Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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— 16 - an: höchst besteuerten Gememdemitgliedern fünfzehn von der Regierung zu Notabeln ernannt^), deren Functionen darin bestanden, die Mitglieder zu den erledigten Stellen der Verwaltungsbehörden zu wählen und bei Erledigung der Ober- und Unterrabinerstellen der Regierung jedesmal 3 Kandidaten zur Auswahl vorzuschlagen. Die neue Schulsection^) sah sich bei den veränderten Verhältnissen einer andern Aufgabe gegenüber. Diese bestand wesentlich in der Sorge für die Fertigstellung des Schulbaues im Comvostell und in der Wahrnehmung der Interessen des zum Theil schon vorhandenen, zum Theil aus den etwaigen Stiftungen zu vermehrenden Schulfonds. Um die Begründung einer neuen Schule kümmerte sie sich nicht, sie überließ die Sorge dafür der Staatsbehörde, d. i. der neu eingesetzten Ober-Schul- und Studien-Jnsvection, welche mit Rücksicht auf die Confessionsgemeinde zusammengesetzt war und zu deren Mitgliedern einer der hervorragendsten Männer der hiesigen israelitischen Gemeinde, vi-. S. I. Oppenheim, gehörte. Au die Einrichtung einer israelitischen Schulanstalt mit den: Lehrziel der Carlsschule dachte Niemand mehr, aber es war nicht leicht, eine Schulform zu finden, welche gleichzeitig dem Bedürfnisse der israelitischen Gemeinde und den Bestimmungen des großherzoglichen Unterrichtsgesetzes entsprach. Diesen letzteren Zu genügen, hätte eine öffentliche israelitische Volksschule gegründet werden müssen; dem Fortbestande des Philanthropin und anderer jüdischer Privatschulen neben einer solchen öffentlichen Volksschule stand, da mit der Carlsschule auch der Gedanke einer Zwangsschule sich verflüchtigt hatte, gesetzlich nichts im Wege, nur mußten sie „neue Privilegien ihrer Fortdauer nachsuchen und sich einer obrigkeitlichen Aufsicht unterwerfen".^) Es scheint aber, daß für die Errichtung einer israelitischen Volksschule Niemand sich begeistern konnte, wenigstens ist eine Thätigkeit für dieselbe nirgends erkennbar. Während nun auf diese Weise die Gründung einer neuen israelitischen Schule, die dem Publikum seit vier Jahren angekündigt war, und zu deren Aufnahme das Compostell eben eingerichtet wurde, sich immer mehr ins Ungewisse hinzögerte, gerieth die einzige auch armen Kindern zugängliche, den Bedürfnissen entsprechend eingerichete Schule innerhalb der israelitischen Gemeinde, das Philanthropin, in eine bedrängte Lage und die Notwendigkeit, sie aus derselben zu befreien, führte zur endlichen Lösung der obwaltenden Schulfrage. Das Philanthropin hatte sich in den acht Jahren seines Bestehens zu einer wohlorganisirten Schule entwickelt; es bestand im April 1812 aus sechs Knaben- und Mädchenklassen, mit zusammen 233 Zöglingen (144 Knaben und 89 Mädchen), worunter 45 arme Kmder waren, welche unentgeltlich unterrichtet und gekleidet wurden; es war, wie gesagt, die einzige Schule in der Gemeinde, welche für den Unterricht der Armen sorgte und die den Charakter einer öffentlichen Anstalt insofern beanspruchen durfte, als sie, fern davon irgend welche Privatzwecke zu verfolgen, *) 1) Der Unterrabbiner Sal. Abr. Trier, 2) Benedict S. Go ldschmidt, 3) Moses Jacob Emden, 4) Meier Herz Fuld, 5) Lazarus Herz Getz, 6) G. C. Amschel, 7) Joseph Pfungst, 8) I. I. Sichel, 9) Gumpertz Glissen, 10) Joseph Oppenheimer, 11) Joseph Hirsch Schames, 12) Abraham Rothschild, 13) Herz Elias Reiß, 14) Nsä. vr. Oppenheimer, 15) Loeb Herz FIversheim. Sie bestand aus den Herren A. B. Man, E. S. Halle, M. Gerothwohl. ***) Großh. Regierungsblatt I, 631.