! Und dennoch war es zur Zeit in hohem Grade verdienstlich, die 1809 projectirte allgemeine Volksschule.für Israeliten zu bekämpfen und die Errichtung einer vom Staate anerkannten Bürger- und Realschule zu befördern. Die obligatorische Volksschule hätte, wenn ihre Durchführung— was wir in Abrede stellen — überhaupt möglich geworden wäre, den Bildungsgrad der hiesigen israelitischen Bevölkerung, auch der wohlhabenden, möglichst niedrig gehalten, die Bürger- und Realschule hat denselben und damit auch den Wohlstand und die sociale Stellung der Gesammtheit gehoben. Aber auch für eine Volksschule, wie sie das Gesetz vom 1. Februar 1812 in Aussicht genommen, war innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde kein Boden: die Anzahl jüdischer Eltern, die sich für ihre Kinder mit einer solchen begnügt hätte, wäre zu gering gewesen. Denn was in der Gegenwart als eine bemerkenswerthe Thatsache festgestellt und mit Recht als rühmlich hervorgehoben wird, daß eine im Vergleich zu den übrigen Confesstonsgemeinden unverhältnißmäßig